„Langsam wird es richtig eng“ : Wie es um den Mietwohnraum in Barmstedt steht

In Barmstedt (hier im Blick die Feldstraße) fehle es an günstigen Wohnraum, sagen Haus & Grund sowie die Stadt Barmstedt. Das Mietangebot in der Stadt sei aber groß genug, berichtet eine Immobilienmaklerin aus ihrem Alltag.
In Barmstedt (hier im Blick die Feldstraße) fehle es an günstigen Wohnraum, sagen Haus & Grund sowie die Stadt Barmstedt. Das Mietangebot in der Stadt sei aber groß genug, berichtet eine Immobilienmaklerin aus ihrem Alltag.

Stadt, Maklerin, Haus & Grund und eine Familie schildern ihre Erfahrungen.

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16. März 2018, 12:45 Uhr

Barmstedt | Sie sind zu sechst, sie suchen eine Wohnung oder ein Haus mit einer Wohnfläche ab hundert Quadratmetern für einen Mietpreis zwischen 900 und 1000 Euro – und sie suchen schon ziemlich lange: Seit etwa zwei Jahren arbeitet ein Barmstedter Ehepaar intensiv daran, eine neue Bleibe für sich und ihre vier Kinder zu finden. Aber das Angebot sei überschaubar, sagen die beiden. „Und langsam wird es richtig eng, denn wir müssen in den kommenden Monaten aus unserer jetzigen Wohnung ausziehen.“ Um die zehn Objekte hätten sie sich in den vergangenen Monaten angeschaut. Und wenn das Haus oder die Wohnung doch zu ihnen gepasst hätte, hätten andere Mieter den Zuschlag bekommen.

Studie Wohnraumbedarf

Wie angespannt ist die Wohnraumsituation bei Mietobjekten in Barmstedt und den umliegenden Amtsbezirken wirklich? In seiner Studie zum Wohnraumbedarf in Deutschland und den regionalen Wohnungsmärkten attestierte das Wirtschaftsforschungsunternehmen prognos dem Kreis Pinneberg einen angespannten Wohnungsmarkt. Eine Einschätzung, die in Barmstedt von lokalen Akteuren nicht eindeutig geteilt wird. Generell bestehe durchaus eine Nachfrage nach günstigem Wohnraum, teilte Stadtsprecher Wolfgang Heins auf Anfrage mit. „Sowohl Flüchtlinge als auch andere Wohnungssuchende haben Probleme, günstige Mietwohnungen zu bekommen“, berichtet er. Die Stadt selbst habe mit Stand Mitte Februar keine leer stehenden Wohnungen gehabt. „Einige Wohnungen werden bedingt durch Eigentümerwechsel an die Vermieter zurückgegeben.“ Danach würden letzte freie Zimmer in Wohngemeinschaften, auch zum Beispiel im ehemaligen Hotel am Rantzauer See, belegt.

In Barmstedt habe ihr Unternehmen ein sehr gutes und breit gefächertes Angebot, sagt eine Mitarbeiterin der DHM Immobilien GmbH, der hiesigen Immobilienagentur. Objekte gebe es vom exklusiven Neubau über Altbau bis hin zur bezahlbaren Zwei-Zimmer-Wohnung. „Senioren haben auch ein gutes Angebot“, berichtet sie. „Das Mietangebot ist groß genug in Barmstedt.“ Dabei verweist sie auch auf die zahlreichen Bauprojekte in der Stadt – wie etwa im Bereich der Berliner Straße bei Papier Schmidt, wo auf einen Schlag über 30 Wohnungen entstünden. Eine Einschränkung gibt es laut der Agentur: Bei richtig großen Wohnungen, wie sie die Barmstedter Familie suche, sei die Lage schwieriger.

Situation hat sich stark verändert

Die Situation auf dem Mietmarkt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, so die Mitarbeiterin von DHM Immobilien weiter. „Die Fluktuation ist sehr groß geworden.“ Früher hätten Menschen eine Wohnung gemietet und wären lange dort geblieben. „Heute ist sehr viel Bewegung in der Mietgeschichte drin“, sagt die Maklerin. Im engen Hamburger Umfeld sei es wesentlich schwerer, eine geeignete Wohnung zu finden. „Je dichter dran, desto schwieriger wird es“, sagt sie.

Die Größe des Mietangebots sei unterschiedlich. Wenn die Vermietung von Wohnungen nach fertiggestellten Bauprojekten in Barmstedt starte, seien auf einen Schlag mehr als 50 Wohnungen auf dem Markt, berichtet die Maklerin weiter. Auch wie viele Interessenten auf eine Wohnung kämen, sei unterschiedlich. Bei höherpreisigen Objekten sei die Zahl aber in der Regel geringer. „Besonders gefragt sind kleine Zwei-Zimmer-Wohnungen“, sagt sie. „Das Angebot ist da.“

Eher weniger als zu viel: Das sei ihr Eindruck, wenn es um Wohnraum in Barmstedt gehe, sagt die Vorsitzende Heike Schack von der Eigentümer-Gemeinschaft Haus & Grund in Barmstedt. „Das größte Problem ist, dass es zu wenig Wohnraum gibt, den sich Menschen leisten können“, berichtet sie. Das sei aber kein Barmstedt-spezifisches, sondern ein generelles Problem.

Große Wohnungen gibt es nicht

Für das Problem der Barmstedter Familie mit sechs Personen, eine geeignete große Wohnung zu finden, hat Schack einen Erklärungsansatz: „So große Wohnungen gibt es in Barmstedt nicht“, sagt sie. Und entsprechende Häuser zu vermieten, sei ein Risiko, von dem man eher abrate. Bei Objekten dieser Größe werde eher verkauft, so Schack. „Interessenten bekommen so etwas auch einfacher finanziert als wenn man es mietet.“ Grundsätzlich sei in Deutschland die Eigentümerquote mit rund 50 Prozent geringer als in anderen europäischen Ländern. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bezeichnete die Deutschen einst als „Volk von Mietern“.

Die Barmstedter Familie möchte unbedingt in der Stadt bleiben. „Uns ist es egal, ob wir eine Wohnung oder ein Haus beziehen“, sagt die Mutter. Es sollte nur längerfristig und vor Ort oder in umliegenden Gemeinden wie Lutzhorn, Bullenkuhlen oder Hemdingen sein, „weil unsere Kinder hier in Barmstedt im Verein spielen und zur Schule gehen“. Und: Sie habe auch das Gefühl, dass die Familie gerade wegen der Kinder auf der Strecke bleibe. „Wir wurden immer wieder als nett und sympathisch beschrieben – mit den Kindern als großem Aber“, sagt sie kopfschüttelnd. Dabei gebe es keinen Grund dazu. Auch würden sie und ihr Mann beide arbeiten. Am Ende hätten aber immer andere den Zuschlag bekommen.

Welche Erfahrungen haben unsere Leser auf der Suche nach Mietwohnungen in der Region Barmstedt gemacht? Welche Eindrücke haben sie gewonnen und welche Situationen haben sie erlebt? shz.de ist auf der Suche nach Erfahrungsberichten. Interessierte können diese entweder per Mail an die Adresse bzredaktion@a-beig.de oder per Brief an die Barmstedter Zeitung, Reichenstraße 17, 25355 Barmstedt senden.
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