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Abwasser Viel Beton für sauberes Abwasser

Von dis | 17.08.2017, 06:35 Uhr

Ortsentwässerung Nordschwansen investiert 2,5 Millionen Euro in Klärwerk Revkuhl / Ende des Jahres Umstellung geplant

Rund 600 Kubikmeter Beton und 60 Tonnen Armierungsstahl sind in der Kläranlage Revkuhl in den letzten Wochen verbaut worden. Entstanden sind zwei Reaktorbehälter mit 18 Metern Durchmesser und ein Schlammspeicher mit 24 Metern Durchmesser, jeweils mit sechs Meter Höhe. Sie sind die neuen Herzstücke der Kläranlage, die die Ortsentwässerung Nordschwansen für rund 2,5 Millionen Euro umfangreich modernisiert. Geplant ist, dass bis Oktober/November der Neubau einer technischen Kläranlage mit zwei SBR (sequenziell beschickter Reaktor) und eines Schlammspeichers abgeschlossen ist. Mit nur wenigen Handgriffen soll dann Ende des Jahres die über 30 Jahre alte Teichkläranlage mit Belüftung stillgelegt werden, erklärt Rainer Lange.

Lange ist technischer Leiter der Anlage und staunt selbst, wie rasend schnell die drei großen Behälter durch die Firma SBB-Group hochgezogen wurden. Nachdem Anfang Juni der erste Spatenstich erfolgte, wurden zunächst die Fundamente der Behälter gegossen. „Dann ging es Schlag auf Schlag“, berichtet Lange. Aufbauend auf das Fundament wurden Schalelemente installiert. In diese hinein bauten die Verschalungsprofis die Stahlbewehrung ein. In dieser Woche nun wurde der letzte Behälter in einem Zug mit Beton gegossen.

Rund 92 Kubikmeter Beton beförderte Betonpumpenmaschinist Florian Lingg von der Firma Siemsen in die Verschalung für den SBR 2. Alle 45 Minuten rollte dazu ein Betonmischer an. Über einen Rüsselschlauch gelangte der Beton in die 25 Zentimeter breite Form. Dabei gilt es mit Bedacht zu füllen, erklärt der Maschinist. Lufteinschlüsse müssen vermieden werden. Etwa auf halber Höhe des Baukörpers muss die Befüllung zusätzlich für gut eine Stunde ruhen. „Der Beton muss sich setzen“, erklärt Lingg. In der Zeit härtet der Baustoff unten bereits etwas an, was der Stabilität dient, während die Oberfläche noch frisch ist. Sie darf nicht aushärten, sonst bindet die weitere Betonverfüllung nicht ab. „Der Baukörper wird quasi in einem Guss erstellt“, berichtet Lange. Die Fachleute rechnen mit zehn Stunden für die Befüllung. „Bereits am Folgetag wird die Verschalung demontiert“.

Bevor aber die weitere Technik in die Behälter eingebaut wird, werden die Behälter auf Dichtheit geprüft. In dieser Woche pumpte Lange 2500 Kubikmeter Kläranlagenablaufwasser in den Schlammspeicher. Das Wasser steht eine Woche im Behälter. „Bisher ist alles dicht“, berichtet Lange von seinen Beobachtungen.

Erstellt wird auch bereits das neue Nebengebäude durch die Firma Leckband. In ihm wird künftig die neue Schaltung samt Elektronik und Werkstatt der Anlage untergebracht. Geplant ist, dass ab Anfang September mit dem technischen Ausbau der Anlagen begonnen wird. Dann wird auch Tiefbaufirma Fülling beginnen, die neuen Rohrverbindungen der künftigen Klärreaktoren mit dem Schlammspeicher und dem neuen Störfallbecken zu erstellen. Parallel dazu wird auch das Betriebsgebäude umgebaut, wo eine neue „Schwarz-weiß-Umkleide“ (zum Hygieneschutz) eingerichtet. „Wir liegen voll im Zeitplan“, stellt Lange zufrieden fest. Die Planung der Anlage liegt in den Händen der Firma Enwacon und wurden durch die Bauabteilung des Amtes Schlei-Ostsee intensiv vorbereitet und begleitet.

Steckbrief Klärwerk Revkuh

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Der Ortsentwässerung Nordschwansen gehören Karby, Dörphof, Brodersby und Winnemark an. Die neue Kläranlage ermöglicht deutlich verbesserte Reinigungswerte für das künftige Ablaufwasser der Anlage. Der Wert für Stickstoff gesamt (N gesamt) wird von jetzt 50 mg/Liter auf rund 18 mg/Liter sinken. Für Phosphat wird versucht, den Wert von jetzt 7 mg/Liter auf 4 mg/Liter zu senken. Zusätzlich verfügt die Anlage bereits jetzt über eine UV-Anlage zur Eliminierung von Bakterien und Keimen.

SBR: In einem Reaktor wird die biologische Reinigung und Nachklärung des Abwassers zusammengefasst. Die Anlage ist auf 4900 Einwohnerwerte ausgelegt.