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Barmstedter Zeitung

18. August 2017 | 05:19 Uhr

„Wir sollten ein Zeichen setzen“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

AG Stolperstein will mit Gedenktafeln und Hinweisschildern an das Schicksal der Zwangsarbeiter erinnern / Politik verweigert Zuschuss

Mit ihrem Anliegen, die in Barmstedt ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter mit mehreren neuen Gedenktafeln und Grabsteinen zu ehren, ist die Arbeitsgemeinschaft (AG) Stolperstein bei der Politik nicht so weit gekommen wie erhofft. Der Kulturausschuss lehnte einen festen Zuschuss ab. Stattdessen soll die AG ihr Vorhaben durch Spenden finanzieren, an denen sich aber auch die Stadt beteiligen soll. Mit fünf Ja- (FWB, CDU, Grüne) und vier Gegenstimmen (BALL, SPD) fiel der Beschluss denkbar knapp aus.

Luzian Bucke hatte die Ideen der AG vorgestellt. So sollen die sechs Zwangsarbeitergräber mit einer neuen Gedenktafel sowie die Gräber von deren Kindern mit personalisierten Grabkissensteinen versehen werden. Die Kosten für die Tafel bezifferte er auf 1000 bis 2000 Euro. Ein Grabkissenstein würde etwa 500 Euro kosten, schätzte er. Außerdem möchte die AG mit Hinweisschildern in der Stadt auf die Gedenkstätte hinweisen. Die Kosten könne „am ehesten der städtische Bauhof beziffern“, sagte Lucke.

Die Kirche, der der Friedhof gehört, stehe einer neuen Tafel nicht im Wege, betonte Claus-Peter Jessen (Grüne). Die Politiker sahen das Ganze zwiespältig. So sah Petra Krämer (SPD) die Stadt in der Verantwortung. „Wir sollten ein Zeichen setzen und etwas für diese Sache tun, die sonst immer hinten über fällt“, sagte sie und beantragte, der AG 1000 Euro Zuschuss zu gewähren. Michael Schönfelder (FWB) verwies dagegen auf den Gedenkstein in der Hofhölzung. „Dort gedenken wir aller Opfer der Gewaltherrschaft. Keiner wird ausgeschlossen, und ich denke, damit haben wir unsere Pflicht getan.“ Die AG solle eine Spendenaktion starten, sagte er. „Das wäre viel schöner, und ich bin mir auch sicher, dass die Barmstedter genügend spenden.“ Die AG halte das allgemeine Gedenken für „zu wenig“, sagte Bucke. Ziel der neuen Tafeln und Hinweisschilder sei vor allem, „eine lebendige Erinnerungskultur aufzubauen“. Dazu gehöre auch, die Zeit von 1933 bis 1945 in einer Chronik zur 875-Jahr-Feier der Stadt zu berücksichtigen sowie den Namen „Geschwister Scholl“ in Barmstedt zu erhalten, so Bucke. „Für die Schule wird er wohl nicht mehr genutzt werden dürfen. Aber vielleicht als Straße oder am Marktplatz.“

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von
erstellt am 03.Feb.2014 | 13:36 Uhr

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