Büsum schließt den Blanken Hans

Wollen bis zum Schluss Gäste mit auf Zeitreise in das Jahr 1962 nehmen: v.li. Martina Köster (Personalratsvorsitzende), Mitarbeiter Frank Zingler, Gisbert Thümmler, und Raimund Donalies, mit Leiterin Sonja Schukat (vorne).   Asmussen 
1 von 3
Wollen bis zum Schluss Gäste mit auf Zeitreise in das Jahr 1962 nehmen: v.li. Martina Köster (Personalratsvorsitzende), Mitarbeiter Frank Zingler, Gisbert Thümmler, und Raimund Donalies, mit Leiterin Sonja Schukat (vorne). Asmussen 

Erlebnismuseum ist der Gemeinde zu teuer / Bürgermeister Hans-Heinrich Lütje fürchtet keine Einbußen für Büsum als Tourismus-Standort

shz.de von
01. Juli 2015, 09:28 Uhr

„Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass sie doch noch investieren“, sagt Sonja Schukat. Die Leiterin der Sturmflutenwelt Blanker Hans in Büsum   ist gefasst und ratlos zugleich. Vorgesternabend gab die Büsumer Gemeindevertretung die Schließung des Erlebnismuseums zum Jahresende bekannt, das nach Aussage von Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje seit 6,5 Millionen Euro Verlust gemacht hat.

Das an der Sparschraube gedreht wird, ist für Sonja Schukat nicht neu. Sie hat die Sturmflutenwelt im Jahr 2006 mit aufgebaut und seitdem auch in Handarbeit mitgestaltet. Immer wieder habe es dabei auch ein hin und her über den Bestand des Hauses gegeben, erzählt sie. Immer wieder war das Geld knapp. So knapp, dass zuletzt eines der Markenzeichen der Ausstellung, die Sturmfluten-Bahn, ausgebaut werden sollte.

„Es stand schon fest, dass ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, als der Beschluss gefasst wurde, die Bahn auszubauen“, sagt Schukat. Doch der nun getroffene Beschluss der Gemeinde hat sie und ihre Mitarbeiter komplett überrascht. 25 Mitarbeiter auf umgerechnet 17 Vollzeitstellen, darunter eine Auszubildende und ein FSJler müssen sich nun umorientieren. „Unsere Auszubildende ist im zweiten Lehrjahr. Die müssen wir jetzt irgendwo unterbringen“, sagt Schukat, „wir können damit noch gar nicht umgehen.“

Damit hatte die Zukunft für den Blanken Hans schon ganz anders ausgesehen. Eine schlechte Zahlenlage war klar. Auf 800  000 Euro Defizit beziffert Schukat das Betriebsergebnis im letzten Jahr. Doch ein Gegenkonzept lag bereits auf dem Tisch. „Eine komplette Neukonzeption des Hauses – ohne Bahn“, erzählt Schukat von der Idee einen Sinnespark mit einem multifunktionalen Deicherlebnisraum einzurichten. Tagsüber hätte dieser Raum für die Ausstellung genutzt werden sollen, abends um Kinovorführungen zu zeigen. „Es wäre die größte Leinwand an der Westküste gewesen“, wirbt Schukat. Doch der Traum ist nun geplatzt.

5,7 Millionen Euro hätten investiert werden müssen. Teils vom Land, von der Gemeinde und gegebenenfalls mit Förderung der Filmförderung, so Schukat. Doch das sei für die ehrenamtlich tätigen Politiker der Gemeinde Büsum „eine zu große Nummer gewesen“, vermutet sie. Und bedauert: „Es wird immer nur auf die Kosten geschaut, aber es waren in der Zeit seit 2006 auch 770  641 Besucher da.“

Büsums Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje betont, man habe es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht. Über mehr als 50 Sitzungen hinweg sei sie gefallen. Im August werden erste Gespräche für einen Sozialplan geführt, der die Mitarbeiter betrifft. Wie genau die Abwicklung der Schließung laufen soll, kann er noch nicht erklären. „Da sind wir auch nicht so geübt“, sagt er offen. Sorgen um seine Gemeinde als Touristenort macht er sich nicht. „Büsum hat einen Gäste-Boom“, erklärt er, doch neue „Schlechtwetter-Alternativen“ gerade für Besucher mit kleinen Kindern müssten geschaffen werden. Nun wird nach Möglichkeiten für die Nachnutzung des Gebäudes gesucht, das auch im Leerstand Geld aus der Gemeindekasse zieht. Lütje wünscht sich ein Freizeitcenter mit dem Thema Blanker Hans. Die Kinoidee gefällt ihm. Auch eine Bowlingbahn kann sich Büsums Verwaltungschef vorstellen.

Doch dafür müsste ein Investor gefunden werden, der bereit ist, hohe Nebenkosten zu zahlen, weiß Schukat, die die Betriebskosten kennt. Vorerst rechnet sie zum Abschluss mit einem großen Besucherandrang und richtet damit den Blick nach Vorne auf ihre letzte Ausstellung über Marine Aquakultur und Fischerei zusammen mit der EUCC Küstenregion   ab dem 29. Juli.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen