zur Navigation springen

875 Jahre Barmstedt : Vom großen Dorf zur kleinen Stadt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Peter Steenbuck lässt Barmstedts Geschichte lebendig werden. Zweiter Vortrag am 9. April im „Bootssteg“.

Barmstedt | Barmstedt wird dieses Jahr nicht nur 875 Jahre alt, es feiert auch ein zweites Jubiläum: 120 Jahre als Stadt, hervorgegangen aus der Vereinigung mit Großendorf. Peter Steenbuck nahm das zum Anlass, seine Archive für einen lebendigen Vortrag im ausverkauften Saal der Gaststätte „Zum Bootssteg“ zu öffnen. Anhand seines überrreichen Fundus’ an Bildern, Karten und Originaldokumenten aus 120 Jahren ließ der Stadtchronist Barmstedt als lebendigen Organismus auferstehen.

Die Zuschauer sehen Häuser und die Menschen kommen, sich verändern und gehen. Von fröhlichen Zeiten zeugt die Vielzahl an Gastwirtschaften – darunter der „Englische Garten“, ein Verandalokal direkt am Markt, das heute ein Fitnessstudio ist. Die alten Giebelbauten vom Markt und Reichenstraße weichen dem Jugendstil, Knaben-, Mädchen- und Präparandenschule entstehen, und bei einem Foto des alten Kollegiums geht ein freudiges Raunen durch den Saal: Mehrere Besucher sehen ihren früheren Lehrer Helmut Pergande als jungen Mann aus der zweiten Reihe lächeln. Gespannt hängt das Publikum an Steenbucks Lippen, und immer wieder gibt es Zwischenrufe. „Das ist meine Schwester!“ etwa, als die junge Ingrid Grelck mit ihren Freunden aus einer 80    Jahre alten Schwarzweißaufnahme in den Saal lacht.

Zu Steenbucks Sammlung gehören auch historische Ausgaben der Barmstedter Zeitung, die es seit 136 Jahren gibt. Steenbuck illustriert die bewegte Stadtgeschichte anhand von Annoncen, und mit der Sprache und den alten Schrifttypen wird die Lebenswelt der früheren Generationen wieder lebendig: der Aufbau der Stadtverwaltung anhand der Stellenausschreibung für den „Stadtsergeanten“, der Aufbruch Barmstedts in die Moderne von Eisenbahn und Elektrifizierung, hoffnungsvolle Anzeigen zur Wiederaufnahme der Kleingewerbebetriebe durch die Kriegsheimkehrer von 1918, hoffnungslose Ankündigungen von Zwangsversteigerungen während der großen Depression. Bis hin zu einem Zeitungsbericht über den Mann, der sich im Wald aus Verzweiflung über seine Arbeitslosigkeit das Leben nahm. Das sind die Momente, in denen es im Saal ganz still wird.

Aber Barmstedt lässt sich nicht unterkriegen: Ein Haushaltsratgeber aus dem Kaufhaus Mohnssen zeigt mit praktischen Tipps, wie sich die Barmstedter auch in schweren Zeiten das Leben organisieren können. Und wie nach dem Zweiten Weltkrieg Hoffnung und Lebensfreude wieder aufkeimen: in Vereinen wie dem BMTV und dem SSV Rantzau.

Wegen des großen Interesses wird Peter Steenbuck seinen Vortrag am Donnerstag, 9. April, ab 19.30 Uhr im „Bootssteg“ (Rantzauer See) wiederholen. Karten kosten sechs Euro und sind im „Bootssteg“ erhältlich, Telefon: 04123-3849.

Das Chronistenfieber hat Steenbuck schon als jungen Mann gepackt. „Im dritten Lehrjahr habe ich mir eine kleine Kamera gekauft“, erzählt er von den ersten Streifzügen durch seine Heimatstadt. Bald kamen Funde in alten Truhen alter Barmstedter Häuser hinzu, und inzwischen kommen die Barmstedter zu ihm, um ihm ihre historischen Schätze anzuvertrauen. Sein größter Schatz sitzt jedoch in seinem Kopf: Es ist die Fülle von Alltagsgeschichten, mit denen er seinen unerschöpflichen Fundus an historischem Material ungemein lebendig werden lässt.

Die Barmstedterin Gisela Asmußen war begeistert. „Ich gehe regelmäßig zu Peter Steenbucks Vorträgen“, sagte sie. „Und auch die Zusammenhänge der Stadtwerdung fand ich spannend.“

baz875logo
 
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen