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Barmstedt : Verwaltung soll attraktiver werden

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Mitarbeiter sollen nicht durch höhere Gehälter, sondern durch andere Vergünstigungen an die Stadt gebunden werden.

Barmstedt | Die Barmstedter Verwaltung soll als Arbeitgeber attraktiver werden: Der Hauptausschuss hat am Dienstag einmütig beschlossen, ein Personalentwicklungskonzept auf den Weg zu bringen. Bis zum Ende dieses Jahres sollen zunächst 10  000 Euro zur Verfügung gestellt werden, um den „Wohlfühlfaktor“ für die Angestellten zu erhöhen. Die Stadtvertreter müssen der Entscheidung noch zustimmen.

Fachamtsleiter Sven Werner begründete den Wunsch der Verwaltung damit, dass die Verwaltung zwar „in der Region als guter und namhafter Arbeitgeber“ gelte und über „viele junge und hoch motivierte Kräfte“ verfüge, diese aber abzuwandern drohten, wenn ihnen in anderen Kommunen bessere Konditionen geboten würden. „Wir haben zum Beispiel gerade eine Mitarbeiterin nach der Ausbildung verloren, weil sie ein besseres Angebot bekommen hatte“, sagte er. Daher „haben wir uns überlegt, wie wir solche Leute halten können“. Statt auf mehr Gehalt wolle man auf andere Anreize setzen, so Werner. Das könnten etwa die Nutzung des Verwaltungsfuhrparks, Vergünstigungen bei Telefontarifen oder die Möglichkeit zum Einkauf bei Großhändlern sein. Werner: „Das sind kleine Dinge, über die sich der oder die Einzelne freut, und die uns nichts zusätzlich kosten.“

Darüber hinaus könnte man „Maßnahmen anbieten, die sonst zu kurz kommen“, sagte Werner – etwa Team-Workshops und Fortbildungen. Das würde allerdings Geld kosten: „Wir könnten uns 20  000 Euro pro Jahr vorstellen.“ Damit sei der Verwaltungsbeirat des Amts Hörnerkirchen – das 22 Prozent der Personalkosten trägt – einverstanden gewesen. Hauke Johannsen (CDU) erklärte, in der freien Wirtschaft setze man für derlei zwischen 100 und 150 Euro pro Mitarbeiter an. „Wir sollten bei 100 Euro anfangen“, schlug er vor – was bei derzeit 125 Mitarbeitern in der Verwaltungsgemeinschaft Barmstedt/Hörnerkirchen 12  500 Euro ergäbe.

Der Ausschussvorsitzende Peter Gottschalk (FWB) schlug vor, man solle bis Ende dieses Jahres erstmal dem Vorschlag des Verwaltungsbeirats folgen, sprich 10  000 Euro genehmigen. „Für 2018 können wir dann ja neu beraten.“ Dem folgten letztlich alle Politiker.

Kritische Nachfragen zum Konzept gab es aber auch. „Was ist mit dem Teilzeit- und dem Frauenförderprogramm?“, fragte Marina Quoirin-Nebel (Grüne). Es reiche nicht, das nur zu schreiben. „Wird mit den Angeboten auch aktiv auf die Mitarbeiter zugegangen?“ Das werde schon getan, sagte Werner und führte als Beispiel einen Bauhof-Mitarbeiter an, der in Elternzeit gehen werde. Günter Thiel (BALL) bemängelte, es stehe „zu wenig für Schwerbehinderte“ im Konzept. Das könne noch ergänzt werden, sagte Werner. „Es ist ja nicht in Stein gemeißelt. Wir können jederzeit weitere Ideen aufnehmen.“ Eine hatte Thiel gleich parat: „Wie wäre es mit einem Betriebskindergarten zusammen mit den Stadtwerken?“, fragte er – und erntete fröhliches Gelächter. Ebenso wie Ernst-Reimer Sass (CDU), der vorschlug, ob die Mitarbeiter für die Arbeitswege nicht statt der Dienstwagen lieber Dienstfahrräder nutzen sollten. „Da sparen sie die Zeit zum Abholen, und es hält gesund.“

Er hoffe, sagte Hans Hansen (SPD), dass sich die Maßnahmen letztendlich tatsächlich lohnten. „Vieles klingt in Seminaren toll, aber in der Praxis stellt man dann fest, dass es nicht umsetzbar ist.“

Kommentar aus der Redaktion: Zweierlei Maß

Den Dienstwagen auch privat nutzen, im Großmarkt einkaufen können, mit einem Team-Workshop mal raus aus dem Bürotrott kommen; Mit solchen und ähnlichen „Benefits“ sollen die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Barmstedt/ Hörnerkirchen  stärker an ihren Arbeitgeber gebunden  werden. Das ist gerade in Zeiten, in denen Unternehmen um Arbeitskräfte  buhlen und vielen Arbeitnehmern ein hohes Gehalt weniger wichtig ist als andere Annehmlichkeiten wie Home Office, Teilzeit oder kostenlose Snacks, sicher wichtig.  Schade ist aber, dass dem Hauptausschuss die Ehrenamtler offenbar nicht so viel wert sind: Während jetzt 10000 Euro für ein halbes Jahr bewilligt wurden, wurde jüngst der Wunsch der Behindertenbeauftragten, ihre monatliche Pauschale auf den Satz der – ebenfalls ehrenamtlich tätigen – Gleichstellungsbeauftragten anzuheben, abgelehnt. Das hätte 1260 Euro gekostet. Pro Jahr. Das Amt Rantzau hatte diese Erhöhung bewilligt.

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erstellt am 06.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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