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Barmstedter Zeitung

20. November 2017 | 07:07 Uhr

Was bietet das Landleben der Jugend?

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Nordgespräch Runde aus Politik,Vereinen und Verbänden diskutiert über Möglichkeiten und Probleme für Jugendliche auf dem Land

Wie erreicht man die Jugend auf dem Land? Und was vermissen junge Menschen, die auf dem Dorf aufwachsen? Diesen Fragen spürte das jüngste „Nordgespräch“ der SPD nach, zu dem der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann und die SPD-Ortsvereine aus Westerhorn und Brande-Hörnerkirchen in den Westerhorner Lindenhof eingeladen hatten. Gute Anlaufstellen für die Jugend seien Vereine und Verbänden wie die Landjugend, der SV Hörnerkirchen oder der örtliche Spielmannszug, stellten die Teilnehmer des Gesprächs fest. Problematisch sei aber die Situation für die Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren – unter anderem wegen der größeren Entfernungen auf dem Land.

Rede und Antwort standen während des Abends außer Rossmann der jugendpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Tobias von Pein, die Vorsitzende der Landjugend Schleswig-Holstein Wencke Ahmling, der Vorsitzende des Kreisjugendringes Pinneberg Mats Hansen und Hörnerkirchens stellvertretender Bürgermeister Ulrich Konkel.

„800 bis 900 Jugendliche bis 28 Jahre gibt es bei uns im Amtsgebiet Hörnerkirchen“, sagte Sozialdemokrat Konkel. Ein großer Standortvorteil der Region sei der Bahnhof Dauenhof, der zum HVV gehöre. Jugendliche könnten ihre Freizeit in der Teestube verbringen, einer Jugendeinrichtung des örtlichen Sportvereins. Auch der SV Hörnerkirchen selbst biete viel für die junge Generation. Weitere beliebte Anlaufstellen seien der Spielmannszug, der gerade sein 50. Jubiläum gefeiert habe, oder die Jugendfeuerwehr, die jüngst in Hörnerkirchen das Pfingstzeltlager zu Gast hatte.

„Der Norden des Kreises Pinneberg ist hochaktiv“, unterstrich auch Hansen. Die Vereine und Verbände seien obendrein gut vernetzt, und zahllose Ehrenamtler würden sich des Nachwuchses annehmen. Besonders aktiv im Amtsbezirk Hörnerkirchen ist die Landjugend, deren Mitgliederzahl inzwischen auf 270 angewachsen ist. „6000 Mitglieder haben wir landesweit“, sagte Wencke Ahmling. Im Kreis Pinneberg gebe es vier Ortsvereine mit knapp 500 Mitgliedern, von denen jener aus Hörnerkirchen der zahlenmäßig größte sei.

Auch Rossmann lobte die Aktivitäten der Landjugend und hob den alljährlichen Frühlingsball hervor, bei dem nur in festlicher Kleidung Zugang gewährt wird. „Das ist ein echtes Ereignis“, so Rossmann, der betonte, dass im Norden des Kreises generell parteiübergreifend versucht werde, die Jugend zu stärken.

Genau das unterstrich auch Amtsvorsteher Bernd Reimers, der als Zuhörer das Nordgespräch verfolgte. Problematisch sei das Landleben aber für die 13- bis 17-Jährigen, die spätabends nicht mehr zu Feiern zugelassen seien, und die auf dem Land ohne Auto „oft nicht hinkommen, wo sie hin wollen“. Für diese Altersgruppe sei es „nicht einfach, hier was zu finden“. Auch der von Rossmann ins Spiel gebrachte Führerschein mit 16 sei nicht das Allheilmittel.Von Pein erzählte von seinen Großeltern, die sich dereinst im Dorfkrug kennen gelernt hätten. Genau wie so viele andere Paare in der Zeit. Die Dorfkrugkultur gebe es längst nicht mehr, und das Land werde immer heterogener. Jede Region müsse für sich betrachtet werden. Wichtig sei es, vorhandene Strukturen zu stärken. Insbesondere seitens der Kommunen vor Ort.

In diesem Zusammenhang forderte von Pein, die Jugendbeteiligung ernst zu nehmen. Ein Punkt, bei dem Konkel einwarf, man habe in Hörnerkirchen lange versucht, ein Jugendforum zu installieren. „Das ist im Prinzip eingeschlafen, weil keine Jugendlichen kamen.“ Ahmling warf ein, dass Jugendliche oft schnell Ergebnisse sehen wollten und enttäuscht seien, wenn es länger dauere, Ideen umzusetzen. Und da jeder Jugend-Jahrgang anders sei als der vorangegangene, sollten Politiker immer wieder versuchen, den Nachwuchs einzubinden.

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