Afrika-Aktion : Wie Barmstedt nach Ghana kam

Richtige Trikots und echte Lederfußbälle: Die Mannschaft der Junior High School in Eikwe (Ghana) präsentiert stolz die Spende des SSV Rantzau.
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Richtige Trikots und echte Lederfußbälle: Die Mannschaft der Junior High School in Eikwe (Ghana) präsentiert stolz die Spende des SSV Rantzau.

Der SSV Rantzau unterstützt Nachwuchssportler aus Afrika mit Trikots und Bällen. Gekickt wird überall – barfuß oder in Socken.

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17. Juni 2014, 15:00 Uhr

Barmstedt/Eikwe | Wer glaubt, dass Deutschland fußballverrückt sei, war noch nie in Ghana. Vergangenen September brachen wir zu dritt zu einer dreiwöchigen Reise durch das afrikanische Land auf. Im Gepäck: Geschenke für das Krankenhaus „St. Martin-de-Porres“ und die benachbarte Junior High School in Eikwe, einem kleinen Fischerdorf am Atlantik. Der Kontakt entstand durch meine Tante, die vor Jahrzehnten dieses Krankenhaus mit aufbaute.

Am ersten Abend nach unserer Ankunft in Accra genossen wir die sommerlichen Temperaturen in einem Lokal mit Biergarten. Nach einer halben Stunde wurde es jedoch unmöglich, sich zu unterhalten: Auf einer riesigen Leinwand lief die Übertragung eines Fußballspiels der englischen Premier League. Es gibt in Ghana nur zwei Einstellungen an Lautsprechern: „An“ oder „Aus“. Wenn „An“ ist, dann volle Möhre. Alle, wirklich alle Gäste fieberten mit. Lautstark. Noch lauter, als der Lautsprecher.

Unterwegs auf dem Weg nach Eikwe bemerkten wir drei Dinge. Erstens: Jeder Taxifahrer bekennt sich zu einem Fußballverein. Mit Wimpeln und Aufklebern an der Frontscheibe ist sofort sichtbar, ob man etwa im Wagen eines Manchester- oder Liverpool-Fans fährt. Die Heckscheibe ist übrigens für Glaubensbekundungen reserviert.

Zweitens: In jedem Dorf, und sei es noch so klein, steht am Wegesrand eine Schiefertafel. Auf der ist entweder das Ergebnis der letzten Premier-League-Spiele zu sehen oder der Termin, wann die nächsten Spiele live übertragen werden. Per Satellitenfernsehen. Oft gibt es im Dorf nur einen einzigen Fernseher, um den sich dann alle scharen. Auch die deutsche Bundesliga spielt in Ghana eine Rolle: Während der Nachrichten auf „CNN Africa“ werden als Newsticker die Ergebnisse der letzten Spiele eingeblendet.

Drittens: Überall wird Fußball gespielt. In Socken oder barfuß, denn Schuhe können sich die wenigsten leisten. Selten gibt es Rasen, die rote, staubige Erde genügt. Auch Tore braucht hier kaum einer, als Markierung reichen ein paar Steine. Und so, wie es in fast jedem Ort eine Schule gibt, darf auch der Fußballplatz nicht fehlen. Wir haben keinen gesehen, auf dem nicht wenigstens eine Handvoll Kinder einem Hartplastikball oder einer Coladose hinterherliefen.

Dank einer großzügigen Spende des SSV Rantzau erlebten wir in Eikwe einen der schönsten Momente unserer Reise: Der Jubel der Jugendlichen, als wir einen kompletten Satz Trikots, einige Lederfußbälle und die passende Ballpumpe überreichten, war unbeschreiblich. „Wir richten in diesem Jahr die Schulsport-Spiele aus, das kommt genau richtig“, bedankte sich Rektor Anthony Ndeloh Amoah. Selten habe ich eine Mannschaft mit so viel Stolz und Würde Trikots überstreifen sehen. Wie echte Profis stellten sie sich fürs Mannschaftsbild auf, blickten ernst in die Kamera, als gelte es, das ganze Land zu vertreten.

Jeder in Ghana wird bei den WM-Spielen vor der Mattscheibe sitzen, das komplette öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Und falls sie gewinnen sollten, wird der Jubel grenzenlos sein.

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