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Lokales

20. November 2017 | 12:59 Uhr

Das Kino im Griff der Lebensmittler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zur Kinostandortsuche in Eckernförde

von
erstellt am 04.Mai.2016 | 17:54 Uhr

Die Kinostandortfrage wird immer stärker zu einem Kräftemessen der Handelskonzerne. Markant, Kaufland, Coop und vermutlich noch weitere haben immenses Interesse an einem möglichst großen Verbrauchermarkt im Kernbereich Eckernfördes. Es geht für sie einzig und allein um Marktanteile. Die Kinohülle obendrauf oder auch separat an einem nahe gelegenen, anderen Ort, wird als Schmankerl für die Stadt mitgeschultert. Kinobetreiber sind schnell gefunden, sie richten die sechs Kinosäle mit eigenem Geld her und zahlen eine Pacht – eine wirtschaftlich nachvollziehbare Rechnung. Ein unter diesen Umständen begrüßenswerter Vorschlag liegt seit Dienstagabend auf dem Tisch. Der Gegencheck durch die Stadt und Politik steht zwar noch aus, aber auf den ersten Blick klingt der Coop-Vorschlag sehr vernünftig und verlockend.

Für die Bürger allerdings hat das Kino oberste Priorität. Die Frage nach einem Lebensmittler oder anderen Mitnutzern ist für sie zwar nicht unerheblich, aber zweitrangig. Und doch muss beides zusammenpassen, weil ein „nacktes“ kommerzielles Kino ohne Zugabe, wie früher in Eckernförde und noch heute in Schleswig, Rendsburg oder Kappeln, offenbar keinen Investor mehr ins Ostseebad lockt.

Wer hätte gedacht, dass die Standortfrage zur politischen Zerreißprobe wird. Vier Jahre sind seit dem Abriss des Kino-Centers in der Kieler Straße vergangen, und es gibt immer noch keinen Standort. Es gab Herzenswünsche wie die Willers-Jessen-Schule, die sich nicht realisieren ließen, gescheiterte Verhandlungen mit der Bahn und nun den Zankapfel Skaterpark, den CDU, SSW und FDP zum neuen Kino- und Marktstandort machen wollen, SPD, Grüne, Bürger-Forum und Linke aber nicht. Nach dem Motto „Einmal ist kein Mal“ haben CDU, SSW und FDP den Skaterpark nach der 11:14-Abstimmungsniederlage am 14. März am 12. Mai erneut auf die Tagesordnung der Ratsversammlung setzen lassen und für den Fall eines erneuten Scheiterns im Fahrwasser ihrer erfolgreichen Unterschriftenaktion gleich einen Antrag für ein Bürgerbegehren für diesen Standort drangehängt. Der Ausgang dürfte vorhersehbar sein und den gegenseitigen Verdruss beider Lager weiter steigern.

Die 27 Ratsmitglieder aus sieben Lagern finden einfach keine gemeinsame Linie. Die Ratsversammlung, die noch bis zum Frühjahr 2018 in der Pflicht ist, Entscheidungen zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu treffen, blockiert sich selbst. Noch sind es zwei Jahren – wer drückt den Reset-Knopf? Kino, Hotel, Stadthalle und vieles mehr hätten es verdient.

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