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Gettorf Diese Ideen schlagen Bürger für eine attraktive Fußgängerzone vor

Von Britta Bünger | 10.10.2022, 18:08 Uhr

Seit Jahren versucht die Gemeinde, ihre Fußgängerzone attraktiver zu gestalten. Bislang werden die Bürgersteige früh hochgeklappt - Marktplatz, Eich- und Herrenstraße sowie Teile der Kirchhofsallee wirken wie ausgestorben. Doch was wollen die Bürger? Bei einer Planungswerkstatt zu dem Thema kamen viele Ideen zusammen.

Um ihren Ortskern qualitativ aufzuwerten, hat die Kommune Gettorf bereits Fördermittel aus dem Ortskern-und Innenstadtprogramm des Landes beantragt und auch erhalten. Mit dem Eigenanteil der Gemeinde stehen so insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung, um bis Ende 2023 die Attraktivität des Ortskerns durch verschiedene Projekte zu steigern.

Die neue LED-Weihnachtsbeleuchtung ist schon fest eingeplant

 Einige Vorhaben hat die Politik in Gettorf schon festgezurrt und entsprechende Gelder eingeplant. Das gilt für eine neue LED-Weihnachtsbeleuchtung für 7.500 Euro genauso wie für Stromzähleranlagen und mobile Fahrzeugsperren für 35.000 Euro. Die restliche Summe ist für eine attraktive Gestaltung der Eingangsbereiche der Fußgängerzone sowie für Sitzbänke, Spielflächen und Fahrradständer vorgesehen. 

Was wollen eigentlich die Bürger?

Ob dies wirklich im Sinne der Bürger ist, galt es in der Planungswerkstatt herauszufinden, zu der am vergangenen Sonnabend Bürgermeister Hans-Ulrich Frank und Standortmanagerin Ulrike Münzberg-Niemann in das Gettwork Coworking Space an der Eckernförder Chaussee eingeladen hatten.

Moderiert wurde die Veranstaltung mit anschließender Ortskernbegehung von Landschaftsarchitekt Johannes Kahl. Er hat in Gettorf schon im Bereich Hospiz, Schule und Sport Außenanlagen gemeinsam mit den Bürgern gestaltet. Rund 30 engagierte Bürgerinnen und Bürger aus allen Altersgruppen waren dem Aufruf gefolgt, sich gemeinsam zu überlegen, wie und wo genau die Fördergelder im Ortskern sinnvoll eingesetzt werden sollten.

In der Herrenstraße gibt es nicht nur Versicherungen, sondern auch Geschäfte

Schnell wurde deutlich, dass es vielen wichtig war, nicht nur die Fußgängerzone, sondern auch die Herrenstraße in die Überlegungen miteinzubeziehen. „Hier gibt es nicht nur Versicherungen, sondern auch tolle Geschäfte für Geschenke“, sagte Daniel Singer. Er findet, mindestens eine weitere Sitzgelegenheit auf der rechten Seite der Straße würde gerade den älteren Leuten, von denen viele in der naheliegenden Seniorenwohnanlage leben, den Weg in die Fußgängerzone erleichtern.

Ein oft genannter Wunsch: Fahrradständer

Waltraut Mieling ist auf einen Rollator angewiesen und gibt ihm recht. Beiden fällt bei der Begehung außerdem auf, dass auch Mülleimer fehlen. Carsten Massau vermisst vor der Sparkasse einen großen Fahrradständer. „So genannte „Kieler Bögen“ würde ich hier bevorzugen“, so seine Empfehlung. „Felgenkiller“ sollte man nicht anschaffen, diese gibt es in der Nähe des Teufelsteins zu Beginn der Fußgängerzone, werden aber nicht genutzt. „Ich würde mein Fahrrad dort auch nicht parken. Zu instabil sind sie und zusätzlich beschädigen sie eben die Räder“, bekräftigte Petra Breiden.

Spielflächen für Kinder in der Fußgängerzone

„Man könnte die Fläche hier praktischer und schöner gestalten.“
Mona Singer-Karwinsholt
Teilnehmerin der Planungswerkstatt

Den jungen Eltern Daniel Singer und Mona Singer-Karwinsholt sind Spielflächen in der Fußgängerzone wichtig. Am Anfang der Eichstraße gibt es bereits eine Bank und zwei Kinderspielgeräte. „Man könnte die Fläche hier praktischer und schöner gestalten“, ist sich die junge Mutter zweier Kleinkinder sicher.

Große Schaukästen für Infos von Vereinen und Verbänden erwünscht

So unterschiedlich wie die Teilnehmer sind auch ihre Vorschläge für Veränderungen. Tim Boldwig (Wohlderkultur e.V.), Christina Schmidt (DRK Gettorf) und Bodil Busch (VHS-Leitung) wünschen sich an drei bis vier Plätzen im Ortskern große Schaukästen, in denen alle Vereine und Verbände ihre Veranstaltungen und Informationen veröffentlichen können.

„Momentan fragen wir in Geschäften, ob wir dort aushängen können und eigentlich wäre es doch schöner, wenn man sich an bestimmten Stellen gebündelt über alles informieren kann.“
Bodil Busch
VHS-Leiterin

„Momentan fragen wir in Geschäften, ob wir dort aushängen können und eigentlich wäre es doch schöner, wenn man sich an bestimmten Stellen gebündelt über alles informieren kann“, so Bodil Busch. Die drei kleinen Schaukästen gegenüber dem Teufelstein sind den dreien optisch ein Dorn im Auge. 

Hinweisschilder für Touristen und Tagesgäste

Viele Bürger vermissen Hinweisschilder, die auf den Beginn des Ortskerns in Gettorf samt Fußgängerzone hinweisen. Nicht nur diese wurden der Gemeinde empfohlen, sondern auch ein Parkleitsystem, um ortsunkundigen Autofahrern eine unnötige Parkplatzsuche zu ersparen und auf Parkflächen hinzuweisen.

Waltraut Mieling macht sich für Tempo 30 vor der Seniorenresidenz „Kieler Blick“ stark

Waltraut Mieling wohnt seit einem halben Jahr in der Seniorenresidenz „Kieler Blick“, welche durch die alte B76 vom Beginn der Herrenstraße getrennt ist. Sie beteiligte sich an den Überlegungen zu Sitzgelegenheiten, Fahrradständern und Mülleimern, nutzte aber auch die Gelegenheit, dem Bürgermeister noch einmal mitzuteilen, dass es älteren Leuten kaum möglich ist, die Straße sicher zu überqueren.

„Wir kennen das Problem, können es aber nicht allein lösen, aber wir haben bereits einen Antrag beim Kreis gestellt, damit hier zukünftig temporär nur Tempo 30 erlaubt ist.“
Marco Koch
Vorsitzender des Bauausschusses

„Wir kennen das Problem, können es aber nicht allein lösen, aber wir haben bereits einen Antrag beim Kreis gestellt, damit hier zukünftig temporär nur Tempo 30 erlaubt ist“, so Marco Koch, Vorsitzender des Bauausschusses.

Welche Sitzbänke? Welche Mülleimer?

Nach der Ortsbegehung folgte eine gemeinsame Auswertung der Vorschläge. Zudem hatte Planer Johannes Kahl im Vorfeld exemplarisch Modelle zum Beispiel für Sitzbänke und Mülleimer ausgehängt, die von den Bürgern bewertet werden konnten. Viele grüne Punkte für ein Fabrikat bedeuteten, dass es bei den Bürgern großen Anklang fand.

„Ich freue mich sehr, dass so viele Bürgerinnen und Bürger heute hier dabei waren. Wir werden mit dem aktuell vorhandenen Geld ganz klar nicht alle Ideen umsetzen können, aber viele sind es wert, dass wir sie weiter verfolgen.“
Hans-Ulrich Frank
Bürgermeister

„Ich freue mich sehr, dass so viele Bürgerinnen und Bürger heute hier dabei waren. Wir werden mit dem aktuell vorhandenen Geld ganz klar nicht alle Ideen umsetzen können, aber viele sind es wert, dass wir sie weiter verfolgen“, zog Bürgermeister Frank eine positive Bilanz der Planungswerkstatt.

Jetzt erfolgt eine Dokumentation der Planungswerkstatt und der Ergebnisse

Welche Maßnahmen nun tatsächlich vorrangig berücksichtigt werden, hängt auch von den Kosten ab. „Das Stimmungsbild in der Gemeinde zu kennen, hilft mir allerdings sehr bei der weiteren Umsetzung“, sagte Johannes Kahl. Standortmanagerin Münzberg-Niemann ist ebenfalls zufrieden. „Es erfolgt jetzt eine Dokumentation der Veranstaltung und eine Weiterbehandlung des Themas bis zur Beschlussfassung in den politischen Gremien“, sagte sie.

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