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Amtsdirektor Heinz Brandt im Interview : „Wir haben das gut bewältigt“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Flüchtlingsarbeit stellt das Amt Rantzau auch im Jahr 2016 vor große Herausforderungen.

Barmstedt | Ob Breitbandprojekte in der Region, die Flüchtlingswelle oder Veränderungen beim Amt Rantzau: Das Jahr 2015 war für Heinz Brandt, den ehemals Leitenden Verwaltungsbeamten des Amts Rantzau, und seine Mitarbeiter ein arbeitsreiches. Eine größere Veränderung ist seit gestern in Kraft: Seitdem wird das Amt Rantzau als drittes im Kreis Pinneberg hauptamtlich geleitet. Brandt steht als Amtsdirektor an der Spitze. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt er auf die wichtigsten Themen im Jahr 2015 zurück – und erklärt, welche Herausforderungen 2016 auf Verwaltung und Politik warten. Das Gespräch führte Christian Uthoff.

Herr Brandt, wie wird am 4. Januar Ihr erster Tag als Amtsdirektor aussehen?

Ich denke, es wird nicht von den Tagen davor als Leitender Verwaltungsbeamter abweichen. Die Tätigkeit bleibt im Wesentliche gleich, der Unterschied ist, dass ich ab dem 1. Januar 2016 für die gesetzlichen Aufgaben auch die Verantwortung trage.

Wie ist das Jahr 2015 aus Ihrer Sicht verlaufen – gerade auch im Hinblick auf die Umstrukturierungen beim Amt?

Es war ein ereignisreiches und aufregendes Jahr. Die Umstrukturierung auf die Hauptamtlichkeit hat ein paar Diskussionen mit sich gebracht. Aber ich denke, das ist im Endeffekt sehr gut gelungen und die einstimmigen Entscheidungen vor Kurzem im Amtsausschuss haben das auch widergespiegelt.

Welche Themen haben das Jahr aus Ihrer Sicht sonst noch geprägt?

Das Thema Flüchtlinge hat uns natürlich beschäftigt – wie all die anderen Kommunen auch. Da sind ganz neue Aspekte auf uns zugekommen. Nicht nur die Wohnraumsuche in einem Ausmaß, das wir bislang gar nicht gekannt haben, sondern auch Dinge, die mit der Betreuung zusammenhängen. Da haben wir uns mit dem Kreis Pinneberg und anderen Kommunen ausgetauscht – zum Beispiel darüber, wie wir uns externer Hilfen wie der Diakonie oder der Caritas bedienen. Als sehr positiv habe ich die große Hilfsbereitschaft bei den ehrenamtlichen Kräften empfunden. Das war schon enorm. Ohne dieses große Engagement wäre das ganze Thema wohl kaum zu bewältigen gewesen.

Wie sieht denn die aktuelle Situation aus?

Zum Einen haben wir bei uns im Haus die personellen Kapazitäten für die Betreuung und die Wohnraumsuche aufgestockt. Insbesondere ein Mitarbeiter, der nur zeitweise dieses Feld bearbeitet, ist mittlerweile Vollzeit damit befasst. Darüber hinaus wirkt er auch im Arbeitskreis Flüchtlinge in Barmstedt mit und hält Kontakte. Zum Anderen befassen wir uns ständig damit: Wo können wir noch Wohnungen anmieten oder Häuser kaufen? Da sind wir aktuell auch gerade wieder dabei. Nachdem wir in diesem Jahr schon ein Objekt in Heede und eins in Lutzhorn erworben haben, haben wir jetzt schon wieder die nächsten ein oder zwei Immobilien, die wir erwerben wollen.

Heißt das, Sie können derzeit noch alle dem Amt zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen?

Im Moment haben wir noch keine Probleme, wenn die Zuweisung durch den Kreis so weiter geht wie bisher. Im weiteren Verlauf hängt es auch davon ab, in welchen Ausmaß die Flüchtlingswelle anhält und inwieweit wir Wohnraum in unseren Gemeinden angemietet oder gekauft bekommen.

Was passiert, wenn sich die Flüchtlingszahlen wie in diesem Jahr weiter entwickeln?

Also, es sind vor einigen Wochen schon einmal vom Landrat Zahlen in den Raum für 2016 gestellt worden. Die haben uns doch ziemlich erschrocken gemacht. Wenn die so eintreffen würden, würde das im nächsten Jahr vielleicht schwierig werden. Aber aus der Sicht der letzten Wochen muss ich sagen: Wir haben das gut bewältigt bekommen, und wenn die Zuweisungen so weiter gehen wie bisher, dann dürften wir das hinbekommen.

Zwischen Weihnachten und Neujahr sollten ja keine Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden, um den Mitarbeitern eine Pause zu gönnen.

Ja, das wurde so mitgeteilt. Aber dann müssen wir uns sicherlich darauf einstellen, dass uns Anfang Januar mehr Flüchtlinge zugewiesen werden. Dann stellt sich später auch die Frage: Wie geht es weiter mit dem Familiennachzug? Wie schlägt die Bundes- und Europapolitik durch?

Das andere große Thema ist die Breitbandversorgung: In großen Teilen Hemdingens ist dieses Jahr ein Glasfasernetz aufgebaut worden, Bevern bekommt es gerade. Wie läuft das Breitband-Projekt, dass das Amt Rantzau gemeinsam mit dem Amt Elmshorn-Land angeschoben hat?

In Hemdingen betrifft der Ausbau vor allem den Ortskern, so wird es in Bevern auch sein. Da müssen wir schauen, wie wir auch die Außenbereiche in den Gemeinden angeschlossen bekommen. Das wird noch ein bisschen dauern, aber das war auch eine unserer Intentionen, dass wir über einen möglichen Zweckverband dann unsere Außenbereiche anschließen können in den kommenden Jahren. Da gehe ich davon aus, dass das eine Möglichkeit ist. Es sei denn, es tun sich noch andere Möglichkeiten auf. Der Kreis Pinneberg macht derzeit eine neue Markterkundung, bei der es um den Breitbandausbau im gesamten Kreisgebiet geht. Das ist jetzt gerade auf den Weg gebracht worden. Gefragt wird, welche Unternehmen daran Interesse haben, in den Kommunen des Kreises in den kommenden drei Jahren das schnelle Internet auszubauen. Da sind wir sehr gespannt, wenn die Ergebnisse vorliegen. Das dürfte Ende Januar so weit sein.

Es klang während einiger Gemeindevertretersitzungen im Dezember an: Unter anderem soll eine Mitgliedschaft der Amtsgemeinden in dem bestehenden Breitband-Zweckverband in Moorrege geprüft werden. Was steckt dahinter?

Da werden wir im Januar ein erstes Gespräch führen. Wir werden abfragen, wann unsere unterversorgten Gemeinden von diesem Zweckverband angeschlossen werden könnten. Ich denke, das Ergebnis aus diesem Gespräch wird ausschlaggebend sein für eine Entscheidung unserer Gemeinden.

Wie viele Gemeinden haben noch Interesse an dem Projekt? Lutzhorn möchte zum Beispiel eigene Wege beschreiten.

Die Problematik bei uns ist, dass die Gemeinden unterschiedlich gut versorgt sind. Während beispielsweise Bilsen durch die Telekom und Kabel Deutschland ziemlich gut versorgt ist und auch andere Gemeinden wie Bokholt-Hanredder und Ellerhoop in Teilen gut versorgt sind, gibt es auch Gemeinden, die komplett unterversorgt sind. Dazu zählten bis vor Kurzem auch noch Hemdingen und Bevern, aber es sind auch Bullenkuhlen, Groß Offenseth-Aspern und Lutzhorn. Lutzhorn hatte sich vor Kurzem entschieden, den Weg der beiden Ämter nicht mitzugehen.

Was erwartet das im Amt kommenden Jahr?

Wenn es mit den bestehenden Themen so weitergeht, sind wir gut ausgelastet. Das Thema Flüchtlinge wird sich weiterhin wie ein roter Faden durch unsere Arbeit hindurchziehen und bindet auch hier im Hause einige Kräfte.

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