Mit Bestandsliste unterwegs : 1,2,3 ganz viele – Inventur im Tierpark

Sehr neugierig: Die Bennett-Kanguruhs freuen sich über Besuch, die Anzahl der sechs Tiere hat Dr. Gabriele Ismer aber schnell erfasst.
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Sehr neugierig: Die Bennett-Kanguruhs freuen sich über Besuch, die Anzahl der sechs Tiere hat Dr. Gabriele Ismer aber schnell erfasst.

105 Arten – 659 Köpfe: Auch im Tierpark wird zum Jahresbeginn eine Bestandsaufnahme gemacht. Gesamtwert der Tiere ist schwer zu schätzen.

shz.de von
05. Januar 2017, 05:23 Uhr

Gettorf | Nicht nur im Supermarkt oder im Baustoffhandel wird dieser Tage fleißig gezählt – auch im Tierpark Gettorf steht in der ersten Januar Woche die Bestandsaufnahme an. Tierpark-Biologin Dr. Gabriele Ismer ist dann auch mit Stift und Block auf dem Weg von Gehege zu Gehege.

Gar nicht so einfach: Große Aufregung herrscht bei den „Unzertrennlichen“, wenn jemand den Käfig der kleinen Vögel betritt. „Dann muss man erstmal ein wenig warten und unbeteiligt in der Gegend rumgucken“, verrät Ismer ihren Trick. Wenn Ruhe eingekehrt ist, soll das Zählen beginnen. „Aber wehe, die Vögel merken, dass sie fixiert werden. Dann werden sie gleich wieder unruhig“, sagt sie und lacht. Die Unzertrennlichen – in diesem Jahr genau 36 an der Zahl – stellen immer eine der größten Herausforderungen bei der Inventur im Tierpark dar. Generell sind die kleinen Schwarmvögel schwer zu zählen. „Die sitzen ja nie still“, sagt die Tierpark-Biologin. Sogar mit Fotos habe man es schon versucht, aber darauf sind auch nie alle gleichzeitig zu finden. „Ich zähle dann drei Durchgänge und wenn es dreimal zum gleich Ergebnis kommt, schreib ich es auf“.

Im Großen und Ganzen ist Dr. Ismer in diesem Jahr sehr zufrieden mit der Zählung. „Es gibt kaum Abweichungen“, sagt sie. Sogar bei den Wellensittichen habe sie in diesem Jahr eine genaue Zahl: 135 fliegen in Voliere, die mit großen Plastikbahnen abgedeckt wurde – wegen der Vogelgrippe. Alle anderen Federtiere sind seit Anfang November in ihren Ställen und Innenhäusern. „Das ist besonders schlecht für die Nandus, die gern laufen“, beschreibt Ismer.

Zu Abweichungen komme es manchmal, wenn sich die Geburten in einigen Gehegen häufen, wie es mal bei den Totenkopf-Äffchen oder den Zwergziegen vorkommen kann. Dann kann mal eine Geburt nicht registriert werden. Bei den Zwergziegen gibt es gerade so etwas wie eine Geburtswelle. Um Weihnachten herum sind fünf, seit Neujahr schon wieder acht Ziegenlämmer auf die Welt gekommen. „Sie werden oft gleichzeitig trächtig. Das ist gut. Wenn in der Natur Räuber kommen, können sie nie alle holen“, erklärt Ismer.

Abweichende Zahlen kann es auch in den großen und unübersichtlichen Außenanlagen geben. Hier kann es zum Beispiel mal zu einem Verlust kommen, der nicht gleich auffällt. „Bei der Wasservogelwiese ist das mal der Fall“, sagt die Expertin. Hier fehlt eine Löffelente. „Sie ist spurlos verschwunden. Wir wissen schlichtweg nicht, wo sie abgeblieben ist“, ergänzt sie. Es wird vermutet, dass ein Fuchs oder ein Marder dort sein Unwesen treibt. Manchmal verstecken sich die Tiere auch einfach nur in den Weiden.

Insgesamt 105 Tierarten stehen auf der Bestandsliste des Gettorfer Tierparks – das sind 659 einzelne Tiere. Einige Tierarten sind zahlenmäßig schnell überschaubar, wie die Schopfmakaken, Varis und Kattas oder viele der großen Tiere. Schwierig wird es neben den Freivogelgehegen auch bei den Präriehunden. „Jetzt schlafen sie, aber auch sonst wissen wir nie, wie viele sich wirklich in den zum Teil selbst gebauten unterirdichen Wegen und Höhlen befinden“, sagt Ismer. Da gebe es dann so etwas wie einen Mindestwert. „Wir haben mindestens zwölf gleichzeitig draußen gesehen“, ergänzt sie. Ohne ein gewisses Maß an Ungenauigkeit gehe es in diesem Fall nicht.

Mal einen, manchmal auch zwei Tage zählt die Tierpark-Biologin die Bewohner. Die Inventur ist wichtig für die Bücher, für die steuerliche Erfassung. Aber einen genauen Wert nennen, kann sie nicht. Da es sich vielfach um geschützte Tiere handelt, für die ein Handelsverbot besteht, sei es schwierig die Werte genau zu ermitteln. „Wie will man das machen: Tierparks tauschen untereinander, aber echte Vergleichswerte gibt es keine“, sagt sie.

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