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Bokelsesser Moor : Zu Besuch im Revier der Kraniche

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Auf Rundgang mit Hans-Jürgen Raddatz vom Nabu Barmstedt durch das Klein Offenseth-Bokelsesser Moor.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Gross Offenseth-Aspern | Sonne, Wolken, Regen: Das Wetter ändert sich minütlich an diesem Tag im April, dazu weht ein starker Wind. Ausgerüstet mit dicker Jacke, Gummistiefeln und einem Feldstecher tastet sich Hans-Jürgen Raddatz vom Nabu Barmstedt durch das Dickicht des Klein Offenseth-Bokelsesser Moores. Plötzlich sind ganz in der Nähe Schreie zu hören: „Jetzt leise und ganz langsam“, sagt Raddatz. Zwischen den Bäumen hindurch sieht man zwei Kraniche. Majestätisch breiten sie ihre Flügel aus und fliegen über die Wiese davon.

In dem Hochmoor, das der Nabu gemeinsam mit dem Betreuungsverein Offensether und Bokelseßer Moor renaturiert, hat für die seltenen Vögel die Brutzeit begonnen. Dabei sollten sie auf keinen Fall gestört werden. Der Naturschützer biegt daher scharf nach rechts ab und betritt nach wenigen Metern eine große Lichtung – um exemplarisch zu erklären, was der Nabu dort seit 1984 macht.

Binsen und Torfmoose prägen diese Fläche.
Binsen und Torfmoose prägen diese Fläche. Foto: Uthoff

„Wir haben die Wiese mit Raupe und Bagger abgeschoben und Polder geschaffen, damit jeder Tropfen, der fällt, nicht wieder rauskommt“, so Raddatz, der jedes Jahr etwa 20 bis 30 Mal in dem Gebiet unterwegs ist. Moorvernässung nennt sich dieses Prinzip. Überall auf der Fläche stehen Binsen, aber auch Torfmoose wachsen hier schon. „Da tobt ein Konkurrenzkampf“, sagt Raddatz. Die Torfdicke betrage etwa einen 1,20 Meter.

Das Überlaufrohr regelt den Wasserstand, im Hintergrund wächst Drachenwurz.
Das Überlaufrohr regelt den Wasserstand, im Hintergrund wächst Drachenwurz. Foto: Uthoff

Weiter geht es über einen Polder, der einen langen Graben in kurze Abschnitte teilt. Aufällig ist dabei ein orangefarbenes Rohr, das den Polder durschschneidet: „Wir haben Überlaufrohre angebracht, damit der Wasserstand ausgeglichen ist“, berichtet der Naturschützer. Früher sei das Moor durch Gräben und tief liegende Rohre entwässert worden. Die habe der Nabu entfernt und Gräben durch Aufschüttungen voneinander getrennt. Das dort im Wasser Drachenwurz – auch Sumpfkalla genannt – wächst, beobachtet der Experte aber mit gemischten Gefühlen: „Das ist ein Zeichen dafür, dass das Wasser an dieser Stelle mit Nährstoffen überfrachtet ist und der pH-Wert noch nicht stimmt.“ Der sollte laut Raddatz im Moor um einen Wert von vier liegen. „Moorwasser muss wie Essig sein“, sagt er. Ab einem Wert von 4,5 und mehr sei das Niveau bereits gestört. „Wir müssen das so hinnehmen.“ Wichtig sei es, Zuflüsse aus der Landwirtschaft zu stoppen, denn: „Wo Wasser von draußen rein fließt, bekommt man es nicht mehr raus“, erläutert Raddatz.

Unterwegs mit Hans-Jürgen Raddatz: Auf Grundlage der Moose bildet sich der Moorkörper, erklärt der Naturexperte.
Unterwegs mit Hans-Jürgen Raddatz: Auf Grundlage der Moose bildet sich der Moorkörper, erklärt der Naturexperte. Foto: Uthoff

Wenige Meter stapft der Naturschützer durch ein kleines Becken mit Wasser. „Auf Grundlage dieser Moose wachsen Gräser, und so entsteht der Moorkörper“, berichtet er und zeigt auf eine große grüne Fläche. Generell sollte jeder, der sich im Moor nicht auskennt, immer auf den kleinen Wegen bleiben. An einer anderen Stelle versenkt Raddatz einen etwa drei Meter langen Baumstamm im Wasser. „Wenn man da reingerät, ist man weg“, erklärt er. 2,80 Meter sei das Wasser an dieser Stelle tief. „Kenner wissen aufgrund der Vegetation, wo sie ihre Füße hinsetzen müssen.“

Wie ein Tunnel: Endlos lange Wege ziehen sich durch das Moor.
Wie ein Tunnel: Endlos lange Wege ziehen sich durch das Moor. Foto: Uthoff

Über einen Polder, der sich endlos zu ziehen scheint, geht der Marsch weiter. Rechts und links stehen Birken, die sich nach innen neigen und den Weg wie einen Tunnel erscheinen lassen. Raddatz betritt auf einer weiteren Lichtung seine eigene Parzelle. „Hier hat alles angefangen“, sagt er. Die Fläche sei komplett entkusselt worden, heute werden einige Birken wieder stehen gelassen. Das Areal ist in Familienbesitz, für fast alle anderen Parzellen halte der Verein mittlerweile auch die Betreuungsrechte.

Die Rosmarin-Heide zeigt mittlerweile ihre Blüten.
Die Rosmarin-Heide zeigt mittlerweile ihre Blüten. Foto: Uthoff

Kurz vor dem nächsten Schauer macht Raddatz kehrt, wirft aber noch einen kurzen Blick auf eine der nördlichsten Parzellen des Moores. „Der Rohrkolben, der hier wächst, ist ein schlechtes Zeichen“, meint er. „Als früher nach Torf gebuddelt wurde, hat man sich bis zum Grundwasser durchgegraben.“ Das steige jetzt auf. Wenige Meter weiter blühen bereits die ersten Pflanzen im Moor. „Das ist Rosmarin-Heide“, sagt Raddatz und deutet auf die magentafarbene Blüte. Die Fläche, auf der diese Heide wächst, sei etwas ganz besonderes: „Alles was auf engstem Raum vorkommen kann, kommt hier vor.“

Zum Klimaschutz und Erhalt der Artenvielfalt renaturiert der Nabu Barmstedt gemeinsam mit dem Moorverein seit 1984 das Klein Offenseth-Bokelsesser Moor. Das Hochmoor hat eine Fläche von etwa 500 Hektar, wichtigstes Ziel ist es, das Wasser wieder dauerhaft im Moor zu halten. Außer den typisch Hochmoor-Arten nutzen viele Pflanzen und Tiere renaturierte Moore mit ihren vielen Zwischenstadien als neuen Lebensraum.
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