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Barmstedter Zeitung

18. Dezember 2017 | 16:05 Uhr

Wischhof in Barmstedt : Wohnungen oder Wiese?

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Streit um Bebauung: Die Verwaltung verweist auf Bedarf an Wohnraum. Die Gegner fürchten Verlust von Grünflächen in der Innenstadt.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2016 | 16:00 Uhr

An der möglichen Bebauung des Wischhofgeländes scheiden sich die Geister. Während die Verwaltung darauf verweist, dass die Stadt barrierefreien Wohnraum in der Nähe des Zentrums schaffen müsse, möchten die Gegner vor allem die Grünfläche erhalten. Außerdem argumentierten sie, die zwei zur Diskussion stehenden Häuser würden den Wohnungsmangel kaum lindern, dafür aber die freie Sicht vom Rewe-Parkplatz zur Heiligen-Geist-Kirche nehmen. Franz-Josef Sitta unterstellt der Stadt zudem eine „Gefälligkeitsplanung“ zu Gunsten des Humburg-Haus-Vereins, der von den Einnahmen aus dem Verkauf der städtischen Fläche profitieren würde.

Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung hatten sich am Montagabend etwa 30 Barmstedter in der Kommunalen Halle über die Pläne der Stadt informiert. Die Überlegung, am Wischhof zu bauen, gehe auf den zunehmenden Bedarf an barrierefreiem Wohnraum zurück, erklärte Fachamtsleiter Uwe Dieckmann. In Anbetracht der demografischen Entwicklung habe sich die Politik dafür ausgesprochen, entsprechende Bebauung in der Innenstadt zu entwickeln. Auf dem Wischhof sei das am ehesten umsetzbar, so Dieckmann. In Frage käme aber höchstens eine Bebauung mit zwei maximal zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern im nördlichen Teil der Wiese. Eine „Sichtachse“ vom Parkplatz auf die Kirche würde bleiben.

Sitta merkte an, es gebe „noch x Brachen in der Stadt, wo eine Bebauung ein Segen wäre. Hier ist das keiner, sondern der Tod unserer Innenstadt.“ Auch Fritz Schröder und Helmut Müller kritisierten die Pläne. „Die Bebauung ist ein Skandal! Jede andere Stadt würde sich über einen grünen Park freuen“, rief Schröder. Müller forderte, das „ohnehin nicht üppige Grün in der City nicht noch weiter zu verringern“.

Dieckmann erklärte, die Untere Naturschutzbehörde habe zunächst Bedenken vorgebracht. „Die hat aber ein Biologe widerlegen können.“ Die Denkmalschutzbehörde haben Bedenken wegen der Nähe zur Kirche geäußert. „Eine moderate Bebauung würden sie aber akzeptieren.“ Problematischer sei das Lärmschutzgutachten, das seit Montag vorliege. Demnach sei der vom Anlieferverkehr, den Parkplätzen und den Kühlanlagen der Supermärkte ausgehende Lärmpegel für ein reines Wohngebiet zu hoch, sagte Dieckmann – Folge: „Wir müssten eine vier Meter hohe Lärmschutzwand bauen.“

Sittas Einwand der „Gefälligkeitsplanung“ wies Dieckmann zurück. Es stimme zwar, dass der Erlös aus einem Verkauf der etwa 3000 Quadratmeter großen Fläche dem Humburg-Haus-Verein zugute käme, weil Ernst-Heinrich Humburg es in seinem Schenkungsvertrag mit der Stadt einst so verfügt habe. „Aber von privatrechtlichen Verträgen dürfen wir uns bei der Bauleitplanung nicht leiten lassen“, betonte er. Sitta zweifelt zudem an, dass Humburg eine Bebauung der Fläche gewollt hätte, und hält den von der Stadtvertretung gefassten Aufstellungsbeschluss daher für rechtswidrig. Der Verein sieht das anders. „Herr Humburg hätte es wohl gewollt, aber es gab damals eine Veränderungssperre für das Gebiet, so dass es nicht gewinnbringend zu verkaufen war“, sagte der Vorsitzende Jörg Dittmer.

Die Verwaltung werde jetzt alle Einwände sammeln, gewichten und dann dem Bauausschuss – vermutlich nach den Sommerferien – eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen aussprechen, kündigte Dieckmann an. Dabei gebe es zwei Optionen: „Eine moderate Bebauung – oder keine.“

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