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Barmstedterin in BErling : Zu Gast im Schloss des Präsidenten

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ruth Gaude (84) beim Bürgerfest in Berlin

Eine Einladung dieser Art findet sich wohl nur einmal im Leben im Briefkasten – wenn überhaupt. Ruth Gaude (84) erhielt eine gedruckte Einladungskarte mit dem Gold geprägten Bundesadler vom Bundespräsidenten Joachim Gauck. Sie sei herzlich willkommen zum Bürgerfest im Schloss Bellevue in Berlin und könne eine Begleitperson mitbringen, las Gaude erstaunt und zögerte lange, ob sie teilnehmen wollte. „Da sind sicherlich viele Menschen, und ich bin nie jemand gewesen, der sich in den Vordergrund stellt“, hat sie überlegt. Letztendlich bereute sie die Zusage nicht.

Sie nahm Tochter Marie-Luise Jaster mit, und beide fuhren per Zug zum Bundespräsidenten. Nur mit der persönlichen Einlasskarte in Verbindung mit dem Lichtbildausweis sowie Taschenkontrolle kamen sie in den Bellevuepark hinein. „So ein riesiger Park, so ein schönes Schloss – und so viele Menschen“, staunte Gaude, die in der Heilsarmee-Uniform erschienen war. Die Kleidung war auf der Einladungskarte vorgeschrieben: Anzug, kurzes Kleid, Kostüm, Uniform, Tracht. Etwa 4 000 eingeladene Menschen aus der Bundesrepublik, die sich ehrenamtlich besonders engagieren, füllten den Park. Und Ruth Gaude aus Barmstedt mittendrin.

„Überall waren Tische und Sitzplätze arrangiert, alle weiß bezogen, dazwischen kleine weiße Zelte, in denen Speisen und Getränke gerreicht wurden oder sich Vereine vorstellten“, so Jaster. Ihre Mutter lobte die kleinen Portionen. „Es werden sonst zu viele von den angebotenen Lebensmittel weggeworfen“, sagte sie. Den Gastgeber sah sie nur aus der Ferne. „Es stand ständig eine Menschentraube um ihn herum“, so Jaster. Ruth Gaude tat er fast schon wieder leid: „Bewegte er sich einige Schritte, war er von der nächsten Traube umringt.“ Die beiden gaben es schließlich auf, sich persönlich vorzustellen. Stattdessen kamen sie mit anderen Gästen ins Gespräch. Etwa mit dem Ehepaar, das einmal jährlich nach Ghana reist. Der pensionierte Chirurg operierte dort ehrenamtlich, seine Frau unterrichtet. Andere kümmern sich um die Integration von Menschen mit Mehrfachbehinderungen.

Und Ruth Gaude? Sie hat als Mitglied der Heilsarmee langjährig die Frauenstunde geleitet. Sie hat bis ins hohe Alter in Hamburgs Gaststätten Geld gesammelt, für die Obdachlosen gekocht und Suppe am Hamburger Bahnhof verteilt. Sie hat die Betreuung zweier älteren Kinder übernommen, als deren Mutter im Krankenhaus war, und dem Mädchen davon zwei Jahre lang Kochunterricht gegeben und mit ihm Hausaufgaben gemacht sowie zwei ältere Damen bis zu deren Tod gepflegt und etliches mehr. Die fünffache Mutter mit sieben Enkeln und zwei Urenkeln hat unzählige Torten gebacken und Marmelade hergestellt – für die Feste der Heilsarmee.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 16:00 Uhr

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