Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe : „Wollte mich nützlich machen“

Trafen sich zum gemeinsamen Austausch (von links): Pastorin Birgit Dušková, Elke Kunde, Ute Rappen, Sylvia Sass, Ingrid Welsch, Friederike Schmidt, Pastor Klaus-Dieter Piepenburg und Ortwin Schmidt.
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Trafen sich zum gemeinsamen Austausch (von links): Pastorin Birgit Dušková, Elke Kunde, Ute Rappen, Sylvia Sass, Ingrid Welsch, Friederike Schmidt, Pastor Klaus-Dieter Piepenburg und Ortwin Schmidt.

Ehrenamtliche aus Barmstedt und den Dörfern berichten, warum sie sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren.

shz.de von
07. Februar 2018, 11:49 Uhr

Barmstedt | „Ich wollte mich nützlich machen und den Flüchtlingen helfen, hier anzukommen“, sagt Ute Rappen. Und weiter: „Ich will eine Antwort haben, wenn meine Enkel mich später fragen, was ich getan habe, um die Geflüchteten zu unterstützen.“ Die Langelnerin ist eine von mehreren ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern, die vor Kurzem während eines Gottesdienstes in Barmstedt von und für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe vor etwa 70 Besuchern von ihren Erlebnissen und Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit sprach. Die Ehrenamtlichen thematisierten unter anderem, wie sie sich selbst dabei fühlen und damit umgehen.

Rappen berichtete, sie sei dankbar dafür, in einem freien, friedlichen Land zu leben, während andere vor Krieg und aus Not nach Europa fliehen müssten, so Rappen. „Unsere Alltagssorgen muten wie Luxusprobleme an, wenn man die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge anhört“, sagte sie und weiter: „Kleine Taten, die man ausführt, sind besser als große, die man plant.“

Die Ehrenamtlichen sprachen auch über schwierige Momente: Die Hemdingerin Sylvia Sass wurde mit der Aussage konfrontiert, sie sei ein Gutmensch, der loslaufe, um Flüchtlingen zu helfen. „Gutmensch war das Unwort 2015, und ich fühle mich gut, wenn ich anderen helfen kann“, stellte sie klar. In dem Drama von Berthold Brecht „Der gute Mensch von Sezuan“ konnte der gute Mensch nicht Nein sagen. Bei ihr sei es genauso gewesen. „Rechtzeitig zu erkennen, was uns belastet, und dass man nicht allen helfen kann, ist wichtig. Ebenso ist es aber auch wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, so Sass.

„Der Anfang war schwierig, man hatte Angst, etwas falsch zu machen“, berichtete Ingrid Welsch aus Barmstedt. Sie helfe mit, weil sie das Ankommen der Flüchtlinge durch Menschlichkeit erleichtern wolle. Den Spruch „Europäer haben die Uhr, alle anderen haben Zeit“ habe sie in der Praxis kennengelernt. Enttäuschungen, das Versprechen nicht eingehalten wurden, seien dabei gewesen. „Meine Schlüsselwörter sind Geduld, Respekt, Toleranz und Gottvertrauen“, so Welsch.

Friederike Schmidt aus Barmstedt sagte: „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass die Flüchtlinge sich hier schnell einleben.“ Es sei nicht immer einfach, aber sie möchte mit der Hilfe zur Eingewöhnung auch den Hetzern, die Hass verbreiten, den Wind aus den Segeln nehmen. Die Barmstedterin Elke Kunde hatte die Erfahrung gemacht, dass die Flüchtlinge nach dem Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe in Köln an Silvester 2015 sich nicht mehr trauten, die Helferinnen zu umarmen und sie mit ihnen darüber diskutierte. „Die Flüchtlinge müssen sich langsam an unsere Kultur gewöhnen. Durch unsere Hilfe kommen Zuneigung, Vertrauen und Dankbarkeit zurück“, sagte sie.

Pastor Klaus-Dieter Piepenburg hatte zudem Pastorin Birgit Dušková, Beauftragte für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Rantzau/Münsterdorf, eingeladen. „Sie gehören nicht zu denen, die sagen, die anderen machen das schon“, sagte sie zu den ehrenamtlichen Helfern. Probleme gebe es immer wieder, aber sie würden stets überwunden. Wichtig sei das Mitdenken, Mitfühlen und die Frage, wie man zusammen leben könne. Nach den Ereignissen in Köln hätten ihr Ehrenamtler gesagt, dass sie weitermachten. „Das hat mir Kraft gegeben. Ich danke Euch für Euer Tun“, sagte sie.

Seit 2015 ist Dušková in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Sie ist Ansprechpartnerin für die Helfer, bearbeitet Kirchenasylanfragen und begleitet Menschen, denen die Abschiebung bevorsteht. Sie ist aber auch Seelsorgerin für ehrenamtliche Helfer. „Diese werden mit Leid konfrontiert, das sehr nahe geht, sehr persönlich Gestalt annimmt und nicht in weiter Ferne geschieht“, sagte sie. „Ein von Menschen verursachtes Leid ist manchmal schwer aushaltbar“, so Dušková und weiter: „Man bekommt eine Sensibilität, die verarbeitet werden muss.“

Piepenburg dankte den Helfern für die Bereitschaft und Offenheit, ihre Erfahrungen zu teilen. Die anschließenden spontan zu Papier gebrachten Fürbitten handelten vom Dank an Ehrenamtliche, von Überwindung von Konflikten und vor allem von Frieden in der Welt.

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