Landwirte und Lohnunternehmer : „Wir sitzen in einem Boot“

Durch die Trockenheit ist die Brandgefahr auf den Feldern gestiegen. Diese Presse lief heiß, ging in Flammen auf und setzte auch Teile eines Stoppelfelds in Brand.
1 von 2
Durch die Trockenheit ist die Brandgefahr auf den Feldern gestiegen. Diese Presse lief heiß, ging in Flammen auf und setzte auch Teile eines Stoppelfelds in Brand.

Die schlechten Ernteaussichten in der Landwirtschaft könnten auch für Einbußen bei Lohnunternehmern sorgen.

shz.de von
12. Juli 2018, 16:00 Uhr

Gross Offenseth-Aspern | Die schlechten Ernteaussichten in der Landwirtschaft wirken sich auch auf die Lohnunternehmer in der Region aus. Das erfuhren die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Vereins der ehemaligen Grafschaft Rantzau vor Kurzem während einer Besichtigung des Lohnunternehmens von Matthias Kühl in Groß Offenseth-Aspern. „Landwirte und Lohnunternehmer sitzen in einem Boot“, berichtete Klaas Seebandt, Disponent der Firma. Habe der Bauer eine schlechte Ernte, benötige der Lohnunternehmer zu seinem finanziellen Nachteil weniger Stunden Einsatz. Die modernen Maschinen würden sowieso weniger Zeit zum Ernten benötigen. „Mit den aktuellen Maschinen fahren wir 100 Hektar in sechs Stunden zusammen“, sagte er. Dazu würde ein geringerer Ertrag auf den Feldern – wie etwa jetzt das Grünfutter – die Stundenzahl noch mehr reduzieren. „Das zieht sich durch das ganze Jahr, wir rechnen mit Einbußen um 50 Prozent“, so der Disponent.

Der Landwirtschaftliche Verein hatte eine Radtour nach Groß Offenseth-Aspern unternommen, zu der Vorstandsmitglied Uwe Lohmann etwa 70 Teilnehmer begrüßte. Wilhelm und Matthias Kühl sowie Seebandt stellten den Gästen anschließend das Unternehmen vor. „Wir bieten alle Arbeiten rund um das Getreide von der Aussaat bis zur Ernte an“, sagte Kühl. Das gleiche gelte für den Futteranbau. Er und sein Disponent Klaas Seebandt führten die Besucher in zwei Gruppen über das große Gelände, auf dem etwa 50 Maschinen einsatzbereit stehen.

Angefangen mit einem landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb, kamen bei Kühl über die Jahre Mähdrescharbeiten in Lohn bei anderen Betrieben hinzu. Seit 1996 besteht das Lohnunternehmen im Hauptgewerbe, das Sohn Matthias 2002 übernahm. 180 Hektar Landwirtschaft werden weiterhin betrieben.

Seebandt zeigte die rasante Entwicklung der Erntemaschinen anhand eines Oldies mit 40 PS neben einem neuen Gefährt mit fast 500 PS. Große Maschinen lägen finanziell im sechsstelligen Bereich. Zurzeit werde Stroh gepresst, danach seien die Mähdrescher im Einsatz.

Die Trockenheit mache den Lohnunternehmern noch in anderer Hinsicht zu schaffen, berichtete der Disponent. Die Brandgefahr steige – und dafür hatte er sogar auch ein praktisches Beispiel. Seebandt führte die Gruppe zu einer abgebrannten Presse. „Die Maschine ist auf einem Feld bei Bad Segeberg heiß geworden und in Flammen aufgegangen, der Fahrer konnte gerade noch den Trecker abkoppeln“, sagte er. Ein Hektar Stoppelfeld sei mit abgebrannt. Das Stroh der abgeernteten Wintergerste sollte gepresst werden. Es brauche nur ein kleiner Flintstein in die Maschine zu geraten, und bei dieser Trockenheit breche ein Feuer schnell aus, wie auch Berichte in den Medien zeigten. Das könne niemand verhindern.

Zum Schmunzeln fanden die Besucher hingegen den Anhänger zum Futtermischen, der zum Swimmingpool umgebaut worden war und Sitzplätze für etliche Personen bietet. Das Wasser wird mit brennendem Holz unter dem Kessel erwärmt.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen