Blindgänger im Boden : Bombenfund in Lauenburg: Entschärfung wohl am Mittwoch

Auf der Wiese zwischen Klärwerk, Industriegebiet und Bahnhof hat der Kampfmittelräumdienst anhand von ausgewerteten Luftbildern eine Fliegerbombe entdeckt.

Auf der Wiese zwischen Klärwerk, Industriegebiet und Bahnhof hat der Kampfmittelräumdienst anhand von ausgewerteten Luftbildern eine Fliegerbombe entdeckt.

Neue Details zu der Fliegerbombe, die Nahe des Klärwerks gefunden wurde, sollen am Montag bekanntgegeben werden.

shz.de von
22. Juni 2018, 15:49 Uhr

Lauenburg | Nur ein einziges Mal hatte es im Zweiten Weltkrieg einen Luftangriff auf Lauenburg gegeben. Der hatte 1941 vermutlich dem Elektrizitätswerk an der Palmschleuse gegolten. Gut möglich, dass eine Bombe ihr Ziel verfehlt hatte und nicht explodiert war – denn ganz in der Nähe wurde jetzt ein Blindgänger gefunden. Am Montag wollen die Stadt und der Kampfmittelräumdienst aus Groß Nordsee dazu Details auf einer Pressekonferenz mitteilen. Vermutlich am Mittwoch soll die Fliegerbombe entschärft werden.

„Es ist ein ganz ordentliches Ding“, sagt Bauamtsleiter Reinhard Nieberg, der sich ansonsten aber noch bedeckt hält. Der Kampfmittelräumdienst hatte Luftbilder der Alliierten ausgewertet und war dabei auf einer Wiese zwischen dem Klärwerk und dem Rohrgroßhandel Stock an der Industriestraße auf eine Verdachtsfläche gestoßen. Daraufhin begann eine Untersuchung, die zu einer Feststellung führte. Ein Bagger legte den Blindgänger frei. Nach einer Bewertung durch den Kampfmittelräumdienst wurde die Grube wieder zugeschüttet. Jetzt laufen die Vorbereitungen zur Entschärfung.

Regelmäßig Bombenfunde in Schleswig-Holstein

Erst am Donnerstag hatte der Kampfmittelräumdienst in Neumünster einen Blindgänger entschärft. Dafür musste ein Sperrradius von 1000 Metern eingerichtet werden. Ein solcher Radius würde in Lauenburg zur Evakuierung des Industriegebietes und zahlreicher Häuser bis an den Rand der Altstadt führen. Außerdem wäre die Bahnstrecke Lübeck-Lüneburg betroffen. 77 Jahre schlummert der Blindgänger schon im Boden – jetzt soll er unschädlich gemacht werden. Wahrscheinlich kam die Bombe immer wieder mit Wasser in Kontakt, wenn die Elbe Hochwasser führte und den Boden am Fundort durchnässte.

Zuletzt war in der Region im September 2016 ein Blindgänger gefunden worden. Der war allerdings per Lastwagen von einer Baustelle in der Hamburger Hafencity ins Abfallwirtschaftszentrum in Wiershop transportiert und erst dort entdeckt worden. Der Kampfmittelräumdienst sicherte ihn.

2010 hatte man bei Bauarbeiten für die Fischtreppe an der Geesthachter Elbbrücke eine 500-lbs-Bombe (500 englische Pfund) entdeckt. Ihr Gewicht: knapp 227 Kilo. „Wäre sie explodiert, hätte sie einen Krater mit rund 15 Metern Durchmesser und einer Tiefe von fünf Metern hinterlassen“, weiß Peter Bodes. Der Geesthachter leitet den Kampfmittelräumdienst bei der Feuerwehr Hamburg. Möglicherweise handelte es sich bei dem Blindgänger um eine fehlgeleitete Bombe von einem Luftangriff am 7. April 1945 auf die Sprengstofffabriken in Krümmel und in den Besenhorster Sandbergen. An dem Tag waren im Bereich Düneberg 1800 Bomben von den Alliierten abgeworfen worden. 182 Menschen starben bei dem Angriff. Über Krümmel wurden zeitgleich 1000 Fliegerbomben abgeworfen.

Hintergrund: Die Alliierten in Lauenburg

Am 19. April 1945 hatten deutsche Pioniere die alte Lauenburger Elbbrücke gesprengt, um den Alliierten den Marsch gen Norden zu erschweren. Der Neubau der Elbbrücke war erst 1951 fertig.

1945 standen britische Einheiten bei Hohnstorf. Die Truppen überquerten zwischen Artlenburg und Schnakenbek in der Nacht vom 28. auf den 29. April die Elbe. Am folgenden Vormittag wurde Lauenburg eingenommen, danach rückten die Engländer gegen die Dynamitfabrik Krümmel und Geesthacht vor.

Am 2. Mai erreichten sie Lübeck, zwei Tage später erfolgte die Kapitulation aller deutschen Truppen in Norddeutschland, Holland und Dänemark.

 

„Die Bombe in Lauenburg könnte auch von einem Flugzeug auf dem Heimweg abgeworfen worden sein, weil man sich oftmals auf diesem Weg seiner Fracht entledigte“, weiß Horst Eggert vom Heimatbund und Geschichtsverein. Lauenburg wurde vor allem von englischen Flugzeugen im Zweiten Weltkrieg oft überflogen.

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