Windpark in Bokel bleibt Reizthema

Neue Standortpläne: Gemeindevertreter sehen diverse Kritikpunkte

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09. Oktober 2018, 16:00 Uhr

2009 stand in Bokel schon einmal ein Windpark-Projekt zur Diskussion. Damals wurde es von der Politik abgelehnt. 2016 wurde das Thema wieder aktuell. Die Landesregierung hatte einen neuen Erlass mit aktualisierten Kriterienkatalogen zur Windenergieplanung herausgegeben. Hauptsächlich ging es darin um veränderte oder spezieller definierte Abstandsflächen. Auch die Gemeinde Bokel war betroffen, weil im nördlichen Teil der Gemeinde in den Bereichen Vossbarg und Hingstheider Moor Eignungsflächen ausgewiesen worden waren. Am Ende wurde die Idee wieder ad acta gelegt.

Doch während der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung standen mögliche Windkraftanlagen ein drittes Mal auf der Agenda. Am 21. August hatte die Landesregierung den zweiten Entwurf der Teilfortschreibung des Windkapitels im Landesentwicklungsplan 2010 sowie den zweiten Entwurf der sachlichen Teilaufstellung der drei Regionalpläne für die Planungsräume I bis III beschlossen und damit auch ein neues Beteiligungsverfahren gestartet. In diesem neuen Entwurf findet sich in der Gemeinde Bokel eine sogenannte Potenzialfläche in einer Größe von 45,1 Hektar samt eines 30,2 Hektar großen Vorranggebietes.

In den Abwägungsunterlagen heißt es: „Eine vertiefende gutachterliche Prüfung der Vereinbarkeit mit der Grünbrücke Hasselbusch und den darauf zuführenden Migrationskorridoren hat ergeben, dass für den westlichen Teil der Fläche außerhalb des Einzugsbereiches und des prioritären Korridores der Grünbrücke eine Flächenausweisung möglich ist. Durch diese Reduzierung wird auch eine Überschneidung mit einer Maßnahmenfläche für den A20-Bau vermieden. In den Stellungnahmen wurden keine Argumente vorgebracht, die nach Prüfung gegen eine solche Ausweisung sprächen. Die angeführten Artenschutzbelange können auf Ebene des Anlagengenehmigungsverfahrens geprüft werden.“

Dieser Sichtweise wollen sich Bokels Gemeindevertreter nicht anschließen. „Im Rahmen des ersten Anhörungsverfahrens hat die Gemeinde mit einem entsprechenden fristgemäß eingereichten Einwand darauf hingewiesen, dass die Fläche komplett in einem Bereich liegt, der im Rahmen der A20-Grünbrückenplanung Hasselbusch als Verbundkorridor unter anderem für das Rotwild ermittelt wurde“, sagte Bürgermeister Wolfgang Münster. „Die Aufstellung von Windkraftanlagen in diesem Bereich würde erhebliche Beeinträchtigungen in Hinblick auf die Ziele der geplanten Grünbrücke bedeuten.“

Das hohe Konfliktrisiko als „potentieller Beeinträchtigungsbereich mit einer besonderen Bedeutung für Großvögel“ sei in der Abwägungsentscheidung ebenfalls nicht ausreichend berücksichtigt worden. In dem damaligen Entwurf der Abwägungsentscheidung sei die Fläche mit dem Vorschlag „Fläche wurde nicht übernommen“ gekennzeichnet. Entgegen dieser Aussage seien die Flächen nun, angepasst auf 30,2 Hektar, übernommen worden. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern von Bokeler Runde und CDU, soll nun eine erneute Stellungnahme seitens der Gemeinde ausarbeiten, die dann den Kielern Entscheidungsträgern übergeben werden soll.

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