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Ehemaliges Schiff der Hamburger Hafenpolizei : Dampfbarkasse „Otto Laufer“ wird neues Leben eingehaucht

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Die letzte erhaltene Dampfbarkasse Deutschlands wird in der Lauenburger Hitzler Werft aufwändig restauriert.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 13:22 Uhr

Lauenburg | Unter einem mit einer großen Zeltplane abgedeckten Gerüst wird in der Schiffbauhalle der Lauenburger Hitzler Werft zurzeit ein wahrer Schatz zu neuem Leben erweckt: Die Hamburger Dampfbarkasse Otto Laufer. 1928 ist das Baujahr des 17,33 Meter langen Schiffes, das einst ein Fahrzeug der Hamburger Hafenpolizei war. Unter denkmalpflegerischen Vorgaben wird diese letzte erhaltene Dampfbarkasse Deutschlands nun komplett neu aufgebaut. 400.000 Euro des Bundes und 490.000 Euro der Hansestadt Hamburg fließen in das ehrgeizige Vorhaben. „Wir planen, im Mai 2017 wieder fahren zu können“, erklärt Projektleiter Andreas Westphalen.

Vor ihrer Umbenennung in „Otto Laufer“ hieß die Barkasse „Hafenpolizei IV“.
Vor ihrer Umbenennung in „Otto Laufer“ hieß die Barkasse „Hafenpolizei IV“. Foto: Timo Jann
 

Der Diplom Ingenieur des Vereins Museumshafen Oevelgönne koordiniert die Arbeiten. „Das ist keine alltägliche Aufgabe, denn das Schiff ist schon ein sehr besonderes Stück“, so Westphalen.

1928 gebaut, war die Dampfbarkasse genau 40 Jahre lang als Polizeiboot im Hafen der Metropole im Einsatz. Dann wurde es ausgemustert und dem Museum für Hamburgische Geschichte übergeben. Otto Laufer war dessen erster Direktor, deshalb wurde das Schiff, das vormals „Hafenpolizei IV“ hieß, umbenannt. In den 1980er Jahren war die Barkasse bereits aufwendig restauriert worden, doch seit 2003 die Betriebserlaubnis für den Dampfkessel erloschen war, lag das Schiff an der Leine. Zwei Jahre später wurde es dem Museumshafen übertragen und ein erster Sanierungsversuch unternommen. Westphalen: „Der fand kein Ende, dem Schiff drohte die Verschrottung.“

Mit den 890.000 Euro, die Bund und Stadt jetzt zur Verfügung stellen, kann die Otto Laufer gerettet werden. Der Bund finanziert seinen Beitrag aus dem Sondertopf, von dem vor zwei Jahren auch schon der Lauenburger Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ profitiert hatte. Der Schiffsrumpf ist komplett entkernt nach Lauenburg überführt worden, in der Neubauhalle hat er seinen Platz gefunden. „Hier bei Hitzler kennt man sich mit alten Schiffen aus, es gibt die nötige Infrastruktur und wir können alles in Ruhe neu aufbauen“, sagt Westphalen.

Der kohlebefeuerte Rauchrohrkessel war irreparabel, jetzt wird eigens ein neues Modell gebaut. Er wird die 147 PS starke Maschine künftig nach wie vor mit Dampf, der per Kohle erzeugt wird, antreiben. „Die ganze historische Technik bauen wir wieder ein“, berichtet der Projektleiter. Doch vorerst werden an den Bordwänden und an den Verstrebungen unter Deck noch Schäden beseitigt. Der Rumpf behält aber seine typische genietete Bauweise.

„Wir mussten hier Profis ranlassen, denn so eine Sanierung ist ja keine Bastelstube, wo Vereinsmitglieder mal etwas Rost abklopfen“, erklärt Westphalen. Deshalb sorgen jetzt zunächst die Arbeiter von Hitzler für den Part Schiffbau, den Korrosionsschutz und dann für die Maschinentechnik. Weitere Fachfirmen übernehmen noch Folgeaufträge. „Es ist gut, dass wir unser Knowhow hier einbringen können. So ein Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen ist immer eine sehr schöne Aufgabe, aber auch eine Herausforderung“, erklärt Werner Büker, technischer Leiter der Werft.

Letzter von vier Eisbrechern im Bau

In der Neubauhalle auf der Südwerft laufen zurzeit auch die letzten Arbeiten am vierten und größten Eisbrecher für die Hamburger Hafenbehörde HPA. „Wenn das Schiff jetzt benötigt würde, könnte es schon zum Einsatz kommen. Ansonsten sind aber noch einige Tests von speziellen Programmen der HPA nötig“, berichtet Büker. 30 Meter lang ist der Neubau „Johannes Dalmann“. Laut Büker soll es im Januar noch Testfahrten geben, danach die Auslieferung erfolgen. Seit 2014 hatte man bei Hitzler für 15 Millionen Euro insgesamt vier Eisbrecher für die HPA gebaut. Auf der Werft hofft man, auch zwei Löschboote für den Hamburger Hafen bauen zu können.

Der letzte von vier Eisbrechern wartet auf die erste Eisdecke im Hamburger Hafen.
Der letzte von vier Eisbrechern wartet auf die erste Eisdecke im Hamburger Hafen. Foto: Timo Jann
 
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