Zuhause auf dem Speedway-Track

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Ralf Henning hat erneut das Bürgermeister-Amt in Osterhorn übernommen / Seine Freizeit verbringt er gern auf dem Motorrad

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22. Juli 2018, 16:00 Uhr

Sie sind Chefs und Repräsentanten ihrer jeweiligen Kommunen: 15 Bürgermeister und Bürgermeisterinnen machen in der Stadt Barmstedt sowie den Ämtern Rantzau und Hörnerkirchen größtenteils ehrenamtlich ihre Arbeit. Unsere Zeitung stellt im Zuge einer Serie die Menschen vor, die hinter den Ämtern stehen. Heute: Ralf Henning aus Osterhorn.

Knapp war es. Ganz knapp. Fast hätte es in Osterhorn nach der Kommunalwahl im Mai keinen Bürgermeister gegeben. Amtsinhaber Ralf Henning hatte noch im März im Gespräch mit unserer Zeitung klipp und klar erklärt: „Ich höre definitiv auf.“ Erst kurz vor der Wahl kam die Kehrtwendung. Henning erklärte sich doch bereit, das Ehrenamt, das er seit 2013 innehat, weiter zu bekleiden. Auch vor der Kommunalwahl 2013 war lange unklar gewesen, wer Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters Friedrich Pommerening werden sollte. Damals wie heute war es letztlich Henning, der sein Okay gab.

„Eigentlich wollte ich nur ein ganz normaler Gemeindevertreter werden“, erinnert er sich an 2013. Aber als partout niemand für den Posten des Bürgermeisters kandidieren wollte, sei er eben in die Bresche gesprungen. Der 44-Jährige kommt ursprünglich aus dem benachbarten Westerhorn und saß dort schon für die CDU knapp fünf Jahre im Dorfparlament. Erfahrung als Lokalpolitiker brachte Henning also mit, als er den Chefposten in Osterhorn übernahm. Auch das kleine Dorf und das örtliche Innenleben kannte er gut: „Aus meiner Westerhorner Bleibe guckte ich aus einem Fenster auf Westerhorn, und aus dem anderen auf Osterhorn.“

Henning ist ledig und Vater einer elfjährigen Tochter. Der Selbstständige kann in der Osterhorner Gemeindevertretung auf eine sichere Mehrheit bauen. Seit Mitte der 1960er Jahre tritt in dem kleinen Dorf nur die Wählergemeinschaft zur Kommunalwahl an. Ein wichtiger Grund, warum Henning als Bürgermeister weitermacht, ist die Zusage seiner neuen Stellvertreter Jörg Kröger und Brigitte Schotte, ihm einen Teil der anfallenden Arbeit abzunehmen. „Das Amt ist zeitintensiv“, erklärt Henning. Die wollte er zukünftig eigentlich vermehrt in den MSC Brokstedt investieren. „Ich bin aktiver Speedway-Fahrer“, verrät er.

Seine Maschine steht im fernen Kaltenkirchen. „Da habe ich Halle und Werkstatt“, sagt Henning. 75 PS hat das gute Stück, bei 75 Kilogramm Gewicht. Osterhorns Bürgermeister nennt es „Bewegung für ältere Herren“ und spricht von einem Kindheitstraum. Schon mit 18, 19 Jahren sei er Speedway gefahren, dann folgte eine längere Pause, ehe er vor vier Jahren seine alte Leidenschaft wiederentdeckte. „Das ist eine schöne Beschäftigung“, versichert er – und gibt zu, dass es seine Tochter komplett anders sehe. „Die kann sich dafür ganz und gar nicht begeistern.“

Nach seiner einstimmigen Wiederwahl zum Bürgermeister bleibt Hobby Nummer eins ohnehin die Lokalpolitik. „Ein bisschen Geld zum Gestalten haben wir“, sagt Henning. Große Luxusprojekte seien aber in Osterhorn finanziell nicht drin. Als Erfolge der zurückliegenden fünf Jahre nennt er zuerst den amtsweiten Breitbandausbau und als zweites die Erneuerung aller 27 Straßenlaternen im Dorf.

In seiner gerade  begonnenen Amtszeit stehe die Sanierung des Abwasserbereiches anm, so Henning weiter. Außerdem müssten einige Straßen repariert werden. Entschieden wird über die Maßnahmen übrigens nicht in Osterhorn, sondern im benachbarten Brande-Hörnerkirchen. Seitdem das Hotel Titanic die Pforten geschlossen hat, gibt es im Ort keinen passenden Tagungsort mehr. So müssen sich die Gemeindevertreter notgedrungen im Landhaus Mehrens oder im Amtshaus in der Nachbargemeinde treffen.

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