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Barmstedt : Zum Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit - AG will Gräber wiederherstellen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Eine Arbeitsgemeinschaft will insgesamt zwölf Grabsteine auf dem Barmstedter Friedhof aufstellen.

Barmstedt | Auf dem Barmstedter Friedhof sollen künftig zwölf Grabsteine an die Menschen erinnern, die die Auswirkungen der Zwangsarbeit in Barmstedt nicht überlebt haben. Entsprechende Pläne treibt die AG Stolperstein derzeit voran, berichten Helmut Welk und Luzian Bucke, beide Mitglieder der AG. Derzeit suche man noch Sponsoren, um das Projekt im kommenden Jahr verwirklichen zu können. „Wir würden gern Patenschaften für jeden Stein ausloben“, so Bucke. Für sechs Steine habe man bereits Sponsoren gefunden, außerdem hätten auch zwei Barmstedter Schulen ihre Bereitschaft signalisiert, eine Patenschaft übernehmen zu wollen. Demnächst sollen zudem Gespräche mit der Friedhofsverwaltung und der Kirche stattfinden. „Sie müssen ihr Okay geben“, so Helmut Welk.

Bis etwa 1992 habe es auf dem Friedhof ein Gräberfeld für die Opfer der Zwangsarbeit gegeben, sagen die beiden AG-Mitglieder. „Die Steine sind damals entfernt worden, wobei nicht jedes Kind einen eigenen Grabstein hatte“, berichte Welk. Einzelheiten würden sich heute auch nicht mehr nachvollziehen lassen.

1996 sei zur Erinnerung ein Stein mit den Namen gesetzt worden. „Aber dort steht nichts von Zwangsarbeit, und es werden keine Täter benannt“, sagt Bucke. Und auch die neue Gedenktafel, die Anfang September vergangenen Jahres aufgestellt worden war, enthält keine Namen. „Wir würden gern jedem einzelnen Opfer seine Würde zurückgeben, indem wir Namen, Geburtstag und Todesdatum auf einen Stein gravieren“ – auch, damit man sehe, dass viele Kinder betroffen waren, die unter der Zwangsarbeit und den schlechten Bedingungen gelitten haben. Pro Stein rechnet die AG mit Kosten von etwa 360 Euro.

Um Jugendliche an das Thema Zwangsarbeit in Barmstedt heranzuführen, pflegt die AG unter anderem Kontakte zum Barmstedter Gymnasium sowie zur Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS). „Wir gehen mit den Schülern ins Gespräch über das Thema“, sagt Bucke. So sei ein Geschichts-Kurs vor Kurzem mit den beiden AG-Mitgliedern auf dem Friedhof gewesen und hätte über Zwangsarbeit diskutiert. „Ähnliches ist an der GGS vorgesehen“, berichtet Bucke. Auch bei der Verlegung der neuen Stolpersteine in Barmstedt werden Schüler involviert sein.

Derzeit konzentrierte sich die AG auf das Vorhaben am 2. Dezember, bei dem insgesamt sechs neue Stolpersteine in Barmstedt verlegt werden sollen. „Die Grabsteine möchten wir im nächsten Jahr auf dem Friedhof verlegen“, so Welk. Aber schon in diesem Jahr seien verschiedene potenzielle Sponsoren angeschrieben worden. Wer Interesse daran hat, eine Patenschaft für einen Stein zu übernehmen, kann sich mit Helmut Welk oder Luzian Bucke in Kontakt setzen.

STOLPERSTEINE Diese Steine werden verlegt

Im April dieses Jahres hatte die Barmstedter AG Stolperstein angekündigt, Stolpersteine für Iwan Dedoscha und seine Schwestern Valentina vor dem Gebäude an der Austraße 10 zu verlegen. Ein weiterer soll in Gedenken an Adam Plaszcyk vor dem Haus an der Mühlenstraße 39 platziert werden. Vor Kurzem wurde das Vorhaben noch ergänzt: Zusätzlich sollen drei weitere Steine für Dunja und Peter Dedoscha (Austraße) und Franziska Plaszcyk (Mühlenstraße) verlegt werden. Geplant ist die Aktion für Mittwoch, 2. Dezember.

 
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erstellt am 29.Okt.2015 | 16:00 Uhr

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