zur Navigation springen

Steigender Meeresspiegel : Die Halligen müssen höher hinaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Laut einer Studie müssen 13 Warften dringend erhöht werden – nur acht der bewohnten Hügel im Wattenmeer sind sicher.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 19:50 Uhr

Nordstrandischmoor | Sie erinnert sich noch genau. Als zu Beginn des Jahres 1976 die große Sturmflut an der Westküste tobte standen die Kühe von Ruth Kruses Familie bis zum Bauch im Wasser. Heute lebt die 53-Jährige immer noch auf Nordstrandischmoor – und will dort bleiben. Doch das Meer kommt immer näher. Und deswegen will der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) die meisten Warften erhöhen.

Der Meeresspiegel steigt, die Mehrzahl der Warften ist den Auswirkungen nicht gewachsen. Ohne eine Anpassung würden sie unbewohnbar werden.

Birgit Matelski vom LKN ist zur Zeit auf Rundreise über die Halligen, um den Bewohnern die Berechnungen von Wissenschaftlern der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen vorzustellen. „Demnach sind 13 Halligen vordringlich zu erhöhen, 18 weitere sind anzupassen und nur acht haben keine Sicherheitsdefizite.“ Die Forscher und die Experten vom LKN haben die Pegelstände an der Nordsee hochgerechnet und Klimamodelle einbezogen. „Unser Ziel ist es, dass die Warften eine Jahrhundertflut überstehen“, sagt Matelski. Deshalb wirbt sie bei den Gemeinden für die Erhöhung. Das können manchmal nur einige Zentimeter sein, an anderer Stelle auch fast zwei Meter.

„Aus rein wirtschaftlich-technischer Sicht wäre es am vernünftigsten, die Häuser auf den Warften abzureißen, die Warften zu erhöhen und dann neu zu bauen“, sagt Thomas Langmaack. Das bleibe aber reine Theorie, weil die Bewohner darüber entscheiden – und die interessierten sich natürlich für ihre Sicherheit, sie hängen aber auch an ihren Häusern. „Die Gemeinden müssen sich darüber klar werden, was sie wollen und leisten können“, sagt Birgit Matelski. Das LKN berate nur und sei später für die Genehmigung zuständig. „Bis zu 95 Prozent der Kosten können aus staatlichen Mitteln erstattet werden“, sagt Thomas Langmaack vom LKN. Eine Warftverstärkung könne schnell zwei Millionen Euro kosten – zumal das Bauen im Nationalpark Wattenmeer nicht einfach ist.

Am Donnerstag hat LKN-Chef Johannes Oelerich mit Hallig-Bürgermeistern und -Gemeindevertretern auf Nordstrandischmoor über das 30-Millionen-Euro-Projekt zur Sicherung der Warften debattiert. „Die Investitionen in den Küstenschutz sind auf 100 Jahre ausgelegt“, sagt Oelerich. „Für uns sind Inseln und Halligen Bollwerke vor dem Festland und elementar für den Küstenschutz.“

Es gebe verschiedene Möglichkeiten, eine Warft zu verstärken, sagt Birgit Matelski. Sie hält allerdings nichts davon, nur den Ringwall zu erhöhen. „Das Problem bleibt, dass das Wasser wie in einer Badewanne steht – nur dass es dort keinen Stöpsel gibt.“ Mehr hält sie von Anwarftungen, die Menschen auch besser vor Wellen schützen und so etwas wie Neubaugebiete der Halligen werden könnten. An die Warft wird ein Stück angebaut, das höher ist als das Ursprungsland. Dort könnten neue Gebäude entstehen. „Wichtig ist uns, dass es Häuser für Dauerbewohner gibt, und dass dort nicht irgendwelche Investoren von außen Hotels bauen“, sagt Langmaack. Auf vier Pilotwarften gibt es Pläne für Anwarftungen. Technisch müsse das noch geprüft werden, vor allem wo und wie der Sand zur Warft gebracht werden kann, so Langmaack.

Auf Hallig Hooge wird vermutlich die erste Anwarftung entstehen, nächstes Jahr könnte es so weit sein. Ein Jahr später hofft Ruth Kruse auf die Anwarftung. Ihre Warft soll um etwa die Hälfte vergrößert werden, darauf will die Familie ein neues Haus bauen. „Es ist ja nichts Neues, dass die Leute umgezogen sind, dass sie die Warften verändert haben“, sagt Kruse, die die Halligen unbedingt schützen will, denn: „Die gibt es weltweit nur einmal.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen