Sommerserie: rechts und links vom Krückauwanderweg : Viel Geld für nichts

Viel zu teuer: Die zwei Krückaubrücken zur Kremerschen Wiese wurden 2007 abgerissen.
Viel zu teuer: Die zwei Krückaubrücken zur Kremerschen Wiese wurden 2007 abgerissen.

Ein Teilstück des Krückauwanderwegs verlief bis 2007 über die Kremersche Wiese - ein Stück Grün mit Konfliktpotenzial.

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19. August 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn | Von Langeln per pedes oder Rad über Barmstedt nach Elmshorn, ohne eine Hauptstraße zu nutzen – das ist ab sofort möglich. Vor wenigen Tagen wurde in Heede ein neuer Fuß- und Radweg fertiggestellt, der Teil des Krückauwanderwegs werden soll. Unsere Zeitung hat das Projekt zum Anlass genommen, sich entlang des Weges umzuschauen. Unsere Geschichten „rechts und links vom Krückauwanderweg“ haben wir in einer Serie zusammengefasst, die bis einschließlich Montag, 20. August, laufen wird. Der heutige Teil dreht sich um ein verlorenes Teilstück des Wanderwegs über die Kremersche Wiese – und um viel Streit, Hoffnung, Resignation, Geld und wie die Stadt Elmshorn einmal einen Landwirt aus Versehen um 1200 Ballen Heu betrog.

Wer sich auf der Internetseite von Holstein Tourismus den Verlauf des Krückauwanderwegs auf einer Karte anzeigen lässt, erlebt bei dem Elmshorner Teilstück nördlich der Elsa-Brändström-Schule eine kleine Überraschung. Zumindest wenn man aufmerksam ist und ein wenig ortskundig. Denn laut Karte führt der Weg über zwei Krückaubrücken und eine Wiese. Allerdings: Die Wiese, die unter dem Namen Kremersche Wiese bekannt ist, gibt es zwar noch, doch die Brücken sind 2007 abgerissen worden. Gestritten wurde in Elmshorn jedoch schon vor ihrem Bau.

„Der teuerste Weg, der je in Elmshorn gebaut wurde“, titelten die Elmshorner Nachrichten am 1. August 1981. Dieses Urteil bezog sich auf den Plan, die kurze Wanderwegstrecke über die Kremersche Wiese führen zu lassen, die von einer landwirtschaftlich genutzten Fläche zu einer Feuchtwiese umgewidmet werden sollte. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die beiden Brücken rund 45 000 Mark teurer als geplant werden würden. Weg und Brücken sollten damit auf Kosten von 250 000 Mark kommen. Größte Kritiker damals: die Elmshorner CDU. Als Prestigeprojekt, verschwendete Steuergelder und „blanken Unsinn“ bezeichneten die Christdemokraten das Vorhaben, das die SPD und FDP in die Wege geleitet hatten. Es nutzte nichts, die Brücken wurden gebaut.

Ein weiteres Argument, wie die Elmshorner CDU dies verhindern wollte: Umweltschutz. So ließ die Fraktion im Juni 1981 in einer Pressemitteilung verbreiten, dass sie der Meinung sei „dass auch in Innenstadtzonen den wildlebenden Tieren eine Chance gegeben werden müsste, sich ungestört von der menschlichen Zivilisation zu entwickeln und zu entfalten.“ Auch deshalb plädierten die Politiker dafür, den Wanderweg nicht über die Kremersche Wiese führen zu lassen.

Bebildert wurde die Mitteilung mit einem Foto eben dieser Wiese – frisch gemäht. Und noch ein Streit wurde vom Zaun gebrochen. Denn zu diesem Zeitpunkt bestand ein Pachtvertrag der Stadt mit einem Landwirt aus Klein Offenseth, der das 14 000 Quadratmeter große Stück Land zur Gewinnung von Heu vorgesehen hatte und nun aus der Zeitung erfuhr, dass die Wiese schon abgemäht worden war. Ein Mitarbeiter der Stadt hatte die Sache voreilig in die Hand genommen, schließlich sollte hier eine Feuchtwiese entstehen. „Als Ernteausfall errechnete der Landwirt rund 1200 Ballen, die im Einkauf vier Mark pro Ballen kosten.“ Von der Stadt forderte der Landwirt 4000 Mark Entschädigung.

Viel Zank um ein kleines Stück Land, das heute ganz beschaulich vom gegenüberliegenden Krückauufer aus zu beobachten ist. Doch so friedlich es daliegt, auch Anfang der 2000er Jahre gab es darum wieder Aufregung – auch um Geld.

Denn die Stadt hatte die teuren Brücken, die zu der Naturwiese führten, zu wenig gewartet, so dass sie 2007 marode waren und abgerissen werden mussten. Ersatz wurde damals nicht geschaffen. Gut so, kommentierten damals die Elmshorner Nachrichten. Die Brücken seien schon 1981 zu teuer gewesen. Doch zumindest eine Sache stimmte diesmal: Statt der kalkulierten 60 000 Euro konnte der Abriss-Auftrag für nur 6000 Euro vergeben werden.

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