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650 Jahre Bokholt-Hanredder : Wenn Erinnerungen lebendig werden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bilderabend zum 650-jährigen Bestehen der Gemeinde Bokholt-Hanredder im „Bürgerhaus“. Insgesamt 188 Lichtbilder gezeigt.

Bokholt-Hanredder | Als rundum gelungen darf man die Auftaktveranstaltung zu den Feierlichkeiten anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Gemeinde Bokholt-Hanredder bezeichnen. Mehr als 80 Besucher fanden sich im „Bürgerhaus“ ein, um den Bilderabend „Unsere Gemeinde im Wandel der Zeiten“ mitzuerleben, der im Wesentlichen von Hans-Joachim Dinglinger gestaltet wurde. Er zeigte insgesamt 188 Lichtbilder, die teils aus seinem eigenen Fundus, teils von Bürgern aus der Gemeinde stammten. Einige hatte er auch der Chronik, die wenigsten aus alten Zeitungen entnommen. Außer Dinglinger referierten Johann Engelbrecht zum Thema „Landwirtschaft im Wandel der Zeiten“, Erhard Wiebicke unter anderem über die Stellmacherei und Hans Müller zur Gastwirtschaft.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Elisabeth Dinglinger, Mitglied im Ausschuss für Schule, Jugend, Soziales und Freizeit – und federführende Organisatorin des Bilderabends. „Ich bin überwältigt von dem Interesse“, bekannte sie. „Wir hatten so viele Anmeldungen, dass wir eine Reihe abweisen mussten.“ Diejenigen, die davon betroffen waren, müssen aber auf den Bilderabend nicht verzichten: Am Donnerstag, 31. März, wiederum um 18  Uhr, gibt es eine zweite Auflage am selben Ort. Auch dafür liegen bereits etliche Anmeldungen vor. Bürgermeister Wolfgang Mohr, der auf dieser Veranstaltung natürlich nicht fehlte, ergriff nach Dinglinger das Wort. Er erwähnte ebenfalls die Absagen, die man habe erteilen müssen, worüber man fast verzweifelt gewesen sei. Glücklicherweise gab es eine zufriedenstellende Lösung. Ob die Tradition des Eierwerfens, die er ins Gespräch brachte und mit einem Bild illustrierte, in Offenau eine Renaissance erlebt, ist ungewiss.

Der Bildervortrag von Hans-Joachim Dinglinger umspannte den Zeitraum von etwa dem Anfang des 20.  Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Er führte den kontinuierlichen Wandel des Ortes vor Augen, dessen Gesicht sich natürlich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend veränderte: Neue Siedlungen und Gewerbebetriebe entstanden, Gastwirtschaften mit langjähriger Tradition stellten ihren Betrieb ein oder wurden modernisiert. Das betraf natürlich auch die örtliche Schule, jetzt eine Zweigstelle der James-Krüss-Schule in Barmstedt. Außerdem spiegelten die Fotografien das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Dorf wider – und nicht zuletzt die reizvolle Landschaft, in die es eingebettet ist. Wer in Bokholt-Hanredder wohnt, braucht eigentlich, um es scherzhaft auszudrücken, keinen Urlaub.

Das Feuerwehrhaus 1987...
Das Feuerwehrhaus 1987... Foto: Dinglinger
...und heute.
...und heute. Foto: Dinglinger
 

Stellvertretend für die vielen Gebäude, die gezeigt wurden, mag das Lebensmittelgeschäft von Otto Wohlt angeführt werden. In dem Haus, 1892 von dem Schuhmachermeister Friedrich Wohlt erbaut, wurde zuerst eine Werkstatt, Anfang der 1920er-Jahre ein Krämerladeneingerichtet – und zwar von dem aus Island stammenden Schwiegersohn. 1935 wurde der Stab an den Schwager Otto Wohlt und seine Ehefrau Vilborg weitergereicht, die das Geschäft bis 1967 führten. Heute ist es ein Wohnhaus.

Eine Reihe von Bildern führten die Entwicklung des Verkehrs auf Schiene und Straße vor Augen – vom Bahnhof Vossloch Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Autobahnbau. Einer der ersten Autobesitzer im Ort war übrigens Kapitän Kariowa, der sich auf einem etwas vergilbten Foto stolz hinter dem Lenkrad seines Wagens präsentierte. Natürlich blieb Bokholt-Hanredder nicht vor Katastrophen verschont. So brannte beispielsweise das Gebäude der ehemaligen Stellmacherei Ahrens am 8. April 1988 bis auf die Grundmauern nieder. Dies belegte eine Fotografie von dem dramatischen Ereignis. Lange Zeit Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens der Dorfbevölkerung bildeten die Schulfeste mit den obligatorischen Umzügen. Aufnahmen aus den Jahren 1949, 1950 und 1960 machten dies deutlich. Vergnügen bereiteten damals Jung und Alt das Baden in der Oberau, wie auf der Leinwand unschwer zu erkennen war.

Die anwesenden Bokholter verfolgten mit großem Interesse die Bilderschau, die bei vielen lebhafte Erinnerungen an längst vergangene Kindheits- und Jugendtage wachrief. Einige von ihnen kommentierten oder ergänzten die Ausführungen von Hans-Joachim Dinglinger, der für seinen Vortrag anerkennenden Beifall erhielt. Die nächste Veranstaltung im Rahmen der 650-Jahr-Feier ist das Maibaumaufstellen am 30. April.

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erstellt am 12.Mär.2016 | 10:00 Uhr

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