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Barmstedter Zeitung

18. Dezember 2017 | 21:46 Uhr

Barmstedt : Wie Spanier die Stadt eroberten

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

In den 1960er-Jahren warben deutsche Firmen um spanische Mitarbeiter. Viele Familien sind in der Schusterstadt sesshaft geworden.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Als junger Mann verließ Juan Jimenez (65) Anfang der 1960er-Jahre seinen Heimatort Murcia in Spanien, um in Deutschland Geld zu verdienen. Mit ihm viele, viele weitere Spanier. Jimenez landete schließlich in Barmstedt, wo er sich mit anderen Spaniern oder Deutschen mit spanischen Wurzeln heute ab und zu bei Maria Feldmann trifft, die sie zum Klönen einlädt und ihren Landsleuten traditionell eine Weihnachtsfeier ausrichtet. Unsere Zeitung erzählt heute die Lebenswege von sechs Spaniern, die ihre Heimat in Barmstedt gefunden haben. Die Spanier zählen zu den größten Ausländergruppen in Barmstedt. Mit derzeit 39 Staatsangehörigen in der Schusterstadt steht Spanien an Position drei. Mehr kommen nur aus der Türkei (177) und Polen (59).

Als 18-Jähriger traf Juan Jimenez 1966 auf Werber aus Deutschland, die Arbeitskräfte für deutsche Unternehmen suchten. Er ergriff die Gelegenheit beim Schopfe, unterschrieb einen Vertrag für zwei Jahre und landete in Bad Godesberg, wo er als Maurer arbeitete. Nach dem zwölfmonatigen Militärdienst danach in der Heimat, bei dem er seine Liebe Consuelo (60) kennenlernte und heiratete, kehrten beide nach Deutschland zurück. Consuelo arbeitete bei Kuhlke. 1972 erhielt er Arbeit in der Spedition Rathjens in Barmstedt.

In der 60er-Jahren wurden viele Spanier von deutschen Betrieben angeworben, so auch von ortsansässigen Firmen in Barmstedt. „Hier bin ich hängen geblieben“, berichtet Jimenez und bereut es nicht. Dabei war der Start nicht einfach. Jimenez fand die deutsche Sprache schwer, die er sich wie andere autodidaktisch beibrachte. „Wenn ich damals Eier kaufen wollte, habe ich einfach gegackert“, sagte er. Und als er sich eine Packung Kuchen kaufte, entpuppte der sich als Hundekuchen.

„Die Nähe zu Hamburg lockte mich“

Der Tischler Manuel Rey (81) stammt aus Galizien und wurde 1961 als Endzwanziger in den Schwarzwald gelockt. Ein Kollege, der in Elmshorn gelandet war, arbeitete in der Firma Velux in Barmstedt. Dort begann auch Rey. Er hat sich mit seiner Familie in Barmstedt eingerichtet. „Deutschland kenne ich besser als Spanien, weil ich jahrelang auf Montage war“, sagte er. An das hiesige Wetter konnte er sich schwer gewöhnen. „Ich vermisste damals auch Dinge wie Knoblauch, Paprika und Olivenöl, die es heute alle hier gibt“, so Rey.

Von Madrid aus fuhr die damals 20-jährige Angela Lopez (71) nach Barmstedt. Sie war von der Firma Züchner angeworben und erhielt 1,74 DM Stundenlohn. „Die Nähe zu Hamburg lockte mich“, sagte sie, die nur ein Jahr bleiben wollte. Das wurde nichts, sie heiratete einen Barmstedter und wurde hier sesshaft. „Das Wetter ist in Spanien besser, die soziale Absicherung hier“, so Lopez-Krohn.

Ebenfalls bei Züchner arbeitete Maria Feldmann (67). „Wir haben in den Züchner-Häusern in der Gebrüderstraße gewohnt – sechs Leute in einem Zimmer mit Etagenbetten“, erinnert sie sich. Vierzehntägig brachten sie die Bettwäsche in die Firma und tauschten sie gegen gewaschene aus. Im Alter von 16 Jahren wurde sie 1962 von der Mutter angerufen, die zunächst auf Helgoland während der Tourismussaison beschäftigt war. Die Firma Züchner holte nach der Saison 28 Spanier von Helgoland nach Barmstedt, eben auch die Mutter. „Ich bin in der Nähe von Hamburg“, informierte die Mutter ihre Tochter. „Hamburg war für mich elektrisierend“, so Feldmann, die einen Schock bekam, als sie von Madrid nach Barmstedt zog. „Kein Auto auf der Straße, nicht einmal eine Fliege, sondern nur tiefste Provinz“, lernte sie Barmstedt kennen – blieb und leitete 30 Jahre lang sehr erfolgreich ein Kosmetikstudio. „Ich fühle mich hier wohl, Barmstedt liegt mir am Herzen“, so Feldmann.

Auch für Maria Rossi (67) ist Barmstedt zur zweiten Heimat geworden. Sie wollte ihre Schwester in Barmstedt besuchen, wo sie den gebürtigen Italiener Bruno Rossi kennenlernte und heiratete. Der gelernte Damenfrisör war 32 Jahre bei den Barmstedter Stadtwerken beschäftigt und zweimal Schützenkönig. „Deutschland ist unsere zweite Heimat“, sagen die beiden.Einen Barmstedter geheiratet hat auch Araceli Dittmann (73). Die gelernte Schneiderin ging als unternehmungslustiges junges Mädchen mit der Firma Züchner einen Vertrag ein, arbeitete später als Schneiderin. Sie würde gerne zurück nach Spanien ziehen. „Heimat ist Heimat“, sagt sie, „aber die Familie ist hier.“

Alle haben sie in Barmstedt Kinder aufgezogen, Freunde gefunden, ein Haus gebaut, im spanischen Zentrum getanzt und geklönt. Einige der Einwanderer haben den deutschen Pass, andere nicht, ihre Kinder sind Deutsche. „Es ist egal, was auf dem Papier steht“, sagt Juan Jemenez. Wichtig sei die Einstellung, Deutsch zu lernen und sich anzupassen.

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