Kabarett in Barmstedt : Von High-Heels, Falten und Diäten

Das Publikum amüsierte sich prächtig.
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Das Publikum amüsierte sich prächtig.

Kabarettistin Inka Meyer hat in der Kulturschusterei die Schönheitsindustrie aufs Korn genommen.

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11. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Barmstedt | Höchst amüsant haben etwa 130 Besucher am Freitagabend den Auftritt der Kabarettistin Inka Meyer in der Barmstedter Kulturschusterei gefunden. Die „Pfälzerin mit ostfriesischem Migrationshintergrund“, wie sie sich vorstellte, nahm unter dem Titel „Der Teufel trägt Parka“ munter und ironisch den Irrsinn der Schönheitsindustrie, der Modekonzerne und den Wahn der immer schlank und jung aussehend wollenden Frauen aufs Korn – wobei aber auch Männer ihr Fett abbekamen. 

Meyer geizte nicht mit den meist unverständlichen und irreführenden englischen Werbebezeichnungen und erntete viel Gelächter. „Wir geben 13,5 Milliarden Euro pro Jahr für Schminkutensilien aus“, sagte sie und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ich finde etwa Teleshopping toll, was willste denn auch sonst nachts um 22.30 Uhr in Barmstedt machen?“. Sie fragte sich, warum Frauen High-Heels tragen. „Ich könnte nicht einmal darauf stehen“, bekannte sie und erntete viel Kopfnicken. „Wenn diese Schuhe so geil sind, würden Männer sie doch auch tragen“, rief sie. Warum also balanciert eine Frau auf schwindelerregend hohen Absätzen durch die Gegend? „Weil sie denkt, sie wirkt dann schlanker“, schlussfolgert Meyer und fügte trocken hinzu: „Ein Hausschwein bleibt doch auch ein Hausschwein, wenn es am Ende spitz zuläuft.“

Häufig streute Meyer lustige persönliche Erlebnisse in die satirischen Redebeiträge ein. Als sie zwei Männer im Partnerlook in Niederbayern gefragt habe, ob es nicht gerade dort für gleichgeschlechtliche Paare schwer sei, hätten die geantwortet: „Keine Ahnung – wir sind von der Polizei.“

Deftig und süffisant, dabei authentisch zu sein, sowie Tatsachen aussprechen, ohne den Zeigefinger zu erheben – das gelang Meyer bestens. Wie etwa beim Thema Pelz. Nach einer Zeit der Ablehnung wachse der Umsatz mit Pelzkleidung wieder, vorgelebt von Schauspielern in Modemagazinen, so Meyer. Überhaupt, diese Magazine: Verblödung pur. Sie ließ sich über sinnlose Diäten und überflüssige Vitaminzutaten in mittlerweile unzähligen Produkten aus. 1000 Euro für eine ach so tolle Nacht-creme? „Das ist die Grenze zur Kriminalität“, bemerkte sie und prangerte Kinderarbeit und Umweltverpestung der Industrie an. Frauen finden sich alt oder fett? „Gegen Falten gibt es kein Mittel. Jeder soll sich und andere nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen sehen“, schloss Meyer.

Lilly und Holger Schmuck fanden den Abend mit den vielen Pointen sehr unterhaltsam. Bärbel und Florian Pünner meinten, Meyer sei ungekünstelt und intelligent-witzig, und Katharina Iljazi meinte: „Sie bringt das, womit man selbst gesellschaftlich konfrontiert wird, auf den Punkt.“

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