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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 10:16 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 27.Aug.2013 | 00:35 Uhr

Zwei modernistische Gebäude zuviel



Zu: Neubauten in Eckernförde, siehe auch „Eckernförde intern“, EZ v. 24. August

Mit bangem Herzen sah ich der Enthüllung des Platzhalters des ehemaligen Kinogebäudes in der Kieler Straße entgegen, war doch schon seit längerem zu bemerken, dass die Fassade mit grau-schwarzem Verblendstein versehen würde. Erinnere ich es denn so falsch? Denn ich glaube, dass in einem wohlwollenden Artikel zum entstehenden Neubau Ende 2012 von einem gelben dänischen Klinkerstein die Rede war. Damit hätte ich wohl gerade noch leben können. Das schwarze Kleid lässt mir jedoch geradezu das Blut in den Adern gefrieren. Kontrastiert dieses dann auch noch mit merkwürdig schillernden riesigen Glasflächen, ist das Grauen in meiner Wahrnehmung perfekt. Mit diesem Effekt haben Investor wie zukünftige Mieter eines sicher: Die Blicke sämtlicher Passanten werden nahezu magisch angezogen, bleiben an dieser Fassade hängen. Ob dies jedoch dem Erscheinungsbild der Kieler Straße gut tut, wage ich allerhöchst zu bezweifeln.

„Alt und Neu passen gut zusammen“. Dieses Motto hat man auch in den 70ern und 80ern vertreten und damit so manche Innenstadt nachhaltiger zerstört, als es zwei Weltkriege zuvor vermocht haben. Mit den beiden letzten modischen Häusern hat Eckernförde bereits zwei modernistische Gebäude zuviel. Denn Eckernfördes Kapital ist und bleibt seine historische Bausubstanz. Die Touristen kommen genau deswegen. Jede zusätzliche moderne Fassade bewirkt weitere Zerstörung. Fortschritt bedeutet nicht, einen „modernen“ und damit auch irgendwie beliebigen Entwurf nach dem anderen in das gewachsene Stadtbild hineinzudrücken. Ich danke der Verwaltung, dass ein Gestaltungsbeirat eingeführt wurde, der seinem Namen wahrlich alle Ehre macht. Achtung, ja Demut vor der gewachsenen Altbausubstanz und der mit dieser unweigerlich verbundenen schönen, herzerwärmenden Atmosphäre der Stadt muss allen zukünftigen Planern ans Herz gelegt werden. Ganz in diesem Sinne benötigen wir dringend eine Gestaltungssatzung für die gesamte Innenstadt und darüber hinaus, von der Borbyer Bergstraße über Reeperbahn und Jungfernstieg bis hinunter zum Beginn der Preußerstraße. Ja, eigentlich müsste über ganz Eckernförde in Form strenger Bebauungspläne gewacht werden. Denn wie jeder Mikrokosmos ist auch dieser hochanfällig für Andersartiges, Unpassendes, neumodisch Übergestülptes. Eckernförde, bleib bei Deiner Historie, Deinem Stadtbild, Deiner gewachsenen Struktur und Schönheit!

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