Ein Artikel der Redaktion

Eckernförder Zeitung Kunst muss nicht, Kunst ist

Von Redaktion shz.de | 13.03.2019, 17:38 Uhr

Über die Freiheit im schöpferischen Tun

Kunst und Müssen - das sind, nach meinem Empfinden, wie eine geöffnete und eine zur Faust geballte Hand. Der Begriff ‚Freie Kunst‘ beschreibt es, sie ist offen und frei, sie lässt sich nicht zwingen. Für mich ist ein leeres Blatt Papier Freiheit. Was, wann, wie und womit ich zeichne, entscheide - und verantworte - ich. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Es ist reine schöpferische Kraft, die sich ausdrücken will, die durch mich wirkt.

Leonardo da Vinci sagt: „Zeichnen ist so wunderbar, dass es nicht nur das Wirken der Natur beschreibt, sondern auch die Größe des dahinter verborgenen Geheimnisses. Wir können daraus schließen, dass Zeichnen nicht nur Kunst ist, sondern auch heilige Kraft, die es gestattet, die Arbeiten des Allmächtigen sichtbar zu machen.“

Ich vermute, diese Kraft und der Wunsch nach Ausdruck sind in Jeder und Jedem wirksam.

Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses, ist der Prozess selbst. Sie lässt sich nicht in Kategorien fassen oder Formen pressen. Schon gar nicht muss sie etwas oder den Vorstellungen Anderer entsprechen. Sie ist um ihrer selbst willen. Schöpferisch tätig zu sein, frei von Zensur und Konkurrenzdenken, ist zutiefst beglückend. Vergleichbar mit dem Spiel im ursprünglichen Sinne. Ein Kind, das zeichnet und malt, spielt. Ein Kind, das spielt, selbst- und zeitvergessend, ist ganz bei sich. Ist im Fluss. Arno Stern, Begründer des Mal-Ortes, der seit mehr als 60 Jahren mit Kindern arbeitet, nennt dies eine bildnerische Spur legen.
Sobald Erwachsene die Zeichnung, das Bild, deuten, bewerten, korrigieren und auch loben, greifen sie massiv in einen Entwicklungsprozess ein. Im Mal-Ort, einem geschützten Raum, geben sich Menschen aller Altersgruppen dem Mal-Spiel hin. Frei von Bewertung, Kritik und Erfolgszwang. Schöpferisch Tätige machen sich im höchsten Maße verletzlich, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen. Ich denke, alle Künstler*innen kennen Zeiten, in denen sie von Selbstzweifeln und der Frage nach der Sinnhaftigkeit ihres Tuns geplagt werden. Es gehört Mut und Vertrauen dazu, sich in dem Geschaffenen zu zeigen.

Künstler*innen widmen ihr Sein dem Ausdruck, dem Sichtbarmachen dessen, was sich durch sie zeigen will. Es ist ihr Leben und im besten Fall können sie von ihrer Kunst leben. Schwieriger oder fast unmöglich ist es, ohne sie zu leben.

Kunst ist nicht mit materiellen Maßstäben fassbar. Erst die Bewertung durch selbsternannte Kunstexpert*innen und -kritiker*innen, erst deren Anmaßung, zu bestimmen, ob ein Werk Kunst oder gar Große Kunst ist, schafft einen Kunst-Markt. Dann wird das Kunstwerk zum Spekulationsobjekt - weit entfernt von Ursprünglichkeit und Schöpfungsfreude. Ein Kunstwerk kann viel über den herrschenden Zeitgeist aussagen. Ebenso kann ein, in einer früheren Epoche entstandenes Werk, heute von großer Aktualität sein. Ein Bild bleibt immer dasselbe Bild, es verändert sich nicht.
Es sind die Stimmung, die innere Haltung der es Betrachtenden, die das Kunstwerk spiegelt und es zu uns sprechen lässt. Das Kunstwerk kann als schön, ergreifend, hässlich, erschreckend, aufwühlend wahrgenommen, werden. Es lässt uns staunen, bringt uns zum Lachen, macht uns nachdenklich oder betroffen. Kunst verändert den Blick auf die Welt.

Kunst kann vieles.

Kunst muss nichts.