Seit 50 Jahren : Warum Familie Schinkel dem Barmstedter Wochenmarkt treu verbunden ist

Bürgermeisterin Heike Döpke (Dritte von rechts) und Sonia del Alamo (Tourist-Marketing) gratulierten Otto Schinkel (rechts), seiner Ehefrau Karin (Zweite von links), seinem Sohn Julius, Schwiegertochter Kim und Enkelin Anna zum Jubiläum.
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Bürgermeisterin Heike Döpke (Dritte von rechts) und Sonia del Alamo (Tourist-Marketing) gratulierten Otto Schinkel (rechts), seiner Ehefrau Karin (Zweite von links), seinem Sohn Julius, Schwiegertochter Kim und Enkelin Anna zum Jubiläum.

Familie Schinkel betreibt seit 50 Jahren einen Stand in Barmstedt. Angebot hat sich im Laufe der Jahre gewandelt.

shz.de von
09. Mai 2018, 12:15 Uhr

Barmstedt | Otto Schinkel (80) aus Seestermühe ist den meisten Kunden auf dem Barmstedter Wochenmarkt ein Begriff. Seit nunmehr 50 Jahren steht er mit seiner Ehefrau Karin (68) vor dem Rathaus und verkauft je nach Saison Äpfel, Apfelsaft, Sämereien, Pflanzkartoffeln und gezogene Gemüse- und Blumenflanzen. Seit 2000 ist Schinkels Sohn Julius mit im Boot, der Gärtner (Fachrichtung Gemüsebau) gelernt hat. Darüber hinaus helfen Julius’ Ehefrau Kim und die Kinder Johanna (16), Anna (11) und Jannik (8) mit. Für Jannik steht schon fest, dass er den Betrieb in dritter Generation einmal übernehmen will.

Geschenk der Stadt

Anlässlich des Jubiläums überreichte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) ein Geschenk der Stadt. „Wir danken Ihnen für Ihre Treue“, sagte sie und berichtete, dass die Stadt bei Schinkel Äpfel für die Wahlhelfer bestellt habe. „Ich komme seit 50 Jahren gerne nach Barmstedt“, sagte Otto Schinkel. Er habe in dieser Zeit von seinen Kunden jeden ihrer Schicksalsschläge mitbekommen. „Ich bin der einzige ambulante Markthändler mit Sämereien auf Wochenmärkten in Schleswig-Holstein“, sagte er weiter. Mit seinem Stand steht er auch auf den Märkten in Elmshorn und Uetersen.

Bereits 1949 nach der Währungsreform verkaufte er – zehn Jahre alt – mit seiner Mutter Saatgut, Pflanzkartoffeln und Rübensaat in einem Ziehwagen in Seester, Seestermühe und Neuendeich. „Damals kauften die Leute Mengen, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann“, so Schinkel. Die meisten hätten einen kleinen Nutzgarten gehabt. Er arbeitete später für die Uetersener Firma Johannes Schmidt und verteilte bei seinen Besuchen Bestelllisten an die Kunden. Die Waren überbrachte er beim nächsten Gang.

Erinnerungen an die 1960er und 1970er

1968 übernahm Schinkel die Firma und arbeitete fünf Jahre mit einem Angestellten. „Wir hatten direkten Ladenverkauf und versorgten zusätzlich landesweit 2000 Kunden mit Sämereien“, so Schinkel. Vor dem Barmstedter Rathaus habe 1968 noch ein altes öffentliches WC-Haus gestanden, erinnert er sich. „In dem Häuschen hatte ich die Nacht vor dem Wochenmarkt meine Pflanzkartoffeln deponiert“, erzählt er schmunzelnd. Im Herbst 1973 siedelte er mit dem Betrieb nach Seestermühe um. Die Samenfachhandlung wurde modernisiert, Treibhäuser, Obstbau und Pflanzenanzucht kamen hinzu. „Der Saatguthandel ist heute ein Bei-Artikel geworden. Angefangen hatten wir in Uetersen mit 115 000 Tüten, die wir im Winter abgefüllt hatten“, sagte der gelernte Maurer. 38 Zentner Erbsen- und Bohnensaat sowie 250 Zentner Pflanzkartoffeln seien 1968 noch verkauft worden. „Das ging immer weiter bergab, schließlich waren es nur noch zehn Prozent davon“, so Schinkel, der sich dann auf fünf Hektar Obstanbau und Pflanzenzucht konzentrierte.

22 Jahre lang Bürgermeister

In seinem Heimatort war Schinkel viele Jahre lang Kommunalpolitiker der SPD und 22 Jahre Bürgermeister. Er habe währenddessen sogar Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker getroffen, erzählte er. Der damalige Bundespräsident hatte die Bürgermeister der Gemeinden, die beim Wettbewerb „das schönste Dorf“ ausgezeichnet worden waren, in die Villa Hammerschmidt eingeladen. „Mit mir unterhielt sich Weizsäcker persönlich, weil der Onkel seines persönlichen Referenten in Seestermühe lebte“, so Schinkel.

Seine Frau und er wollen seinen Sohn weiterhin unterstützen. „In einem Familienbetrieb hilft jeder mit, so lange er kann“, sagte Schinkel und fügte an: „Ich bin stolz, dass ich noch so fit bin, den Betrieb weiter unterstützen zu können.“

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