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Umfrage zu Bahnübergängen : Wenn die Schranken ständig unten sind...

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Ampeln zeigen Rot, die Schranken sind unten: Gefühlt stehen Verkehrsteilnehmer ständig vor geschlossenen Bahnübergängen. Diese Zeitung wollte wissen: Wie lang sind die Schließzeiten wirklich?

Westerhorn | Wenn in Westerhorn die Ampeln an der Bahnhofstraße von Gelb auf Rot springen und der Warnton ertönt, ist Geduld gefragt. „Die Bahnschranken bestimmen den Verkehrsrhythmus in Westerhorn, da die Gleise die Hauptstraße im Ortskern schneiden und die Gemeinde in zwei nahezu gleich große Bereiche zerteilen“, heißt es treffend auf der Internetseite der Gemeinde. Gefühlt sind die Schranken ständig geschlossen und das Warten dauert eine Ewigkeit. Diese Zeitung wollte wissen: Wie lange sind die Schranken in Westerhorn und ein paar Kilometer weiter südlich in Prisdorf wirklich gesenkt? Das Ergebnis: In Prisdorf sind die Schranken etwa die Hälfte des Tages geschlossen. In Westerhorn war die Schranke während eines Beobachtungszeitraums von einer Stunde mehr als 20 Minuten geschlossen.

Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn AG für den Bereich Nord, betont, wie wichtig die Verbindung zwischen Kiel sowie Flensburg mit Hamburg ist. Alle Züge – auch die von der Marschbahn – müssen dabei durch Prisdorf. Zum Fern- und Nah- kommt der Güterverkehr. Das erklärt auch die hohen Zahlen: Etwa 300 Züge fahren werktags durch den kleinen Ort. In Westerhorn – das einige Kilometer hinter dem Abzweig der Marschbahn liegt – sind es mit 170 Zügen fast die Hälfte weniger. Rechnerisch sind die Schranken in Prisdorf bei einer Schließzeit von etwa drei Minuten – bei mehreren Zügen dauert es länger – mehr als die Hälfte des Tages geschlossen. Beschwerden sind Brunkhorst dennoch nicht bekannt. Sie räumt aber ein: „Menschen, die lange vor Schranken stehen, sind nie glücklich.“ Zudem sei die gefühlte Wartezeit immer länger als die tatsächliche.

Schranke in Westerhorn ist pro Stunde mehr als 20 Minuten geschlossen

In Westerhorn hat diese Zeitung den Test gemacht: Zwischen 13.45 und 14.45 Uhr postierte sich ein Mitarbeiter an einem Werktag am Bahnübergang an der Bahnhofstraße und hat die Schließzeiten gemessen (siehe Tabelle). Insgesamt waren die Schranken während dieser Zeit 23:35 Minuten geschlossen – also etwas mehr als ein Drittel der Stunde. Das Ergebnis ist aber maximal als Näherungswert zu betrachten und hängt von der Anzahl der Züge ab. Im Beobachtungszeitraum fuhren zum Beispiel keine IC- und ICE-Züge durch Westerhorn. Bei den schnellsten Zügen dauerte es etwa eine Minute und 45 Sekunden vom Schließen der Schranken bis zur Durchfahrt. Besonders lang waren die Schranken geschlossen, wenn sich zwei Züge bei Westerhorn begegneten.

Die längeren Zeiten kommen laut Bahn auch zustande, wenn mehrere Züge hintereinander passieren müssen, so Brunkhorst. Wenn der Kontakt auf den Schienen überfahren wird, geht das Signal auf Gelb, dann auf Rot und die Schranken schließen sich. Wenn ein weiterer Zug diesen Kontakt überfährt, bevor der erste den zweiten Kontakt hinter dem Bahnhof passiert hat, bleiben die Schranken geschlossen. Die Bahn versuche aber, die Zeiten zu optimieren. „Es gilt: So lange wie nötig, so kurz wie möglich“, erläutert die Sprecherin. „Ohne Beeinträchtigung geht es aber nicht.“

Passanten haben sich mit den Wartezeiten arrangiert

In Westerhorn haben sich die Menschen größtenteils mit den Schließzeiten arrangiert – auch, wenn die langen Schließzeiten stören. „Man steht hier laufend – wenn Güterzüge kommen, sogar eine ganze Weile“, berichtet ein Westerhorner Ehepaar, während die beiden vor dem Rotlicht warten. „Ich habe schon sechs Minuten hier gestanden“, sagt er. „Problematisch ist auch die Ausweichstelle für Züge, wenn diese mitten im Ort halten müssen und dann noch überholt werden. Aber was will man machen?“ So sehen das auch zwei Frauen, die auf den Zug nach Hamburg warten. „Ohne Schranken geht es halt nicht. Aber es ist noch ertragbar.“

Die Schließzeiten hätten sich durch eine höhere Anzahl an Zügen in Westerhorn verlängert, sagt Bürgermeister Bernd Reimers (CDU). „Man steht gefühlt die meiste Zeit vor der Bahn.“ Das könne im Extremfall bis zu zwölf Minuten dauern.

Mögliche andere Lösungen wie beispielsweise eine Bahnbrücke oder ein Tunnel seien nicht allein Sache der Bahn. Bei der Finanzierung solch eines Vorhabens, das mehrere Millionen kosten kann, zahlt laut Brunkhorst im Regelfall die Deutsche Bahn ein Drittel, der Bund ein Drittel und je nach Lage des Übergangs die Kommune, das Land oder der Kreis ein Drittel der Kosten.

Gemeinde entschied sich vor 30 Jahren gegen eine Umgehung

In Westerhorn seien derartige Überlegungen vor etwa 30 Jahren Thema gewesen, berichtet Reimers. Damals habe man über eine Umgehung um Westerhorn samt Brücke über die Bahn beraten. Die Einzelhändler im Ort, von denen es während dieser Zeit noch viele gab, seien allerdings dagegen gewesen. „Heute stehen dort, wo die Trasse verlaufen wäre, Häuser. Wir müssen mit der Entscheidung von damals leben.“

Aus finanziellen Gründen kommt ein Bau für Prisdorf nicht in Frage, sagt Bürgermeister Wilfried Hans (CDU). Im Zuge der Planungen des neuen Park-and-Ride-Areals am Bahnhof sei zwar darüber gesprochen, die Idee sei aber wieder verworfen worden. „Das ist einfach nicht finanzierbar“, sagt Hans. Es gehe dabei um eine siebenstellige Summe. „Gut wäre das schon. Das können wir uns aber nicht leisten.“ Die Taktung der Züge sei zwar dichter geworden, „aber die Leute leben damit“.

Kristina Vogel aus Prisdorf fühlt sich von den langen Schließzeiten jedoch durchaus gestört. „Ich laufe täglich da lang, und es nervt mich schon“, sagt die 22-Jährige. Den Prisdorfer Malte Müller (46) stören vor allem die langen Schließzeiten von zehn Minuten an den Wochenenden. Uwe Bodenstein (80) aus Tornesch hat bereits seinen Zug verpasst, weil die Schranke schon geschlossen war. Insgesamt empfinde er die Situation aber nicht als störend. Er habe aber mehrfach erlebt, dass Passanten bei Rot über die Gleise laufen. Tatsächlich ist das ein Problem. Deshalb hatte die Polizei dort in der Vergangenheit immer wieder kontrolliert.

Wie beurteilen Sie die Schließzeiten an Bahnübergängen im Kreis Pinneberg? Wo steht man am längsten, wo ist die Straße schnell wieder frei? Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Thema. Die Redaktion in Pinneberg ist per Mail unter der Adresse tanja.plock@a-beig.de, die Redaktion in Barmstedt und Elmshorn unter christian.uthoff@a-beig.de zu erreichen.
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erstellt am 27.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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