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Lokales

16. Dezember 2017 | 03:18 Uhr

Der Holzhandel aus der Gründerzeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

HBK Dethleffsen feiert heute 275-jähriges Bestehen – in den 1870er Jahren trennte sich das Holzgeschäft von der Destillation

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 00:31 Uhr





Es war zu Beginn der 1870er Jahre, als das bereits 1738 gegründete Flensburger Familienunternehmen Dethleffsen sich nach Branchen in zwei Unternehmen teilte – den Holz- und den Spirituosenhandel. Diederich Dethleffsen, ein Urenkel des Firmengründers Christian, führte die Holzgeschäfte am Holm 43 unter der alten Firma Chr. Dethleffsen weiter, sein Bruder Hermann Georg die Destillation unter Hermann G. Dethleffsen auf dem Nachbargrundstück. So kommt es, dass nach der HGDF-Familienholding im Juni an diesem Sonnabend mit HBK Dethleffsen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ein 275. Geburtstag gefeiert wird.

Die Gründerjahre der 1870er müssen eine wilde Zeit gewesen sein. Zum Beispiel soll die Handwerkerkundschaft im Holzhandel die Gewohnheit gepflegt haben, Handwerkerrechnungen lediglich einmal im Jahr zu begleichen. Als Zahltermin hatte sich „Martini“ eingebürgert, der 11. November. In der Bilanz sollen die Außenstände höher gewesen sein als die Jahresumsätze. Gewiss eine große Anstrengung für das Unternehmen, das 1874 an der Wilhelmstraße das erste dampfgetriebene Hobel- und Sägewerk in Flensburg baute und zu dieser Zeit Lager am Pferdewasser, dem Platz des heutigen Rathauses, am Munketoft vor dem Rothen Tor und am Stammhaus am Holm unterhielt.

Heute wird das Unternehmen von Diederichs Ururenkel Hayo Dethleffsen (54) geführt. Seitdem das Flensburger Stammhaus Anfang der 90er Jahre mit dem Bredstedter Schwesterunternehmen Hans Chr. Dethleffsen zusammen fusionierte und gleichzeitig die Firma Lorenz Hansen in Treia übernommen wurde, ist HBK mit heute rund 160 Mitarbeitern an den drei Standorten Flensburg, Treia und Bredstedt, der heutigen Zentrale. Dazu gehören sage und schreibe 32 Azubis.

„Unsere Branche ist bis heute geprägt durch viele mittelständische Familiebetriebe“, sagt Dethleffsen. Der deutsche Holz- und Baustoffhandel zähle noch 3000 Betriebe. Die Branche profitiert auch ein bisschen von der Finanzkrise. Der Einfamilienhausbau floriert wie nicht mehr seit Wegfall der Eigenheimzulage Ende der 90er Jahre.

HBK Dethleffsen erwirtschaftet rund 70 Prozent seines Umsatzes mit gewerblichen Kunden. 70 000 Artikel sollen sich am Lager finden. Hoch- und Tiefbauunternehmen, Zimmerleute, Dachdecker, das komplette Bauhandwerk findet hier ein breites Sortiment – und kann spezielle Sägen und Fräsen für besondere Zuschnitte und Profile nutzen. Die Messer dafür werden im eigenen Haus hergestellt.

Privatverbraucher kämen vor allem, wenn größere Umbauten anstehen oder das Haus in Eigenleistung hochgezogen wird. Dann wird direkt auf die Baustelle geliefert. 15 Millionen Euro habe das Unternehmen in der vergangenen 25 Jahren investiert, einen großen Teil in den 1998 eröffneten neuen Flensburger Standort mit 37 000 Quadratmetern an der Schleswiger Straße.

Seit gut 40 Jahren kooperiert der Holz- und Baustoffhändler mit Unternehmen der Branche bundesweit und darüber hinaus, in der „Eurobaustoff“: „Mit 70 der 500 Kollegen betreiben wir gemeinsam ein Zentrallager in Sittensen“, berichtet Hayo Dethleffsen. So können die Händler beim Einkauf bei der Industrie bessere Preise erzielen. Dethleffsen ergänzt: „Als völliger Einzelkämpfer wäre es heute schwierig.“

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