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Diskussion um Verkehr in Barmstedt : Zu wenig Platz für mehr Sicherheit

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bürger sehen Risiken für Radler, Kinder und Senioren. Die Polizei verweist auf Fakten.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 10:23 Uhr

Fahrradfahrer fühlen sich in Barmstedt unsicher, Ältere trauen sich nicht über die Königstraße, Kinder sind durch die Gelenkbusse gefährdet, und der Kleine Markt stellt für alle ein Problem dar: Das sind die Kernpunkte, über die etwa 40   Bürger am Donnerstagabend während der FWB-Infoveranstaltung zur Verkehrssituation in Barmstedt mit vier Experten diskutierten. Als eine der ersten meldete sich Sylvia Weigel zu Wort. „Ich bin gerade von den Tennisplätzen am Bornkamp hierhergefahren“, berichtete sie – quer durch die Stadt zur Gemeinschaftsschule an der Schulstraße, wo der Abend stattfand. Sie habe sich dabei „mal wieder etwas bedrängt gefühlt. Besonders an der Feldstraße ist es schlimm. Da wird man permanent überholt und steht kurz vorm Herzinfarkt.“ Es sei „eine Zumutung, mit dem Rad durch Barmstedt fahren zu müssen“, resümierte sie und schlug vor, Radstreifen auf den Fahrbahnen einzurichten.

Es gäbe dafür erste Überlegungen, berichtete Rüdiger Langels (Straßenverkehrsbehörde des Kreises) – auch vor dem Hintergrund, dass immer weniger Radwege benutzungspflichtig seien. „Das wird nur noch angeordnet, wenn eine besondere Gefahrenlage besteht – zum Beispiel an Unfallschwerpunkten oder in Kreuzungsbereichen.“ Unfälle mit Radfahrern seien in Barmstedt jedoch selten, wie Polizeichef Peter Kroll erklärte. „Die Zahlen liegen seit mehreren Jahren konstant bei etwa zwölf pro Jahr.“ Gleichwohl lege auch die Polizei ein Hauptaugenmerk auf die „benachteiligten“ Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radler. „Wir beobachten jeden Morgen den Andrang vor Schulen, Kitas und an den Bahnhöfen. Das ist nicht zu unterschätzen.“

Radelnde Schüler von den Gehwegen zu verbannen – was Königstraße-Anwohner Matthias Bornholdt vorschlug, weil es „hochgefährlich“ sei – sei allerdings kaum möglich, sagte Kroll. „Dafür haben wir weder die Zeit noch das Personal, und Kinder bis 14 Jahre dürfen wir eh nicht sanktionieren.“ Zudem möge das Verhalten subjektiv betrachtet riskant sein, „aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache“.

Ebenso verhalte es sich an der Einmündung der Feld- in die August-Christen-Straße, wo die Gelenkbusse über die Gehwege fahren müssten, wie Sven Spelter beklagte. „Das ist für Kinder, die da langgehen, extrem gefährlich und eigentlich ein No-Go.“ Die Strecke sei aber getestet und für die etwa zwölf Meter langen Gelenkbusse freigegeben worden, sagte Peter Gottschalk (FWB). „Und damit sie um die Kurve kommen, sind sogar extra Schilder versetzt worden.“ Zudem sei dort noch nie etwas passiert, wie Schulsekretärin Tina Killmaier betonte. „Die Busfahrer fahren alle sehr, sehr rücksichtsvoll.“

Ein weiteres Problem stelle die Situation am Kleinen Markt dar, wie Christian Killmaier schilderte. „Kann man nicht auf dem Parkplatz vor der HypoVereinsbank einen Streifen für Fußgänger einrichten? Da gibt es ständig umgeknickte Poller, weil die Autos da rumrangieren. Und die Fußgänger sind mittendrin.“ Außerdem sei die Ladezone vor dem Sky-Markt häufig von Lkw versperrt, so dass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen müssten. Ein Streifen für Fußgänger habe „dem Architekten damals nicht gepasst, meine ich“, erwiderte Gottschalk. Kroll erklärte, es sei der Polizei schon immer ein Dorn im Auge gewesen, dass der verkehrsberuhigte Bereich in der Innenstadt unübersichtlich gestaltet wurde. „Aber mehr als ständig darauf hinzuweisen, können wir nicht tun.“

Ein weiteres Problem sprach Hans-Heinrich Schulte an. Vor allem für Ältere sei es wegen des hohen Verkehrsaufkommens oft schwierig, die Königstraße zu überqueren, sagte er. Doch eine Querungshilfe wird es wohl nicht geben. „Ein Zebrastreifen ist gefährlicher als alles andere“, sagte Uwe Dieckmann (Ordnungsamt). Auch der Wunsch der Zuhörer, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt zu verbannen, dürfte eine Illusion bleiben. „Sie können das theoretisch durch Einbahnstraßen oder Durchfahrtverbote regeln“, sagte Langels. „Aber wenn der Verkehr aus der einen Straße weg ist, haben Sie ihn in der nächsten.“ Auch neue Umgehungsstraßen würden wegen der Finanzlage und des enormen Planungsaufwands ein frommer Wunsch bleiben. Und wegen der dicht an den Straßen gebauten Häuser sei es in Barmstedt kaum möglich, Straßen zu verbreitern. Fazit: „Die Stadt wird immer jonglieren müssen: Wie verteile ich den Verkehr?“

Mit der Mär, Tempo-30-Zonen seien Allheilmittel, räumte Langels ebenfalls auf. „Das wollen immer alle. Aber 90 Prozent derjenigen, die dann zu schnell fahren, sind die Anwohner selbst.“ Schilder brächten zudem nur etwas, wenn kontrolliert werde.

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