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Barmstedt : Volkstrauertag wird neu gestaltet

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gedenkfeier auf dem Friedhof in Barmstedt wird vorverlegt, um mehr Bürgern die Teilnahme zu ermöglichen. Neue Erkenntnisse über Kriegsopfer

Barmstedt | Der Volkstrauertag naht, und Gert Rittner ist bedrückt. Nicht nur wegen des Anlasses an sich, sondern weil immer weniger Menschen die Gedenkveranstaltung auf dem Barmstedter Friedhof besuchen, die er zusammen mit Heinz Brügmann als Vertreter des Volkbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert. „Diese Gedenkstunde ist leider viel zu wenig bekannt“, bedauert Rittner. Ein weiterer Grund für die geringe Resonanz sei, dass die Zeremonie bisher erst nach dem Gottesdienst und der Gedenkfeier am Ehrenmal in der Hofhölzung stattfand – was zur Folge hatte, dass viele Besucher es vorzogen, anschließend zum Mittagessen nach Hause statt noch auf den weit entfernten Friedhof zu fahren.

In diesem Jahr wollen Rittner und Brügmann das vermeiden. „Wir ziehen die Gedenkfeier vor“, so Rittner. Sie werde bereits um 9.30 Uhr beginnen. „Wir treffen uns an der Friedhofskapelle und gehen von dort aus gemeinsam zu den Grabsteinen“, erklärt Rittner. Dort werde eine Ansprache gehalten und ein Kranz niedergelegt. Wer außerdem am Gottesdienst im Haus der Gemeinschaft teilnehmen möchte, dürfte das schaffen: Er beginnt um 11 Uhr

Den Bokeler Hobbyhistoriker Helmut Trede, der das Gemeinschaftsarchiv Barmstedt/Rantzau aufbaut, trieb bezüglich des Volkstrauertags noch eine andere Frage um: Wie viele und welche Kriegsgefallene wurden eigentlich in Barmstedt bestattet?, wollte er wissen. Doch das herauszufanden, erwies sich als nahezu unmöglich: Weder die Stadt noch die Kirchengemeinde und die Friedhofsverwaltung verfügen über entsprechende Listen. „Während besonders kleine Dörfer fast immer ein Ehrenmal oder eine Gedenktafel mit den Namen aller Gefallenen und Vermissten haben, ist dies in größeren Orten oft nicht der Fall“, stellte Trede bei seinen Recherchen fest.

Hat Barmstedt seine NS-Zeit bis heute nicht aufgearbeitet

Also machte sich der Bokeler an die mühevolle Kleinarbeit. Etwa 200 Namen von Opfern des 1. Weltkriegs entdeckte er unter anderem an der Gedenkstätte im Seepark, auf einem Fenster in der Aula der Grund- und Gemeinschaftsschule sowie auf zwei Gedenktafeln an der Feuerwache. Die Suche nach Opfern des 2. Weltkriegs sei dagegen fast ergebnislos geblieben. „Das liegt wohl auch daran, dass Barmstedt seine NS-Zeit bis heute nicht aufgearbeitet hat“, vermutet Trede. Insgesamt zählte er in Barmstedt letztlich 46 Gräber von Gefallenen oder auf andere Weise im Krieg Getöteten. Sie seien durchschnittlich nur 28,8 Jahre alt geworden. „Bis auf die ,Ehrengräber’, wurden oder werden sie von den Familien gepflegt“, so Trede.

An den 19 „Ehrengräbern“, die laut Trede früher unter der Lagebezeichnung „Quartier 12“ zu finden waren, werden auch Rittner und Brügmann am Sonntag der Gefallenen gedenken. „Die würde aber kaum einer so finden, deshalb treffen wir uns an der Kapelle“, sagt Rittner – der hofft, dort dieses Mal mehr Bürger als sonst begrüßen zu dürfen.

Das von der Stadt und der Kirchengemeinde für den Volkstrauertag (Sonntag, 16. November) organisierte Programm sieht wie folgt aus:

11 Uhr: Gottesdienst im Haus der Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche (Moltkestraße 2).

12.15 Uhr: Gedenkfeier am Ehrenmal in der Hofhölzung mit einem Liederbeitrag der Barmstedter Singgemeinschaft, einem Gedenkvers von Schülern der Grund- und  Gemeinschaftsschule, einem Liederbeitrag  der Bläsergruppe Barmstedt Brass und dem gemeinsamen Gesang der Nationalhymne. Den Gottesdienst wird Pastor Dieter Timm gestalten.

 

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erstellt am 13.Nov.2014 | 11:18 Uhr

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