Ein Artikel der Redaktion

Telefonbetrug Abzocke im Namen des Staatsanwalts

Von ape | 26.07.2014, 16:00 Uhr

Es ist eine neue Masche der Telefonmafia: Die Opfer sollen schnell Geld überweisen, um eine Klage vor Gericht abzuwenden. Ein Eckernförder wurde schon zum Opfer.

Der Enkeltrick ist mittlerweile bekannt, doch die Telefonmafia denkt sich immer neue Geschichten aus, um arglosen Menschen ihr Geld abzujagen. Jetzt warnt die Polizei vor der neuesten Masche. Ein Eckernförder Geschäftsmann ist schon Opfer geworden.

Am Dienstag vergangener Woche rief den 60-Jährigen eine Dame an, die sich als Staatsanwältin aus Frankfurt ausgab. Eine Klage läge ihr vor: Vor drei Jahren hatte der Eckernförder ein Lotterie-Abo über eine Wettseite im Internet, nach einiger Zeit aber wieder gekündigt. „Die Kündigung ist nicht wirksam“, hieß es. Und: „Sie sind dem Unternehmen die Abokosten der letzten drei Jahre schuldig.“ Ob er denn einen Anwalt habe?

Den hat der Eckernförder und gab auch dessen Namen und Sitz in Kiel preis. Kurze Zeit später meldete sich der angebliche Kompagnon des Anwalts per Handy. Leider könne sein Kollege nicht selbst anrufen, er befinde sich im Urlaub. Es sehe schlecht aus wegen der Klage, die er gerade von der Staatsanwaltschaft per Fax bekommen habe. Der Betreiber der Wettseite sei im Recht. Zwischen 9- und 10 000 Euro wolle das Unternehmen haben, man könne aber einen Deal eingehen. Der Eckernförder müsse dann nur 5000 Euro bezahlen, würde aber im Umkehrschluss die 38 000 Euro Gewinn erhalten, die in den letzten drei Jahren aufgelaufen seien.

Also eine rosige Aussicht für den Geschäftsmann, der sich jedoch einen Tag Zeit erbat, um noch einmal Rücksprache mit seinem ihm bekannten Anwalt zu sprechen. Doch das war dem vermeintlichen Kollegen gar nicht recht: Das Geld müsse sofort per Baranweisung auf ein Konto in der Türkei überwiesen werden, sonst seien dort die Banken geschlossen und werde die Staatsanwaltschaft die Klage zulassen und das Verfahren eingeleitet. „Ich bin massiv unter Druck gesetzt worden“, sagt der Eckernförder. „Ich konnte nicht lange darüber nachdenken. So etwas ist mir ja auch noch nie passiert.“

Der 60-Jährige überwies das Geld. Tags darauf meldete sich der vermeintliche Anwalt nochmal: Die Klage sei fallengelassen worden, aber ein neues Problem sei aufgetreten: Das Finanzamt fordere eine Gewinnsteuer in Höhe von nochmals 5000 Euro. Das Gute: Der Lotteriegewinn sei mittlerweile auf 48.000 Euro angestiegen.

Doch da wurde der Eckernförder misstrauisch und rief bei seinem richtigen Anwalt an. Der war nicht zu erreichen, so dass er zur Polizei ging, die ihm bestätigte, dass er einem Betrüger aufgesessen ist.

Die Chancen für die Polizei, den oder die Täter zu fassen, stehen schlecht, sagt Rolf Petersen, Leiter der Kriminalpolizei Eckernförde. Die Handynummer des vermeintlichen Anwalts ist über das Internet verfälscht worden und nicht zurückzuverfolgen. Dasselbe gilt für die Frankfurter Nummer der falschen Staatsanwältin. Am besten sei es immer noch, wenn die Menschen die Maschen der Betrüger kennen und wissen, wie man sich generell verhalten sollte (siehe Infobox).

Für den Eckernförder Geschäftsmann kommen diese Erkenntnisse zu spät. Aber er hat seine Lehren daraus gezogen und weiß: „Bei Gericht gilt noch immer das alte Sprichwort: So schnell schießen die Preußen nicht. Jeder richtige Anwalt hätte einem mehr Zeit eingeräumt.“

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