zur Navigation springen

Wölfe im Kreis Pinneberg : Viele Indizien, aber kein Beweis

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Experte Hans-Albrecht Hewicker berichtet in Bokel über mögliche Wölfe im Kreis Pinneberg - und warnt vor Panikmache.

Bokel | Seit Wölfe in Deutschland streng geschützt sind, und die Raubtiere an immer mehr Orten gesichtet werden, ist eine hitzige Diskussion entbrannt, ob die Tiere in unserem dicht besiedelten Land wieder heimisch werden dürfen. Auf fast jede Zeitungsmeldung einer Wolfssichtung gibt es Dutzende Leserbriefe. „Und meist sind es ausgesprochen extreme Ansichten“, sagt Hans-Albrecht Hewicker. Der ehemalige Leiter des Forstamtes Rantzau und heutige Wolfsbetreuer referierte im Rahmen der Hauptversammlung des Landschaftspflegevereins Bokel und Umgebung zum Thema „Der Wolf in Schleswig-Holstein – Was nun?“.

Im Kreis Pinneberg konnte bislang noch kein Wolf nachgewiesen werden. Wobei es für diesen als verbindlich geltenden Nachweis „sehr hohe Ansprüche gibt“, wie Hewicker betonte. Indizien, dass Wölfe bereits auch im Kreis Pinneberg zu Gast waren, gebe es etliche. So seien schon im September 2012 in Bullenkuhlen sechs Schafe gerissen oder schwer verletzt worden. Doch da keine Wolfs-DNA nachgewiesen werden konnte, blieb der Beweis aus. Gleiches gilt für einen Spurenfund in Bokholt-Hanredder. Die Fußabdrücke passen zu einem Wolf, könnten aber auch von einem Hund stammen. Auch eine Häufung von Wildunfällen im Norden des Kreises zwischen September und November 2014 spricht nach Ansicht Hewickers für die Anwesenheit eines Wolfes.

Vermutlich wurde 1820 der letzte Wolf in Deutschland erlegt. Fast zweihundert Jahre blieben die Tiere auf der Abschussliste. Nun wandern sie wieder ein, ohne Angst vor Jägern haben zu müssen. „Alle Tiere in Deutschland stammen genetisch aus Ost-Polen“, erklärte Hewicker. Rund 400 Wölfe dürften seiner Ansicht nach inzwischen wieder in Deutschland leben, wobei offizielle Zahlen von deutlich weniger Tieren ausgehen. Für die Jahre 2013/14 wurden 25 Rudel nachgewiesen. Ein Rudel zählt im Schnitt etwa acht Wölfe. „Die Nachweise werden immer mehr“, so Hewicker. Und auch im Nachbarkreis Bad Segeberg sei bereits ein Wolf gesichtet worden.

„Angriffe auf Menschen sind sehr selten aber nicht ausgeschlossen“, sagt der Wolfsexperte. Angst oder gar Panikmache seien fehl am Platze. Bei der Neubesiedlung Schleswig-Holsteins seien bislang ausschließlich Rüden aufgetaucht. Die weiblichen Wölfe „folgen dann irgendwann“. Dass der Wolf ein zähes und anpassungsfähiges Tier ist, beweist eine Sichtung im Jahr 2014 direkt hinter dem Deich in Westerdeichstrich bei Büsum. „Wölfe leben also nicht nur in tiefen Wäldern“, räumt Hewicker mit einem Vorurteil auf. Trotz Jagdverbot ist und bleibt es übrigens der Mensch, der den Tieren am meisten zusetzt. Rund zwei Drittel aller Todesfälle der vergangenen Jahre sind Folge eines Verkehrsunfalls.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen