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Barmstedt : Verstärkte Offensive gegen Fracking

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

„Möglichst viele Leute sensibilisieren“: Kino-Abend und Diskussion der FWB zu „Gasland“. Saturn-Kino zeigt den Film heute noch einmal.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Barmstedt | Blubbernde Flüsse mit toten Fischen und Fröschen, Leitungswasser, das in der Nähe einer Feuerzeugflamme zu brennen beginnt, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust beim Menschen – es ist ein erschreckendes Bild, das Regisseur Josh Fox mit seinem Dokumentarfilm „Gasland“ aus dem Jahr 2010 zeichnet. Der Streifen über Methoden und Auswirkungen des Frackings in mehreren US-Bundesstaaten läuft noch bis heute im Barmstedter Saturn-Kino.

Die Freie Wählergemeinschaft Barmstedt (FWB) hatte vor Kurzem unter anderem ihre Mitglieder zu einer Filmvorführung samt Diskussion eingeladen. Auch Vertreter des Schulelternbeirats des hiesigen Gymnasiums waren dabei. Hintergrund der Veranstaltung sind die vergebenen Konzessionen zur Aufsuchung von Erdöl und Erdgas für die Erlaubnisfelder Elmshorn und Bramstedt an PRD Energy.

Fox zeigt während des mit einem Emmy ausgezeichneten Films seine eigenen Recherchen zum Thema Fracking. Ihn hatte das Angebot eines Energiekonzerns, sein Grundstück in Pennsylvania für 10.000 Dollar für Erdgasbohrungen anzumieten, misstrauisch gemacht. Er begann nachzuforschen. Der Film zeigt die Auswirkungen auf Lebewesen und Natur der Frackingmethode. So werden zum Beispiel Leute interviewt, dessen Pferden auf der Weide das Fell ausfällt, seitdem in der Nähe gebohrt wird. Fox sammelte zudem Wasserproben. Labore schlugen daraufhin Alarm: Es sei nicht trinkbar. Verantwortlich dafür macht der Film das Gemisch aus Wasser und einem Chemiecocktail, das in den Boden gepresst wird.

Im Anschluss diskutierten die Zuschauer mit dem Fracking-Team der FWB um Susanne Rattay, Dietmar Nissen und Cornelia Dresler sowie mit Heike Otto, Christa Neumann-Wilken und Reinhard Hahne von der Bürgerinitiative (BI) „Frackingfreies Auenland“. Das Unternehmen PRD Energy hat nach eigenen Angaben die Absicht, im Erlaubnisfeld Bramstedt, wozu auch Barmstedt zählt, stillgelegte Ölfelder wieder in Gang zu setzen. Der Konzern hatte gegenüber dieser Zeitung aber angekündigt, die Fracking-Methode dabei nicht einsetzen zu wollen.

Die BI-Mitglieder warfen die Frage auf, was das Unternehmen wirklich vorhabe, weil sich eine Ölförderung nicht lohne. „Wir müssen ihm möglichst viele Steine in den Weg legen“, hieß es. „Wer zahlt bei Verschmutzungen, wer kommt für Schäden auf, wenn die Maschinen für Seismiken über die Straßen rollen?“, wollten die Zuschauer wissen. „Macht vorher Fotos, sichert den Ist-Zustand ab“, so die Vertreter der Initiative. Sie forderten die FWB-Mitglieder auf, zudem an Schulen, Förstereien, Jägerschaften, Baumschulen heranzutreten.

Weitere Fragen bezogen sich auch auf die Stadtwerke Barmstedt. „Was sagen die Stadtwerke, wenn die von ihnen angebohrten unterirdischen Quellen, die Trinkwasser für die Bevölkerung liefern, eklatant ausgebeutet werden?“, hieß es. Pro Bohrloch werden laut BI bis zu 29.000 Kubikmeter Grundwasser verbraucht werden. „Wir gehen an die Stadtwerke ran“, kündigte Axel Schmidt (FWB) an. „Wir haben Wasserschutzgebiete, an denen auch die Kommunalpolitik Interesse haben muss.“

Fazit der Veranstaltung: „Wir müssen aktiv gegen das Fracking werden und möglichst viele Leute sensibilisieren“, so Dietmar Nissen. Wer sich selbst ein Bild vom Film machen möchte, hat am heutigen Mittwoch nochmals die Gelegenheit dazu. Die Vorstellung im Saturn-Kino startet um 20.15 Uhr.

PRD Energy wertet eigenen Angaben zufolge derzeit Daten von Unternehmen aus, die früher im Erlaubnisfeld Bramstedt tätig waren. Der Vorgang dauere ein bis zwei Jahre. Ob irgendwann überhaupt die Förderung aufgenommen werde, stehe derzeit noch in den Sternen. Ist das Potenzial der Lagerstätten zu gering, sei es sogar möglich, dass PRD Energy die Aufsuchungserlaubnis zurückgebe.
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