Barmstedt : Wasser wird teurer

Teures Nass: Die Barmstedter müssen für ihr Trinkwasser künftig mehr bezahlen.
Teures Nass: Die Barmstedter müssen für ihr Trinkwasser künftig mehr bezahlen.

Stadtvertreter beschließen eine Erhöhung ab Juli. Der Durchschnittshaushalt muss pro Jahr 32 Euro mehr zahlen.

shz.de von
12. Juni 2014, 12:15 Uhr

Barmstedt | Trinkwasser wird in Barmstedt teurer: Ab Juli wird der Grundpreis wird von 13,13 Euro pro Jahr auf 19,66 Euro, der Verbrauchspreis von 1,29 auf 1,55 Euro pro Kubikmeter (m³) steigen. Das hat die Stadtvertretung am Dienstagabend mit zehn Ja- und sieben Nein-Stimmen beschlossen. FWB, CDU und zwei SPD-Vertreter stimmten für die Erhöhung; BALL, Grüne und zwei SPD-Vertreter lehnten sie ab. 2015 soll darüber beraten werden, ob der Preis eventuell wieder gesenkt werden kann. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 100 m³ wird nach der Erhöhung jährlich etwa 32 Euro mehr zahlen müssen.

Die Anhebung sei nötig, um die Wassersparte der Stadtwerke aus den roten Zahlen zu holen, sagte der Werkausschussvorsitzende Dietrich Tetz (CDU). Die Stadtwerke hätten in neue Brunnen, Rohwasserleitungen und Genehmigungsverfahren investieren müssen. Zudem habe das Land zum Jahresanfang den sogenannten Grundwassergroschen um einen Cent/m³ angehoben. „Falls wir Profit machen sollten, kann man die Preise ja wieder senken“, sagte Tetz. Der Beschluss sei „ja keine Einbahnstraße“.

FWB-Fraktionschef Michael Schönfelder verteidigte die Erhöhung als ausgewogenen Kompromiss. „Wenn nur der Grundpreis gestiegen wäre, wie es ursprünglich angedacht war, wäre das zwar für die Stadtwerke eine sicherere Einnahmequelle gewesen. Aber es gibt ja auch noch den ökologischen Aspekt“, sagte er: „Wer sparsam mit dem wertvollen Gut Wasser umgeht, soll dafür nicht bestraft werden.“ Eine Quersubventionierung durch die Gassparte scheide aus. „Da hat ein Durchschnittshaushalt durch die jüngste Senkung 45 Euro gespart. Jetzt wird er mit 32 Euro beim Wasser mehr belastet. So gesehen, hätten wir nichts machen müssen. Aber jeder sollte da sparen, wo er es für richtig hält.“ Manche bräuchten stets 20 Grad im Haus, andere kämen mit weniger aus – vergleichbar sei die Lage beim Wasserverbrauch.

BALL-Fraktionschef Günter Thiel überzeugten die Argumente nicht. Aus Sicht der BALL spreche nichts gegen eine Quersubventionierung, sagte er – zumal die Einsparmöglichkeiten beim Wasser „sehr begrenzt“ seien. Statt die Preise linear zu erhöhen, „sollte eine bestimmte Menge umsonst sein und alles darüber hinaus Verbrauchte überproportional mehr kosten“, schlug er vor.

Annette Bremer-Wilms (SPD) und die Grünen kritisierten darüber hinaus, dass Klein- und Großverbraucher unterschiedlich hoch belastet werden. Während der Grundpreis für 3100 Barmstedter Haushalte um 50 Prozent steige, würden größere Verbraucher 20 Prozent und die größten Verbraucher wie Seniorenheim, Schulen und Meierei vier Prozent weniger zahlen müssen. Für eine Stellungnahme war Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth gestern nicht mehr erreichbar. Es sei allerdings „ein Unterschied, ob man 50 Prozent auf einen Euro oder 20 Prozent auf 50 Euro nimmt“, meinte Ernst-Reimer Saß (CDU).

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft kontinuierlich gesunken. Waren es 1990 noch 140 bis 160 Liter pro Tag und Einwohner, verbrauchte 2011 jeder Bundesbürger durchschnittlich 122 Liter pro Tag. Zu geringe Mengen können allerdings dazu führen, dass Leitungen extra gespült werden müssen.
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