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Ellerhoop : Wildspezialitäten statt Milchkühe

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Uwe Münster züchtet auf seinem Hof in Ellerhoop Rot- und Damwild. Im vorerst letzten Teil des Hofporträts gibt er einen Einblick in seine Arbeit.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 15:00 Uhr

Ellerhoop | Im Kreis Pinneberg gibt es etwa 960 landwirtschaftliche Betriebe. In unregelmäßigen Abständen hat die Barmstedter Zeitung in der vergangenen zwölf Monaten 23 Höfe in der Region vorgestellt. Die Serie endet vorerst mit Hof Nummer 24 – dem Betrieb von Uwe Münster (60) aus Ellerhoop. Im letzten Serienteil erzählt er, warum er die Milchviehwirtschaft aufgab und sich nun auf die Vermarktung von Wild konzentriert.

Ursprünglich war Ellerhoop ein Flurname. Erst nach 1600, als dort Menschen heimisch wurden, bezeichnete man auch die Siedlung als „Ellerhoop“. Den Namen „Münster“ liest man dort erstmals im Jahre 1564. Gemeint ist Peter Münster, der zu den Bauern zählte, die damals in dem Kirchspiel wohnten. Heute leben noch Nachfahren in dem Dorf, und einer von ihnen ist Uwe Münster.

Münster lebt auf einem 30-Hektar-Hof am Thiensener Weg. Nur einen „Steinwurf“ weit entfernt befindet sich das bekannte Arboretum – eine etwa 17 Hektar große Gesamtanlage, von der 7,5 Hektar der Öffentlichkeit als Naherholungsanlage und für Zwecke der Schul- und Volksbildung zur Verfügung stehen.

Der einzig wesentliche Wirtschaftszweig, der Münster aktuell verblieben ist, ist die Vermarktung von Rot- und Damwild. Zurzeit hält er 90 Stück inklusive der Nachzucht, die er auf seinem Grund und Boden hält. „Das Wild kann sich auf einer Fläche von zehn Hektar frei bewegen“, erläutert er. „Ich verkaufe die einjährigen Tiere, und zwar ausschließlich privat in unserer Region und in Hamburg.“ Das Rot- und Damwild sei, wie er weiter erklärt, frei von schädlichen Fremdstoffen, Mastfutter und Medikamenten. Das Fleisch, das zweimal jährlich vom Veterinär kontrolliert wird, sei cholesterinarm, leicht bekömmlich und gut verdaulich.

Die Tiere ernähren sich von Gras, Baumrinde und frischen Blättern, im Winter von Eicheln und Kastanien. Immer wieder kommen Besucher zum Gelände des Ellerhoopers, um das Wild zu beobachten. Die scheuen Vierbeiner, die man normalerweise in der freien Natur nur aus der Distanz sieht, begeistern naturgemäß in erster Linie die Kinder. Aber auch die Erwachsenen sind von ihnen angetan.

Ein kleiner Zuverdienst für Münster ist der Anbau von Mais, den er betreibt. Verkauft wird das Produkt an Landwirte, die es als Viehfutter verwenden.

Der Sechzigjährige ist einer landwirtschaftlich dominierten Region aufgewachsen. Um ihn herum war viel Natur – das hat ihn geprägt. Erlernt hat er nach dem Schulbesuch in Ellerhoop den Beruf des Landmaschinenmechanikers, den er jedoch nur einige Jahre ausübte, da er nach dem frühen Tod des Vaters den elterlichen Hof übernahm. Dieser entwickelte sich im Laufe der Jahre von einem Vollerwerbs- zu einem Nebenerwerbsbetrieb. Angefangen hatte Münster mit 18 Kühen, 50 Schweinen und 200 Hühnern. Ein entscheidendes Jahr war 1979, als er einen modernen Laufstall für 60 Kühe einschließlich Nachzucht baute. „Ich hatte Geschmack an der Landwirtschaft gefunden, die für mich kein normaler Beruf, sondern eine Berufung war“, so Münster. „Ich habe auch bis zuletzt gutes Geld damit verdient.“

Gesundheitliche Gründe bewogen den Ellerhooper im Jahr 2006 dazu, die Milchviehwirtschaft aufzugeben und die vorhandenen 120 Tiere zu verkaufen – ein schmerzlicher Schritt. Ein Jahr später schaffte er dann sämtliche Tiere ab und wandte sich der Vermarktung des Wilds zu.

Zeit seines Lebens hat sich Uwe Münster für eine intakte Flora und Fauna engagiert – als Landwirt und Jäger. Das setzt er fort. „Ich bin und bleibe leidenschaftlicher Waidmann und Naturschützer“, sagt er. Zur Jägerei ist Münster Anfang der 80er-Jahre gekommen – und zwar eher durch Zufall: Zwei Bekannte von ihm wollten den Jagdschein ablegen, und er schloss sich ihnen kurzerhand an. Als Mitglied des Hegerings II leistete er 23 Jahre Vorstandsarbeit, wobei organisatorische Aufgaben im Vordergrund standen. Einige Jahre stand er an der Spitze des Hegerings. Jetzt nimmt er noch eine Reihe von Ehrenämtern wahr.

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