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Betriebsversammlungen in Eckernförde und Rendsburg Darüber sprach die Imland-Geschäftsführung mit den Mitarbeitern

Von Gernot Kühl | 09.11.2022, 18:07 Uhr

Die Geschäftsführung der Imland-Klinik hat die Mitarbeiter am Mittwoch zu Betriebsversammlungen an den Standorten Eckernförde und Rendsburg eingeladen, um die nächsten Schritte zu erläutern.

Zwei Stunden lang ging es am Mittwochvormittag in der Betriebsversammlung der Imland-Klinik Eckernförde um das Ergebnis des Bürgerentscheids und die nächsten daraus folgenden Schritte. Eingeladen hatte die Geschäftsführung, auch, um ein Stimmungsbild einzuholen. Rund 60 der 400 Mitarbeiter waren gekommen. Viele, die am Mittwoch um 10 Uhr ebenfalls gerne dabei gewesen wären, wurden auf den Stationen gebraucht oder schliefen sich nach ihrer Nachschicht aus, um nach wenigen Stunden wieder fit für ihre Patienten da sein zu können. In Rendsburg waren rund 300 von 1.950 Mitarbeitern dabei.

Verunsicherung in Eckernförde und Rendsburg

Die Stimmungslage in Eckernförde und Rendsburg sei gleichermaßen von Verunsicherung geprägt, teilte Imland-Pressesprecher Robert Deg auf Anfrage unserer Zeitung mit. Hauptgrund: Heute könne noch niemand sagen, wie es mit Imland konkret weitergeht, seit vielen Monaten komme Imland nicht zur Ruhe, das zehre an den Nerven der Beschäftigten. „Das ist absolut nachvollziehbar und die damit verbundenen Sorgen nehmen wir sehr ernst.“

„Dies ist die Voraussetzung dafür, um beim Landeskrankenhausausschuss eine Änderung des aktuell gültigen Krankenhausplans zu beantragen. Wie der Krankenhausausschuss entscheidet ist offen.“
Robert Deg
Pressesprecher der Imland gGmbh

Durch den Ausgang des Bürgerentscheids und die gleichzeitig schwierige wirtschaftlichen Lage, bewege sich die Imland gGmbH auf zwei unterschiedlichen, aber parallel verlaufenden Handlungssträngen. Der Bürgerentscheid habe die Qualität eines Beschlusses, an den die imland gGmbH gebunden ist. Es werde deshalb erneut eine Versorgungsbedarfsanalyse in Auftrag gegeben und ein darauf zugeschnittenes Medizin- und Personalkonzept erarbeitet. „Dies ist die Voraussetzung dafür, um beim Landeskrankenhausausschuss eine Änderung des aktuell gültigen Krankenhausplans zu beantragen. Wie der Krankenhausausschuss entscheidet ist offen. Die nächste Sitzung dieses Ausschusses soll nach unserem Kenntnisstand im Januar stattfinden“, erklärte Deg.

Parallel wird ein Sanierungskonzept erarbeitet

Aufgrund der zu erwartenden unzureichenden Liquidität im Jahr 2023 müsse die Imland gGmbH gleichzeitig für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Hierfür müsse Imland „ein Zielbild für eine Sanierung vorlegen. Daran wird parallel gearbeitet. Dieses Sanierungskonzept soll dem Kreis bis Ende November vorgelegt und im Dezember im Kreis beraten werden.“ Unabhängig von diesen beiden Handlungssträngen, würden innerhalb der Kliniken alle möglichen Optimierungs- und Einsparpotenziale gesucht, um den finanziellen Druck zu minimieren.

Imland-Geschäftsführer stellen sich der Kritik der Mitarbeiter

Markus Funk und Michael Kiens hätten die aktuelle Lage nach dem eindeutig zugunsten von Szenario 1 ausgefallenen Bürgerentscheid und den Ausblick auf die nächsten Tage und Wochen „kurz und knackig dargestellt und einleuchtend erklärt“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende in Eckernförde, Wolfgang Schütt, im Anschluss an die Versammlung auf Anfrage unserer Zeitung. Konkrete Maßnahmen seien nicht benannt worden. Für die in der Aussprache durchaus vernehmliche Kritik der Mitarbeiter an der wirtschaftlichen Lage der Imland-Klinik und den öffentlichen begleiteten Abläufen während der Krisenbewältigung hätten Funk und Kiens Verständnis gezeigt, aber auch darauf verwiesen, dass man nichts versprechen könne, was nicht zu halten sei. Schütts Wahrnehmung zufolge hätten sich die Geschäftsführer zu ihrer Verantwortung bekannt.

„Die Mitarbeiter haben auf das Votum der Bürger ohne Triumphgesänge oder Wutgeheul sachlich reagiert.“
Wolfgang Schütt
Betriebsratsvorsitzender der Imland-Klinik in Eckernförde

In der Belegschaft der Imland-Klinik Eckernförde sei der Ausgang des Bürgerentscheids größtenteils begrüßt worden, obwohl es bei den Mitarbeitern unterschiedliche Standpunkte gebe, berichtete der Betriebsratsvorsitzende. Man habe sachlich darauf reagiert, gänzlich ohne „Triumphgesänge oder Wutgeheul“. Die Belegschaft habe das eindeutige Votum für den Erhalt beiden Klinikstandorte, insbesondere des Standortes Eckernförde in seiner jetzigen Form einschließlich der Wiedereröffnung der Gynäkologie und Geburtshilfe, als große Unterstützung der Bürger im Kreis Rendsburg-Eckernförde empfunden.

Mitarbeiter sind weiter in großer Sorge

Dennoch gebe es nach Darstellung des Betriebsrats unter den Mitarbeitern große Sorgen, dass der Standort Eckernförde aufgrund der wirtschaftlichen Lage und einer möglicherweise drohenden Zahlungsunfähigkeit der Klinik „weiter geschwächt“ werden könnte. Nur bei einer entsprechenden Liquidität, für die der Kreis als Eigentümer sowie Land und Bund durch entsprechende Beschlüsse und Zuweisungen sorgen müssten, könne der Betrieb aufrechterhalten werden. Hoffnungen machten hier die von der Bundesregierung zugesagten 8 Milliarden Euro für die Abfederung der Energiekosten der rund 2.000 Kliniken in Deutschland. Bei einer gleichrangigen Zuteilung wären dies rund 4 Millionen Euro für die Imland-Klinik.

Ruf nach sicheren Arbeitsplätzen und einem nachhaltigen Konzept

Die Mitarbeiter der Imland-Klinik Eckernförde hätten gegenüber der Geschäftsführung deutlich darauf hingewiesen, dass sie seit Jahren angesichts der angespannten Personalsituation „unter widrigen Umständen professionelle Arbeit“ leisteten und auch in der Corona-Pandemie „den Kopf hingehalten“ hätten, berichtete Wolfgang Schütt weiter. Dieses Engagement verdiene eine Anerkennung in Form sicherer Arbeitsplätze und eines nachhaltig tragfähigen Konzepts.

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