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Hilfe für Flüchtlinge : „Zu zweit ist das nicht zu schaffen“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

In der Asylantenunterkunft Langeln leben 21 Männer aus sieben Nationen. Die Mitarbeiter des Amtes Rantzau geben behördliche Hilfe - und brauchen selber welche.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Rainer Schattauer und Alexander Harms sind auf dem Weg vom Amt Rantzau in Barmstedt zur Asyl-Unterkunft in Langeln. Der Amtsleiter und sein Mitarbeiter wollen sehen, wie es den 18 dort untergebrachten Asylanten sowie den drei Langzeitarbeitslosen in 14 Zimmern geht. Im Gepäck haben sie Glühbirnen zum Auswechseln, einige Papiere, die ausgefüllt werden müssen, und eine anschaulich von ihnen gefertigte Schautafel, wie Müll getrennt wird. In der Unterkunft leben Männer aus Syrien, Afghanistan, Irak, Algerien, Togo, Niger, Indien und Kosovo sowie Deutschland.

Die beiden werden freundlich begrüßt. Ein Sperrmüllunternehmer wartet bereits. Er soll ein Zimmer ausräumen, in dem einer der Arbeitslosen wohnt, der in ein renoviertes Zimmer umzieht. „Es kommt ab und zu vor, dass ein Zimmer unbewohnbar wird“, so Schattauer. Die beiden vom Amt kümmern sich um den Betroffenen und überreden ihn geduldig, sich von einigen kaputten und unbrauchbar gewordenen Dingen zu trennen. Etliche fahruntüchtige Fahrräder vor der Tür werden gleich mit entsorgt.

„Wir kommen regelmäßig, um als Ansprechpartner für Probleme jeglicher Art da zu sein, uns Mängel zu notieren, die wir dann beseitigen, und um die Asylsuchenden näher kennenzulernen – wie gehen sie miteinander um, und wer verträgt sich mit wem“, so Harms. Wichtig ist ihm die passende Zusammenlegung zweier Personen in einem Zimmer. Wie die beiden Syrer, die sich verständigen können. Einer ist Kurde, der andere Moslem. „Wir sind wie Brüder“, beteuern beide und schlürfen in ihrem aufgeräumten Zimmer einen heißen Tee. Youssef Youssef (26) und Hasan Alhasan (34) sind noch nicht lange in Deutschland.

Youssef sorgt sich um die Ehefrau und die sieben Monate alte Tochter, die er nachholen möchte. Der Krankenpfleger arbeitete nach dem Wehrdienst in einem Krankenhaus und geriet zwischen die Fronten. „Ich wurde aufgefordert, keine Medikamente auszugeben, sondern zu kämpfen – die Situation dort ist schrecklich“, sagt er und flüchtete. Die Verständigung mit Youssef läuft über seinen Bruder, der seit drei Jahren in Deutschland lebt, am Handy zugeschaltet ist und dolmetscht. Die Syrer erhalten laut Bundesinnenministerium eine Aufenthaltserlaubnis bis zu zwei Jahren und können sich Arbeit suchen.

„Die jetzige Situation in Syrien ist ausschlaggebend für einen längeren Aufenthalt“, so Andreas Köhler, Pressesprecher der Kreisverwaltung Pinneberg. Auf eine Familienzusammenführung darf Youssef auch hoffen. Zur Ausländerbehörde in der Kreisverwaltung werden die Asylsuchenden vom zentralen Auffanglager in Neumünster geschickt und danach auf die Kommunen verteilt. Schattauer und Harms helfen den Asylanten auch bei bürokratischen Dingen und Behördengängen. So müssen sich diese beim Sozialamt im Barmstedter Rathaus melden. Bei Aufenthaltsgestattung gibt es 320 Euro pro Monat, bei Duldung 180 Euro. Bei Letzterer soll der Asylant abgeschoben werden.

„Wir möchten gerne noch mehr helfen, aber zu zweit ist das nicht zu schaffen“, so Harms. Erwünscht seien ehrenamtliche Helfer, die sich praktisch um die Menschen kümmern oder etwa ein TV-Gerät spenden. „Deutsch lernen ist das A und O der Integration, da hilft auch fernsehen“, so Harms. Die Unterkunft liegt außerhalb des Dorfs, zum nächsten Bahnhof ist es kein kurzer Weg. Ein gespendetes Rad oder eine Fahrkarte helfen enorm. Sieben Asylanten sind gerade in Wohnungen nach Barmstedt gezogen. Diejenigen aus dem arabischen Sprachraum leben in einer Wohngemeinschaft - und mitten unter Menschen. Auch sie könnten Unterstützung jeglicher Art gebrauchen. Die evangelische Kirchengemeinde Barmstedt hat in ihrer jüngsten Gemeindeinformation dazu aufgerufen, den Asylbewerbern zu helfen. „Wir koordinieren die Hilfeleistungen“, betont Schattauer.

Wer teilnehmen möchte, soll sich bei dem Amt Rantzau unter den Telefonnummern (0 41 23) 68 81 42 oder -162 melden.
 

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