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Amt Rantzau : "Was können wir zusammenführen?"

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Amtsvorsteher Willi Hachmann spricht im Interview über eine engere Kooperation mit Barmstedt, Fracking und den A7-Ausbau

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Auf das Amt Rantzau kommen im neuen Jahr zahlreiche Aufgaben und Herausforderungen zu. Im Interview mit der Barmstedter Zeitung erläutert Willi Hachmann aus Bullenkuhlen, Vorsteher des Amts Rantzau, warum das Amt über eine stärkere Zusammenarbeit mit der Stadt Barmstedt nachdenkt, was eine erhöhte Kreisumlage für die Gemeinden bedeuten würde und warum das Thema Fracking im neuen Jahr so wichtig werden könnte. Das Gespräch führte Christian Uthoff.

Herr Hachmann, wie sieht die Situation des Amts Rantzau aus?
Willi Hachmann:
Wir sind gut aufgestellt, auch finanziell. Wir haben die Amtsumlage um 1,5 Punkte gesenkt, es ist aber trotzdem so, dass die Gemeinden davon keinen großen Vorteil haben, weil sie in der vergangenen Jahren sehr gute Einnahmen hatten und sich das dadurch nicht so niederschlägt.

Weiterhin besteht derzeit eine Kooperation mit der Stadt Barmstedt hinsichtlich des Standesamts und des Sozialamts. Es wird angedacht, künftig weitere Schritte mit der Stadt Barmstedt in Angriff zu nehmen. Es finden Gespräche statt, wie man vielleicht auch andere Bereiche wie zum Beispiel das Bürgerbüro, aber auch andere Abteilungen, zusammenfassen könnte. Es ist nicht so, dass sich das Amt Rantzau verschließt, aber es muss gut überdacht sein, wie das laufen könnte – personell und von den Räumlichkeiten her. Das Amt ist offen, und das sehen auch die meisten Bürgermeister des Amts so.

Also eine engere Kooperation mit der Stadt Barmstedt?
Hachmann:
Ja, um auch weiterhin flexibel und im Wettbewerb zu bleiben.

Wollen Sie in dieselbe Richtung gehen wie das Amt Hörnerkirchen, das ja eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Barmstedt bildet?
Hachmann:
Wenn alles passt und stimmt, könnte es in Zukunft darauf hinauslaufen. Aber nicht heute oder morgen. Das ist auch von vielen Bürgermeistern schon so angesprochen worden. Einige halten aber auch Distanz.

Was spricht denn für eine stärkere Kooperation mit Barmstedt?
Hachmann:
Bei uns haben wir in einigen Bereichen Engpässe, die wir in Krankheitsfällen beispielsweise nicht so einfach überbrücken können. Da wäre es gut mit einer Zusammenarbeit, man könnte die Aufgaben besser abdecken, um eine schlagkräftige Verwaltung für diesen Bereich und seine etwa 23 000 Einwohner zu haben. Und irgendwann wird uns auch das Finanzielle dazu zwingen, um dort Einsparungen zu schaffen. Unsere Aufgabe für die nächste Zeit hier ist, zu sehen: Was können wir zusammenführen?

Der Spielraum der Gemeinden innerhalb ihrer Haushalte istsehr eng bemessen. Was würde passieren, wenn jetzt auch noch die Kreisumlage steigen würde?
Hachmann:
Das würde für die Gemeinden gewaltige Einbußen bedeuten. Wir haben ja da die leichte Befürchtung, dass der Kreis die Umlage erhöht, weil er 2014 weitere Aufgaben übernehmen muss. Somit wird die Luft immer dünner. Einige Gemeinden sind in der glücklichen Lage, Baugebiete zu haben, durch die Geld in die Kasse kommt. Aber wenn ich mir unsere Gemeinde Bullenkuhlen ansehe, bestehen nicht so diese Voraussetzungen. Für einige Gemeinden würde es sehr eng werden.

Wie sieht es mit der angedachten Resolution gegen eine Erhöhung der Kreisumlage aus?
Hachmann:
Das hatten wir im Finanzausschuss im November mal angesprochen. Das wird bislang immer noch ein bisschen unten gehalten. Wir hatten Ende des Jahres ein Gespräch mit dem Landrat, und da wurde uns signalisiert, dass nicht unbedingt daran gedacht wird, die Kreisumlage zu erhöhen. Aber man ist ja nie sicher.

Wie bewerten Sie denn generell das abgelaufene Jahr für das Amt?
Hachmann:
Für das Amt ist das Jahr verhältnismäßig gut gelaufen. Was für das Amt eine Veränderung gebracht hat, war die EDV-Umstellung. Wir haben uns entschlossen, uns dem IT-Zweckverband Kommunit anzuschließen. Wir sind sehr zufrieden bisher. Zudem haben 2013 alle zehn Amtsgemeinden sowie die von ihnen betreuten Verbände auf die Doppik umgestellt. Da muss ich unseren Mitarbeitern in der Verwaltung auch ein großes Lob für aussprechen. Das ist super umgesetzt worden. Zudem unterhalten wir ja das Heim für Asylbewerber in Langeln. Mit der Unterbringung gibt es dabei keine Schwierigkeiten. Die Unterkunft ist gut besetzt. Es ist die Frage, wie das in 2014 werden wird – wie viele Asylsuchende uns zugewiesen werden, und ob unsere Kapazitäten ausreichen.

Wie wichtig ist eine gute Breitbandversorgung für das Amt und seine Gemeinden?
Hachmann:
Die ist besonders für die Gemeinden wichtig, die etwas mehr Gewerbe haben. Langeln und Bilsen haben das Thema bereits vor fünf Jahren in Angriff genommen. Die Gemeinde Heede, die nah an der Grenze zu Barmstedt liegt, hatte den Beschluss gefasst, sich über die Stadtwerke Barmstedt an das Breitbandnetz anschließen zu lassen. Aber alle anderen Gemeinde hängen ein bisschen hinterher. Das muss man einfach so sagen. Die sind noch in der Findungsphase und überlegen für sich: Was ist das Richtige? Deswegen stellt sich die Frage, ob wir das Ganze noch einmal auf Amtsebene ausschreiben. Da werden noch Gespräche stattfinden.

Wo hakt es denn im Moment?
Hachmann:
Es hängt an den Kosten und an der Frage, ob es einen Anbieter gibt, der in das Netz geht. Das muss für die Anbieter auch attraktiv sein. Und da liegt auch die Schwierigkeit, weil wir viele Flächengemeinden haben. Das ist das Problem. Es ist ein ganz zähes Thema.

Wie schaut es mit dem Thema Fracking aus? Das Amt liegt in den Erlaubnisfeldern Elmshorn und Bramstedt, dort haben Firmen sogenannte Aufsuchunsgerlaubnisse für Kohlenwasserstoffe beantragt und zum Teil erhalten. Bokholt-Hanredder hatte vor Kurzem eine Resolution gegen Fracking verabschiedet.

Gibt es auf Amtsebene ähnliche Pläne?
Hachmann:
Es ist im Amtsausschuss schon angesprochen worden, aber es war zu diesem Zeitpunkt noch alles sehr weit weg. Es könnte Thema im Jahr 2014 werden. Derzeit steckt das bei uns noch in den Kinderschuhen. Auch aus der Bevölkerung ist noch niemand an uns herangetreten. Man muss sich erst einmal genauer mit dem Thema befassen. Wir tappen bei dieser Sache momentan noch im Dunkeln, haben keine Erfahrung damit.

Das Land Schleswig-Holstein hat sich klar gegen Fracking ausgesprochen.
Hachmann:
Sicher, das hilft uns wahrscheinlich auch ein wenig mit. Es könnte durchaus sein, dass wir auf diese Schiene mit aufspringen. Ich glaube nicht, dass der einzelne Bürger, wenn er sich näher mit der Materie befasst, unbedingt „Hurra“ schreit.

Der Ausbau der A 7 beginnt in diesem Jahr und soll mindestens bis 2018 dauern. Autofahrer könnten Staus ausweichen, indem sie quer durch den nördlichen Kreis Pinneberg zur A 23 fahren. Wie gehen Sie damit um?Hachmann: Diese Querstraßen werden besonders betroffen sein. Daran führt kein Weg vorbei, dass es Beeinträchtigungen und Straßenschäden gibt. Oft ist es ja so, dass man vor solchen Projekten eine Bestandsaufnahme macht und schaut, wie der Zustand der Straßen ist, damit man auch hinter einen Anspruch stellen und mit Hilfe von Bildern und Fotos zeigen kann: So waren sie vorher, und nur durch diese Maßnahme sind sie in Mitleidenschaft gezogen worden. Das wäre ein Gedanke, den man mal aufgreifen muss.

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