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Barmstedter Zeitung

18. August 2017 | 18:58 Uhr

Barmstedt : Zwischen Staub und alten Steinen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bei der Sanierung der Heiligen-Geist-Kirche stoßen Arbeiter auf Unvorhergesehenes. Der zweiter Bauabschnitt kostet 438.000 Euro.

Barmstedt | Der Weg zu Gerhard Kreusel führt über eine mit rotem Staub bedeckte Treppe. Zu hören ist von ihm nichts außer dumpfem Hämmern. Kreusel steht im ersten Stockwerk der Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche und klopft den Putz von den Wänden. „Hier kommen wir nicht weiter“, stellt er fest. Eigentlich solle oberhalb des Durchbruchs zwischen Turm und Kirchenschiff eine neue Treppe nach oben gebaut werden – doch bei den Arbeiten stießen Kreusel und seine Kollegen plötzlich auf Granit – im wahrsten Sinne des Wortes: etliche große, im Mauerwerk verbaute Steine verhindern die weiteren Arbeiten. „Jetzt müssen wir erstmal klären, wie und ob wir weitermachen können“, erklärt der Handwerker aus Poyenberg (Kreis Steinburg), der bereits mehrere Kirchen saniert hat. In Barmstedt ist er im Rahmen des zweiten Sanierungsabschnitts für das Mauerwerk zuständig.

An der Außenfassade müssen etliche Steine ausgetauscht werden, sagt Kreusel. Aber auch diese Arbeiten ruhen zurzeit, „denn es wird gerade geklärt, ob Kalk- oder Gipsmörtel verwendet wurde. Das muss einheitlich sein, sonst hält es nicht.“ Im Eingangsbereich der Kirche – der seit einiger Zeit nicht mehr benutzt werden darf – sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa: Auf dem teilweise aufgerissenen Boden liegen Kabel, Dreck und Steine. Der Torbogen wird von einer Metallstange gestützt, die Wände sind halb abgerissen. „Der Durchgang soll so verbreitert werden, dass Brautpaare nebeneinander hindurchgehen können“, erläutert Kreusel das Vorhaben. Dazu werde ein neuer Stahlrahmen gefertigt. Bis der Bereich fertig ist, müssen Besucher der Kirche die Nebeneingänge nutzen. „Das wird wohl auch während des Weihnachtsmarkts noch so sein“, vermutet Kreusel.

Während Kreusel sich um die Mauern kümmert, ist der Barmstedter Zimmerer Michael Bräuß für die Holzarbeiten zuständig. „Die Balken, die das Dach stützen, sind teilweise vergammelt“, sagt Kreusel. Bräuß habe schon die Fenster im Turm ausgetauscht, im Moment aber das gleiche Problem wie er: Er warte auf Material. „Die Balken sind aus Eiche, die gibt es nicht an jeder Ecke.“ Ebenso wenig wie die Mauersteine: „Die kommen aus einer Museumsbrennerei.“ Etwa zwei Monate, schätzt Kreusel, werde er für seine Arbeiten noch benötigen – sofern das Wetter mitspielt. „Unter vier Grad kann man den Mörtel nicht mehr verwenden.“ Insgesamt wird die Sanierung laut Kirchengemeinde auch im kommenden Jahr andauern.

Der zweite Bauabschnitt der Sanierung kostet voraussichtlich 438.000 Euro. Zwei Drittel des Betrags übernimmt der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf; ein Drittel – 146.000 Euro – finanziert die Kirchengemeinde Barmstedt aus der Rücklage, die sich unter anderem aus Spenden und Einnahmen zugunsten der Sanierung zusammensetzt. Einer der Spender ist Marc Hütter. Der Barmstedter Bäcker- und Konditormeister bot während des Bauernmarkts Brot an, das jeder Kunde zu einem von ihm selbst bestimmten Preis mitnehmen durfte. „Manche haben 50 Cent gegeben, andere ein paar Euro“, berichtet Hütter. 320 Laibe gingen über den Tresen. Den Gesamterlös – 616 Euro – spendete der Bäcker der Kirchengemeinde. „Ich bin vor 20 Jahren aus der Kirche aus- und vor acht Wochen wieder eingetreten“, erzählt Hütter. „Da habe ich auch etwas tun wollen.“

Pastor Raphael Steenbuck weiß das Engagement zu schätzen. „Solche Aktionen bringen es, weil es so viele sind“, sagt er. Es ließen sich immer mehr anstecken, und Hütter stehe „für alle, die ihre Spende nicht öffentlich machen wollen“ – darunter seien viele, die sich statt eines Geburtstagsgeschenks eine Spende für die Kirchensanierung wünschten.

Seit 2011 wurden durch unterschiedliche Aktionen von Gemeindegliedern, ehrenamtlichen Helfern und der Kirchengemeinde Spenden in Höhe von 80.626 Euro gesammelt. Dazu gehören die „Offene Kirche“, der Nähtreff, Kuchen-, Töpferwaren-, Motivkerzen-, Brot- und Postkartenverkauf, Spendenflohmarkt, zweckgebundene Spenden; musikalische Veranstaltungen und Kollekten aus den Gottesdiensten. Wer spenden will: Kirchengemeinde Barmstedt, Volksbank Pinneberg-Elmshorn, IBAN: DE39221914050020183300, Bankleitzahl: 22191405, Kontonummer: 20183300.
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erstellt am 04.Nov.2014 | 16:00 Uhr

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