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Ausstellung vom 29. April bis 5. August Nidden und seine Maler

Von gk | 27.04.2018, 06:17 Uhr

Das Museum Eckernförde zeigt ab Sonntag die Ausstellung „Landschaft voller Licht und Farbe. Die Künstlerkolonie Nidden“. Sammler und Leihgeber Dr. Bernd Schimpke stellt 29 Bilder zur Verfügung.

Ein kleiner Ort, mitten auf der schmalen Kurischen Nehrung zwischen Haff und Ostsee. Ein Dorf mittendrin in weitgehend unberührter Natur, atemberaubender Landschaft und einem wechselvollen Farbenspiel – wie geschaffen für Maler, Fotografen und schreibende Künstler. Einige der berühmtesten ihrer Zeit hat es in mehreren Wellen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert dorthin verschlagen. Thomas Mann zum Beispiel, der sich als frischgebackener Literatur-Nobelpreisträger 1930 ein Sommerhaus in Nidden bauen ließ und der bestehenden, kleinen Künstlerkolonie endgültig zum Durchbruch verhalf – Nidden wurde berühmt und zog weitere Künstler, vor allem Maler, aus Berlin, Dresden oder Königsberg an.

Aus dem ostpreußischen Nidden nordöstlich von Königsberg (Kaliningrad) ist das litauische Nida geworden. Klein und schön ist es heute immer noch, aber die Zeiten der Künstlerkolonie sind vorbei. Zeugnisse der großen Zeit sind allerdings noch vorhanden. Der Hamburger Privatsammler Dr. Bernd Schimpke hat rund 120 davon in seinem Besitz. 29 davon hängen seit kurzem im Museum Eckernförde, 14 weitere Nidden-Bilder sind Leihgaben des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneberg, ein Kurenwimpel vom Mast eines der Kurenkähne stammt aus Privatbesitz. Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske begrüßte gestern den Hamburger Sammler und Leihgeber zur Vorbesichtigung der Ausstellung „Landschaft voll Licht und Farbe. Die Künstlerkolonie Nidden“, die am Sonntag, 29. April, um 11.30 Uhr eröffnet wird und bis zum 5. August zu sehen ist. Es ist die erste Sonderausstellung in den renovierten Räumen.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Maler, die sich über Jahrzehnte von der einzigartigen Naturlandschaft inspirieren ließen, die künstlerischen Stilrichtungen und die wechsel- und leidvolle Geschichte der Kurischen Nehrung. Bernd Schimpke, der als Chemiker in der Erdölindustrie gearbeitet und auch die Raffinerie in Litauen besucht hatte, machte einen Abstecher zur Kurischen Nehrung, entdeckte Nida und ist seitdem fasziniert von diesem außergewöhnlichen Fleckchen Erde und dessen künstlerischer Darstellung. Die Sammelleidenschaft erwachte. „Man muss eine Beziehung haben“, sagt Schimpke. Die hat er, seine Familie mütterlicherseits stammt aus Ostpreußen. Und weil gerade in Eckernförde viele Flüchtlinge aus Ostpreußen eine neue Heimat gefunden haben, hat er Museumsleiterin Bieske angerufen und ihr die Ausstellung schmackhaft gemacht. Und die nahm gerne an. Zumal im Museum bereits Sonderausstellungen über die Künstlerkolonien Ahrenshoop (1993) und Schwaan (1997) zu sehen waren und Eckernförde ebenso wie Nidden direkt am Meer liegt.

Schon vor dem 1. Weltkrieg lockte das Dorf zwischen Haff und Ostsee die Maler in Scharen an. „Die Maler sitzen wie Pilze um das Haus“, zitierte Schimpke eine Anwohnerin von früher. Die Maler Bischoff-Culm, Eulenstein, Kallmeyer, Knauf, Mollenhauer oder Max Pechstein, der berühmteste von allen, machten Nidden zur ihrer künstlerischen Heimat. Sie waren willkommen, brachten sich in die Dorfgemeinschaft ein und lebten vorzugsweise im Gasthaus von Hermann Blode. Einige wurden seßhaft: Ernst Mollenhauer heiratete die Wirtstochter und übernahm später das Lokal. Es ließ sich gut malen und gut leben in Nidden. Bis 1945 die rote Armee einrückte und fast das ganze Dorf mitsamt der Kunstsammlung, der Kurenkähne und des Gasthofs vernichtete. Bernd Schimpke hält die Erinnerung wach. „Diese Malerei schielt nicht nach materiellem Gewinn. Sie sucht bescheiden nach Anerkennung“, schreibt der Kunstsammler im Beiheft zur Ausstellung.

Die Ausstellung wird begleitet von einem Filmabend (29. Mai, 19 Uhr), einem Vortrag von Dr. Jörn Barfod vom Ostpreußischen Landesmuseum (7. Juni, 19 Uhr) und einem Gespräch mit Bernd Schimpke (2. August, 19 Uhr). Zudem bietet das Museum 12 Führungen an.