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Barmstedt : Von der Bretterbude zur Gaststätte

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Vor 68 Jahren eröffnete Annemarie Derboven eine Schenke in Barmstedt. Heute ist das Lokal als Restaurant „Zum Pilz“ bekannt.

Die Erfolgsgeschichte begann mit einer kleinen Bretterbude – heute ist das Barmstedter Restaurant „Zum Pilz“ eine beliebte Gaststätte direkt am Wald. Annemarie Derboven, die Großmutter des jetzigen Inhabers Martin Derboven, eröffnete die kleine Schankwirtschaft vor fast auf den Tag genau 68 Jahren: am 19. September 1947.

Der Krieg war vorbei, und Annemarie Derboven wollte sich eine Existenz aufbauen. Ihr Mann war in russischer Kriegsgefangenschaft. Sie konnte ein Stück Land vom Land am Rantzauer Forst gegenüber der SSV-Außenanlage pachten. Dort gedachte sie, mit dem Verkauf von Speisen und Getränken ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Baumaterial indes war knapp. Daher schickte sie ihre Kinder Willi (6), Anke (9) und Heino (11) los, um aus dem Quartier der Engländer im Waldlager Bretter zu stehlen. Mit Hilfe einiger Freunde wurde daraus eine kleine Bude mit einer Verkaufsluke gezimmert. „Diese Bude existiert heute noch als Weinstube mitten im Restaurant“, so Enkel Martin Derboven.

Annemarie Derboven kochte Suppen, die die Fußballspieler des SSV Rantzau gern aßen. Der ehemalige SSV-Spieler Kurt Herrmann (90) erinnert sich noch an das selbst zubereitete Eis in der Waffel, das er sich durch die Verkaufsluke holte. „Es war äußerst lecker.“ Die Wirtschaft erhielt den Namen „Waldschänke“ und als Logo einen großen Pilz.

Mit ihrem zweiten Ehemann Ernst-Michael Blümlein brachte Annemarie Derboven Anfang der 50er Jahre eine Speisekarte heraus und erweiterte die Schänke nach und nach. So entstanden 1959 Wohnräume, 1967 ein Clubraum und 1982 Beherbergungsräume. Derbovens Sohn Willi und seine Ehefrau Erika übernahmen den Familienbetrieb 1979. 1980 wurde aus der „Waldschänke“ die Gaststätte „Zum Pilz“. „Der Name Waldschänke und das nahe gelegene Waldschlösschen hatten viele irritiert“, erklärt Martin Derboven, der den Betrieb mit seiner Schwester Sonja 1995 übernahm.

1997 wütete ein Brand im Gebäude. „Alles wurde nach damaligen Brandschutzauflagen wieder aufgebaut und modernisiert“, so Derboven. Darüber hinaus konnte er das Grundstück vom Land erwerben.

Etliche Döntjes von früher kennt Derboven noch. „Von Anfang an gab es den Gärtnerstammtisch, eine lustige Runde“, erzählt er. Als einmal die Frauen kamen, um ihre Männer vom Stammtisch abzuholen, seien diese gerade noch rechtzeitig durch ein Fenster getürmt. Seine Oma sei konsequent gewesen und habe pünktlich geschlossen, so Derboven – „egal, ob dort noch Gäste saßen – Oma riss die Fenster auf und stellte die Stühle hoch, auch im Winter“.

Auch seine Mutter habe sich nichts gefallen lassen. Als Übernachtungsgäste, die bereits betrunken angekommen waren, randalierten, habe sie ihnen mit dem Knüppel gedroht. „Diese ‚Hausordnung‘ hängt heute noch an der Wand, allerdings als Deko“, sagt Derboven lachend. Sei Vater Willi habe Radios gesammelt. „Bei jeder Feier mussten wir Berge von Radios wegschleppen, die sich bis zur Decke stapelten.“

Pfingsten und Vatertag sei es im „Pilz“ stets rappelvoll gewesen, sagt Derboven. „Damals waren Eintöpfe und Eisbein üblich, heute überwiegt die leichte Küche, Wild und vegetarisch.“ Eins ist nach wie vor geblieben: der schöne Blick auf die große Wiesensenke – der ausgetrocknete Angelteich der Rantzau-Grafen.

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