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Barmstedt : „Wir sind nicht fremdenfeindlich“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bauausschuss beschließt Bau eines Flüchtlingsheims an der Feldstraße. Anwohner wehren sich gegen Unterstellungen. Die Kritiker fühlen sich „in die rechte Ecke gedrängt“.

Barmstedt | An der Feldstraße soll ein neues Flüchtlingsheim gebaut werden. Das hat der Barmstedter Bauausschuss am Montagabend einstimmig beschlossen. Doch im Hintergrund schlagen die Wogen nach wie vor hoch. Die Anwohner der Straße An der Alten Mühle, die im Vorfeld Bedenken gegen die Belegung des Hauses geäußert hatten, fühlen sich „in die rechte Ecke gedrängt“, wie Hausverwalter Jürgen Stiebling während der Einwohnerfragestunde sagte. „Wir sind nicht fremdenfeindlich“, betonte er. Brit Herrmann ergänzte: „Wir haben keine Angst vor einem Flüchtlingsheim, sondern vor einer Belegung mit schwierigen Fällen wie Messies und Obdachlosen, die unter normalen Bedingungen nicht mehr unterzubringen sind.“ Das sei die ursprüngliche Aussage der Verwaltung gewesen, auf der sich die Bedenken der Anwohner gründeten. Doch die Diskussionen, die daraufhin entstanden sei, „gehen am eigentlichen Thema vorbei“, so Herrmann.

In der Feldstraße 1 seien in den vergangenen Jahren „immer wieder einzelne Personen oder höchstens eine Familie untergebracht worden“, sagte Herrmann. Die Anwohner hätten sich um sie gekümmert, aber „sie sind uns von der Stadt nie angekündigt worden und waren oft kurzerhand wieder verschwunden. Bedeutet das Integration und Willkommenspolitik?“ Künftig könnten in der Unterkunft bis zu 20 Personen leben. „Wir wünschen uns, dass die Anwohner in die Planung einbezogen werden“, so Herrmann. Zudem sei die Wahl des Standorts „leidenschaftslos“ geschehen. „Hat man vielleicht gedacht, dass Anwohner in einem stark frequentierten Wohngebiet den Bau einer Sammelunterkunft einfach hinnehmen?“

Es handle sich nicht um eine „große Sammelunterkunft“, erwiderte der Ausschussvorsitzende Ortwin Schmidt (CDU) – und sein Parteikollege Ernst-Reimer Saß (CDU), der an der Düsterlohe wohnt, brach eine Lanze für Flüchtlinge: „Bei mir nebenan wohnen seit neun Monaten Flüchtlinge. Anfangs hatte ich auch etwas Bedenken, aber es gibt keine Probleme. Sie haben zwar einen etwas anderen Rhythmus, aber sie sind nett und hilfsbereit.“

Verwaltung und Polizei schätzen die Lage ebenfalls als nicht dramatisch ein. „Die Sicherheit und Ordnung sollte durch die Unterbringung von Asylbewerbern nicht beeinträchtigt werden“, heißt es in einem Schreiben des Ordnungsamts an Hausverwalter Stiebling. Auch bisher seien in der Feldstraße 1 Asylbewerber und Langzeitobdachlose untergebracht gewesen, „ohne dass dies zu Problemen geführt hat“. Die Polizei habe ebenfalls keine Bedenken, heißt es weiter.

Die Stadt sei gehalten, Flüchtlinge unterzubringen, was auf dem freien Wohnungsmarkt sehr schwierig sei, schreibt die Verwaltung. Das Haus Feldstraße 1 habe den Vorteil, dass es der Stadt gehöre und aufgrund der innenstadtnahen Lage eine Integration der Bewohner zulasse. Die Anwohner halten den geplanten, 315 Quadratmeter großen Neubau und das 900 Quadratmeter große Gelände indes für zu klein. Es entspreche aber den Anforderungen, so die Verwaltung. Die von den Anwohnern geforderte Maximalbelegung mit 20 Personen zu gewährleisten, sei allerdings nur „eine Absichtserklärung der Politik“, sagte Stadtsprecher Wolfgang Heins. Die Stadt könne zudem nicht wählen, welche Flüchtlinge ihr zugewiesen werden. „Wenn da mal ein Problemfall drunter ist, stellt sich das womöglich erst bei uns heraus.“ Dann sei aber geregelt, dass der Kreis professionelle Unterstützung leiste.

Die neue Unterkunft soll sechs Wohneinheiten – eine davon für Obdachlose – mit je zwei Zimmern erhalten: vier im Erd-, zwei im Obergeschoss. Zu jeder  Wohneinheit werden ein Bad und eine Kochnische gehören. Im Anbau, in dem einst die Rettungswache untergebracht war, werden ein Gruppen-, ein Abstell- sowie ein Wäsche- und Trockenraum eingerichtet. Die Eingänge werden an der Rückseite und zur Mühlenstraße liegen. Balkone sind nicht vorgesehen. Zur späteren Nutzung könnten die Wohneinheiten in drei bis vier Wohnungen umgewandelt werden. Die Kosten – etwa 480.000 Euro – übernehmen das Land (70 Prozent) und  der Kreis (30 Prozent). Bis das Heim bezugsfertig ist, wird es  einige Monate dauern. Zuerst muss das jetzige, nicht sanierungsfähige Gebäude abgerissen werden.
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erstellt am 11.Nov.2014 | 10:51 Uhr

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