Notquartier : Die Flüchtlinge sind willkommen

Am Tag, bevor die Flüchtlinge kommen: Während Neumünsters Feuerwehrchef Sven Kasulke den Medienvertretern gestern Vormittag viele Details zur Unterbringung der Flüchtlinge erläuterte, drückten sich neugierige Schüler an den Scheiben zur Sporthalle die Nasen platt. Die Scheiben sollen noch verhängt werden.
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Am Tag, bevor die Flüchtlinge kommen: Während Neumünsters Feuerwehrchef Sven Kasulke den Medienvertretern gestern Vormittag viele Details zur Unterbringung der Flüchtlinge erläuterte, drückten sich neugierige Schüler an den Scheiben zur Sporthalle die Nasen platt. Die Scheiben sollen noch verhängt werden.

Die Stadt ist auf die Aufnahme von 400 Flüchtlingen in der Sporthalle am Pestalozziweg vorbereitet. Die Schule zeigt sich weltoffen

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11. Juli 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | Kommen sie, oder kommen sie nicht? Und wenn ja, wie viele werden es sein? – Die zentralen Fragen blieben auch gestern weiter offen, zwei Tage nach der Alarmierung des Katastrophenstabes der Stadt. Bis zu 400 Flüchtlinge – vermutlich überwiegend aus Syrien und Nordafrika – sollen ab heute in der zum Notquartier umfunktionierten Sporthalle der Gemeinschaftsschule Brachenfeld Platz finden (der Courier berichtete).

Die Vorbereitungen für die Aufnahme der Flüchtlinge in der Sporthalle am Pestalozziweg liefen auch gestern auf Hochtouren. Katastrophenschutz und DRK schlossen vor der Halle zusätzliche Sanitärcontainer an und richteten in den geräumten Umkleiden ein medizinisches Versorgungszentrum für die Erstuntersuchung der Ankömmlinge ein. Bereits am Vortag hatte das DRK Feldbetten und sanitäre Erstausstattung für rund 400 Menschen geliefert und in den Hallen Schutzfußböden verlegt. In einer kleineren Halle wurden Barren und Matten aus den Geräteräumen geschafft, um Platz für die Essensausgabe zu schaffen. Die Halle wird zum Speisesaal umgewidmet. Bis gestern Abend waren alle Vorbereitungen für die Notaufnahme abgeschlossen.

Die Zusage zur Hilfe hatte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras kurzfristig auf einen Hilferuf des Innenministeriums hin dem Land gegeben. Das Notquartier wird zunächst für zehn Tage angeboten. Die Sporthalle an der Gemeinschaftsschule war ausgesucht worden, weil die Halle mit ihren Nebenräumen besonders viel Platz bietet und über vergleichsweise umfangreiche sanitäre Anlagen verfügt.

Ob das Notquartier angesichts des wachsenden Flüchtlingsstroms ausreicht, ist derzeit allerdings ungewiss. „Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge wir in den nächsten Tagen tatsächlich unterbringen müssen“, räumte Ulf Döhring, Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, gestern ein. Das Landesamt, erste Anlaufstation für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, platzt mit derzeit 1200 Menschen aus allen Nähten. Ausgelegt ist die Einrichtung am Haart auf rund 650 Menschen. Ein Teil der überwiegend aus Syrien, Afghanistan und dem Irak geflohenen Menschen ist auf dem Kasernengelände in Wohncontainern untergebracht. Auch die sind inzwischen überfüllt, obwohl jede Woche mehrere 100 Menschen, die auf die Gemeinden des Landes verteilt werden, die zentrale Aufnahme wieder verlassen. „Wir sind aber verpflichtet, weitere Quartiere bereitzuhalten“, unterstrich Döhring.

An der Gemeinschaftsschule Brachenfeld zeigten die Schüler gestern demonstrativ Weltoffenheit: Einige Klassen halfen in Freistunden freiwillig beim Aufbau der rund 400 Feldbetten, Fremdsprachenschüler boten sich als Dolmetscher an, und einige Klassen kündigten an, sich gern einmal Flüchtlinge in ihre Klasse einzuladen. Kontakte zwischen Schule und den fremden Besuchern seien durchaus erwünscht, sagte Schulleiterin Silke Rohwer, denn: „Die Flüchtlinge sind willkommen!“

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