Leser-Aufruf zum Abschied der AKN-Schienenbusse : Wir suchen Ihre Geschichten zu Kuddel Barmstedt

Uerdinger Schienenbus mit Mittel- und Steuerwagen in Barmstedt: Das Bild soll einen Jubiläumszug im Jahr 1967 zeigen und stammt aus der Broschüre zum 100-jährigen Jubiläum der Elmshorn-Barmstedter Eisenbahn. Der Fotograf ist nicht genannt.

Uerdinger Schienenbus mit Mittel- und Steuerwagen in Barmstedt: Das Bild soll einen Jubiläumszug im Jahr 1967 zeigen und stammt aus der Broschüre zum 100-jährigen Jubiläum der Elmshorn-Barmstedter Eisenbahn. Der Fotograf ist nicht genannt.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den Schienenbusse zwischen Barmstedt und Elmshorn? Schreiben Sie uns.

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16. November 2019, 06:00 Uhr

Barmstedt/Elmshorn | Wer noch einmal mit den alten Uerdinger Schienenbussen zwischen Barmstedt und Elmshorn unterwegs sein will, hat am 1. Dezember vielleicht die letzte Gelegenheit dazu: Die AKN hat sich dazu entschlossen, ihre Uerdinger Schienenbusse abzugeben – idealerweise an einen Eisenbahnverein in Schleswig-Holstein. Wer der neue Eigentümer wird steht nach wie vor nicht fest, berichtete die AKN jetzt auf Anfrage.

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Den Abschied der Fahrzeuge nehmen wir zum Anlass, unsere Leser nach ihren Erinnerungen an die alten Uerdinger und MAN-Schienenbusse zu befragen. Was verbinden Sie mit den alten Kuddel-Fahrzeugen? Eine Auswahl der Zuschriften wird shz,de anlässlich der Abschiedsfahrten am 1. Dezember veröffentlichen.

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Um einen Eindruck von ihren Erlebnissen zu geben, erzählt heute Helga Pergande, was sie mit den Schienenbussen verbindet. Die BZ-Mitarbeiterin fuhr mit den MAN-Schienenbussen und später auch mit den Uerdinger Schienenbussen regelmäßig nach Elmshorn.

Helga Pergande erzählt:

„Jahrelang sind wir als Schüler aus Barmstedt und Umgebung mit Kuddel zu den Gymnasien nach Elmshorn gefahren. Nach dem vierten Schuljahr war es soweit: Unsere Eltern ließen uns komplett allein zur Schule fahren. Im Kuddel war es nie langweilig. Etwa 20 Minuten dauerte eine Fahrt. Zeit, Vokabeln zu lernen oder von einer Nachbarin etwas abzuschreiben, das ich zu Hause vergessen hatte. Nach und nach kannten wir jede Biegung und Kurve, durch die Kuddel hindurch schlingerte, und jede gerade Strecke, bei der wir sauber in das Heft auf der Aktentasche auf dem Schoß schreiben konnten – wenn wir denn alle einen Platz bekamen.

Helga Pergande (70) ist Mitarbeiterin unserer Zeitung und war in der Vergangenheit immer wieder mit den Schienenbussen der AKN zwischen Barmstedt und Elmshorn unterwegs.
Christian Uthoff
Helga Pergande (70) ist Mitarbeiterin unserer Zeitung und war in der Vergangenheit immer wieder mit den Schienenbussen der AKN zwischen Barmstedt und Elmshorn unterwegs.
 

Kuddel, der aus Richtung Langeln kam, füllte sich in Barmstedt immer stark. Es fuhren auch viele Erwachsene zur Arbeit. Es herrschte ein hoher Geräuschpegel. Ich Nachteule kam häufig in letzter Minute angehetzt. Kuddel hatte sich manchmal bereits langsam in Bewegung gesetzt. Daher wartete mein netter Nachbar auf dem Außentrittbrett und zog mich die drei Außenstufen hoch.

Landschaft ohne Autobahn

Wenn ich Zeit hatte, schaute ich aus dem Fenster. Der Blick schweifte damals über Natur pur. Wo heute die Autobahn 23 die Landschaft durchschneidet, grasten damals viele Rehe auf großen grünen, mit Bäumen und Buschwerk durchsetzten Flächen.

Erinnerungen an die alten Schienenbusse: Einsendungen nehmen wir unter der Mailadresse redaktion@a-beig.de entgegen. Briefe können an die Adresse „Barmstedter Zeitung, Reichenstraße 7, 25355 Barmstedt“, geschickt werden. Bitte schreiben schreiben Sie Ihren Namen und Ihren Wohnort dazu.

Einmal kamen wir nach einem Sportwettkampf in Langenmoor die lange, gerade Straße zum Bahnhof angelaufen. Kuddel stand schon dort, der Schaffner blickte uns entgegen, sah auf seine Uhr und pfiff, als wir dicht am Kuddel waren. Der Triebwagen fuhr los, wir schauten in die Röhre und mussten eine Stunde warten. Die Schaffner ließen sich nicht alles gefallen. Wenn die Jungen mal wieder zu turbulent waren, sich prügelten oder vor Wut oder Übermut die Schultasche eines Mitschülers aus dem Zugfenster warfen, griffen sie sich einen oder zwei und setzten sie in Vossloch aus dem Zug. Heute unvorstellbar. Die Jungen schossen auch im Zug häufig mit hart gefaltetem Papier auf uns Mädchen, und wir schützten uns mit den braunen Vorhängen, die traurig an den Zugfenstern hingen.

Unfall in Sparrieshoop erlebt

Am Bahnübergang am Sparrieshooper Bahnhof erlebte ich einmal sogar einen Unfall mit. Ein Auto krachte in die Seite des Zuges. Ich hatte es kommen sehen und noch gedacht: Warum bremst der nicht? Er muss das Blinklicht übersehen haben. Viele Zuginsassen hörten nur einen Knall. Das Auto sah aus wie eine zerquetschte Zitrone. Verletzt wurde aber niemand.“

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