Ärger mit Telefonanbieter in Owschlag : 1&1-Kunde muss wochenlang ohne Telefon und Internet auskommen

Norbert Wemmert konnte wochenlang nur mit Hilfsmitteln Internet und Telefon nutzen.
Norbert Wemmert konnte wochenlang nur mit Hilfsmitteln Internet und Telefon nutzen.

Das Owschlager Ehepaar Wemmert ist verärgert über ihren Telefonanbieter 1&1. Sie hatten hohe Kosten trotz fehlender Leistungen.

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23. September 2017, 06:14 Uhr

Die Rückkehr aus ihrem Urlaub hatten sich Ingrid und Norbert Wemmert anders vorgestellt: Nach einer neuntägigen Ostsee-Kreuzfahrt wollte sich das Ehepaar im Eigenheim in Owschlag (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wieder häuslich einrichten. Dabei stellten die Rentner fest, dass weder das Telefon funktionierte noch eine Internetverbindung herzustellen war. Das war am 11. August. Einen Tag später begann eine lange Geduldsprobe: Viele Stunden verbrachte Norbert Wemmert in der Warteschleife und im Gespräch mit Callcenter-Mitarbeitern des Anbieters „1&1“. Lange Zeit vergeblich – erst seit Mittwoch funktioniert alles wieder.

Ähnliche Probleme wie das des Ehepaares Wemmert kennen viele andere Kunden auch von ihren Telefonanbietern.

„Zunächst wurden einfache Lösungen vorgeschlagen. So haben wir das Kabel zwischen Fritzbox und Anschlussdose erneuert“, erklärt er. Außerdem habe er die Fritzbox auf Anraten eines „1&1“-Mitarbeiters statt an einen Mehrfachstecker direkt an den Strom angeschlossen. „Es hieß, dass die Box über einen Mehrfachstecker nicht funktioniert, das ist Quatsch“, so der 71-Jährige.

Nach knapp einer Woche wurden zumindest die Telefonate von der Festnetznummer kostenlos auf das Handy des Rentners umgeleitet. „Das war schon mal was, aber wenn ich mit dem Handy unterwegs war, konnte meine Frau trotzdem keine Gespräche führen.“ Außerdem musste das Paar die Kosten für die ausgehenden Telefonate zahlen. Ihr Festnetzanschluss umfasst hingegen eine Flatrate. „Statt 11,98 Euro im Monat habe ich nun 51,55 Euro für die Handynutzung ausgegeben.“ Außerdem wurde die Monatsrate für Festnetz und Internet abgebucht, obwohl die Leistung nicht zur Verfügung stand.

„Regelrechte Hinhalte-Taktik“

Abgesehen von den zusätzlichen Kosten wuchs bei dem Paar im Laufe der Zeit auch der Ärger. „Wenn ich ehrlich bin, fühlte ich mich veräppelt. Immer wieder wurde ich vertröstet und nicht ernstgenommen. Bei ‚1&1‘ wird eine regelrechte Hinhalte-Taktik gefahren“, empfindet es Norbert Wemmert. Er kann nicht begreifen, wieso wochenlang weder Problem benannt noch Lösung gefunden werden konnten. „Meine Frau ist Schriftführerin beim DRK in Owschlag. Ich bin der Vorsitzende des Männergesangvereins im Ort und engagiere mich auch in der Tischtennis-Sparte unseres Sportvereins. Ohne eine Verbindung nach außen sind wir aufgeschmissen.“

Ohne Internet seien aber nicht nur die ehrenamtlichen Verpflichtungen kaum zu erfüllen. Ob Online-Banking, Ticketreservierung für Theater-Karten, die nur im Internet zu haben sind, oder Skype mit Freunden im Ausland – ohne eine Verbindung ins World Wide Web sind viele Dinge plötzlich nicht mehr möglich. „Es fängt schon bei unserem Zeitungsabo an. Das ePaper stand uns auf einmal nicht mehr zur Verfügung. Anfangs behalfen sich Wemmerts, indem sie ihre Tochter besuchten, die ebenfalls in Owschlag wohnt. Dort konnten sich die beiden in das WLAN einloggen. Zwischenzeitlich hat der ehemalige Finanzbeamte selbst eine Lösung gefunden: Er hat sich für rund 65 Euro einen sogenannten Port gekauft, mit dem er ins Internet kommt. Dafür benötigte er allerdings Sim-Karten mit Guthaben, die ihn mittlerweile auch schon 50 Euro gekostet haben. Hinzu kommt ein Kabel für 17 Euro. „Ich habe eine Rechtsschutzversicherung und werde nun einen Anwalt einschalten, damit wir die zusätzlichen Kosten erstattet bekommen.“

Doch die Kosten waren für das Paar das geringste Problem. Mehr als 20 Mal hat sich Norbert Wemmert in den knapp sechs Wochen, in denen ihm die gebuchte Leistung nicht zur Verfügung stand, bei „1&1“ nach dem Stand der Dinge erkundigt. Ein Techniker war vor Ort, weitere Termine sind ohne Absage geplatzt, ein Störungstrupp sollte den Fehler finden, doch alles blieb ohne Erfolg.

Erst am Mittwoch kam der erlösende Anruf: Alles funktioniert wieder. Schuld sei eine Verschaltung beim Carrier gewesen. Damit ist im Allgemeinen ein Netzanbieter gemeint, der eigene Netze und die Komponenten zur Datenübertragung zur Verfügung stellt. Wo genau das Problem lag, interessiert Wemmerts allerdings nicht mehr. Sie werden schriftlich ihre zusätzlichen Kosten einfordern und gegebenenfalls einen Anwalt einschalten. Bei „1&1“ war trotz mehrmaliger Kontaktversuche niemand zu erreichen.

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