Düsterlohe in Barmstedt : Was passiert mit dem Park?

Zu Abschlussveranstaltungen des Ferienpasses wird das Amphitheater als Freiluft-Arena und als ein Ort des friedlichen und bunten Miteinanders genutzt.
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Zu Abschlussveranstaltungen des Ferienpasses wird das Amphitheater als Freiluft-Arena und als ein Ort des friedlichen und bunten Miteinanders genutzt.

Debatte um ein städtisches Grundstück an der Düsterlohe in Barmstedt: Die parkähnliche Fläche nahe des Victor-Andersen-Hauses ist eines von zwei Arealen, das die Politik für den Standort eines neuen Kindergartens im Auge hat. Die Anwohner würden das Gelände gern als grüne Oase erhalten.

shz.de von
21. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Was passiert mit dem parkähnlichen, etwa 4000 Quadratmeter großen städtischen Grundstück vor dem Victor-Andersen-Haus (Jugendbildungsstätte) des Kreisjugendrings (KJR) in Barmstedt? In den politischen Gremien der Stadt ist die Fläche zwischen Düsterlohe und Großer Gärtnerstraße neben einem weiteren Areal als eventuelles Baugrundstück für einen neuen Kindergarten angedacht. Die Anwohner der Großen Gärtnerstraße und die weiterer benachbarter Straßen möchten den Park jedoch in der Gesamtheit als Grünanlage mit Amphitheater und Chemnitz-Denkmal erhalten. Dafür haben sie in den vergangenen Wochen 300 Unterschriften gesammelt. „95 Prozent der von uns Angesprochenen haben sich für den Erhalt ausgesprochen“, sagt Anwohner Uwe Engellandt.

Die Politik habe das Dreiecksgrundstück von 4000 Quadratmetern, in denen das Amphitheater enthalten ist, oder zwei Baugrundstücke von 1500 Quadratmetern im Baugebiet Düsterlohe für einen neuen Kindergarten angedacht, berichtet Stadtsprecher Wolfgang Heins auf Anfrage. „Aus Sicht der Verwaltung muss die Standortfrage in den politischen Gremien entschieden werden“, so Heins weiter (siehe Info-Kasten).

Aus der Perspektive der Anlieger sprechen mehrere Argumente für den Erhalt. „Die Anlage sollte als grüne Oase für alle Bürger erhalten bleiben“, sagt Engellandt. Viele Anwohner hätten dort als Kinder gespielt, jetzt würden ihre Kinder das Gebiet als Abenteuerplatz und Wohlfühloase aufsuchen. „Gerade auch Kinder, die für Spielplätze zu alt sind, nutzen den Park und die Grünflächen dort als Bolzplatz. Es gibt ja auch keinen anderen in der Umgebung“, sagt Engellandt. Der Hügel eigne sich zudem als Rodelbahn. „Er war außerdem Erholungsraum für Patienten des ehemaligen Krankenhauses (jetzt KJR), und ist auch deshalb erhaltenswert“, ergänzt Marion Romahn. „Der Platz ist begrenzt und bietet keine Möglichkeit, an den dort geplanten Kindergarten später noch anzubauen. Das wäre aber günstiger, als noch einen zweiten zu errichten“, gibt Michaela Engellandt zu bedenken.

Auch das Thema Verkehr bereitet den Anwohnern Sorgen: Die Situation sei bereits jetzt kritisch, und jetzt entstünden im Umkreis an der Düsterlohe/Am Forst, in der Großen Gärtnerstraße und am SSV-Sportplatz drei neue Baugebiete, für die auch der neue Kindergarten geplant sei. „Wenn das Baugebiet Düsterlohe erschlossen wird“, sagt Anliegerin Monika Will, „liegt die Kita auf dem Dreieckgrundstück eingezwängt zwischen zwei stark befahrenen Straßen.“ Parkplätze müssten entstehen, Halteplätze für Eltern sowie Bürgersteige an der Düsterlohe. Uwe Engellandt: „Wenn die erforderliche Kita stattdessen auf den beiden ebenfalls angedachten Baugrundstücken des Neubaugebiets an der Düsterlohe errichtet wird, würden die Kita-Kinder sich über eine grüne Anlage als kreative Spielfläche freuen.“

„Das Argument von Politikern, das städtische Dreiecksgrundstück sei günstiger, ist eine Milchmädchenrechnung“, kritisiert Engellandt weiter. Ein hoher Zaun zu den Straßen sei erforderlich, die Fläche müsste gerodet werden, wofür Ausgleichsflächen benötigt würden. Auch müsste das dort vorhandene Amphitheater, das Mahnmal aus der Nazizeit, eingezäunt werden. „Es kann aufgrund hoher Auflagen für Kitas wohl kaum als Spielgebiet eingezogen werden“, betont er. Diese Maßnahmen würden aus Sicht der Anwohner zusätzlich Geld verschlingen. „Barmstedt rühmt sich als grüne Stadt und ist offizieller Erholungsort und will eine grüne Oase mitten in der Stadt wegnehmen, das passt nicht zusammen“, so Engellandts Fazit.

Die Anwohner stehen nicht allein da: Auch weitere Gruppen plädieren für den Erhalt der Grünfläche. Der Nabu Barmstedt erinnert daran, dass die Fläche auch als Erholungsort für die Patienten des ehemaligen Krankenhauses eine historische Bedeutung für den KJR habe. Der Vorsitzende Hans-Peter Lohmann weist zudem auf die Wichtigkeit des Bewuchses hin. „Die dort stehenden Pyramideneichen sind sehr alt, es gibt sehr hohe Tannen, Birken und Buchen“, so Lohmann und weiter: „Die Eichen, die mit die wertvollsten Laubbäume in Deutschland sind, werden von vielen Käferarten besiedelt.“ Im Hinblick auf das alarmierende Insektensterben – auch in der Region Barmstedt – seien diese Bäume wichtig, äußerst nützlich und dienten der Artenvielfalt der Insekten. Diese wiederum lockten Fledermäuse an. „Das muss alles im Zusammenhang gesehen werden“, sagt Lohmann und betont: „Jede grüne Insel in der Stadt ist erhaltenswert.“

Der KJR gibt zu bedenken, dass das Amphitheater von Gruppen als Erlebnispark genutzt werde, es sei vor allem bei den jährlichen Abschlussveranstaltungen der Aktion Ferienpass ein Ort des friedlichen und bunten Miteinanders. Die Barmstedter Geschichtswerkstatt verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Amphitheaters, das als Mahnmal erhalten werden sollte. Es wurde 1933/34 zu Beginn der Nazi-Herrschaft von der NSDAP als „Denkmal der nationalen Erhebung und Volksgemeinschaft“ gemeinsam mit den umliegenden Dörfern errichtet und ist als eine der wenigen „Thingstättten“ (Freilichttheater) des Nationalsozialismus erhalten geblieben. Die Geschichtswerkstatt schlägt etwa die Errichtung von Info-Tafeln über die damalige Bedeutung vor. „Die jetzigen Aktivitäten dort stellen das Gegenteil dessen dar, wofür der Nationalsozialismus stand“, sagt Geschichtswerkstatt-Mitglied Michael Theilig. Damals seien auch Kinder bei Aufmärschen präsent gewesen, um dem Führer die Treue zu schwören. Heute stehe der Platz mit den Aktivitäten des Kreisjugendrings für Konfliktlösung, Toleranz und die Bereitschaft, Verschiedenartigkeiten zu akzeptieren.

Anwohner Uwe Engellandt schlägt des Weiteren vor, einen Wanderweg einzurichten, der die Geschichte Barmstedts repräsentiert. Er sollte den Gedenkstein zum Mord am Grafen Rantzau im Wald, die Lorenz-Brücke, das KJR-Gebäude, den Park samt Amphitheater und Chemnitz-Denkmal, das Kriegerdenkmal im Seepark, die Schlossinsel, die Wassermühle sowie Heiligen-Geist-Kirche und Humburg-Haus miteinander verbinden.

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